Die Tänzer Vittoria Girelli und Fabio Adorisio machen sich auf der Bühne im Innenhof des Opernhauses warm für eine Probe, zu der auch der Choreograf Edward Clug auf die Bühne kommt. Wo sonst Autos parken, wird die ganze Woche getanzt. Foto: red/ak

„Wir sind zurück!“, freut sich nicht nur der Stuttgarter Ballettintendant über den Neustart der Kultur. Um gleich loslegen zu können, tanzt die Kompanie draußen in einem Hinterhof – und macht Lust auf mehr.

Stuttgart - Normalerweise parken im Hinterhof des Opernhauses mehrere Autos. Aber das alte Normal war einmal. Damals pilgerten Menschenmassen ins Kammertheater, um bei den „Blick hinter die Kulissen“-Veranstaltungen des Stuttgarter Balletts dabeizusein. Von diesem Montag an bietet die Kompanie als schnelle Antwort auf den Neustart der Kultur eine Open-air-Reihe mit Proben-Einblicken an, die Lust auf die nächste Premiere am 19. Juni machen sollen, unter den Gästen sind auch die ehemaligen Hauschoreografen Christian Spuck und Marco Goecke. Veranstaltungsort ist der Hinterhof des Opernhauses; aber auch wenn die parkenden Autos einer kleinen Bühne weichen mussten, finden davor nur knapp vierzig Zuschauer Platz.

 

Die Spannung des versprenkelten Häufchens ist trotz kühler, unbeständiger Witterung dennoch groß. Endlich wieder Live-Kultur! „Wir sind zurück!“, freut sich Ballettintendant Tamas Detrich auch für seine Tänzer riesig darauf, endlich wieder die Energie des Publikums zu spüren. Zwei von ihnen und einen Gast hat Detrich für diesen Abend mitgebracht: Vittoria Girelli und Fabio Adorisio machen sich im Hintergrund warm, während die Bühne erst einmal Edward Clug gehört.

Mit dem Erfolg wachsen die Erwartungen

Seit 2009, seit „Pocket Concerto“, arbeitet der rumänische Choreograf immer wieder mit dem Stuttgarter Ballett zusammen. Für Tamas Detrich war klar, dass er ihn auch bei den Feierlichkeiten zum 60-Jahr-Jubiläum der Kompanie dabeihaben will. Auch Clug will! Von seiner fünften Stuttgarter Uraufführung haben den Ballettdirektor aus Maribor selbst Quarantäne-Auflägen nicht abgehalten. „Ich fühle mich inzwischen hier zu Hause“, sagt Clug, „aber mit diesem Gefühl wachsen auch die Erwartungen an meine Arbeit, die Verantwortung und der Druck.“

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Ganz locker geht der Choreograf dann seine Arbeit auf der Minibühne an; und so gelingt es ihm tatsächlich in einer sehr konzentrierten Atmosphäre, ein halbfertiges Duett an diesem Abend fertigzustellen. Viel Anteil daran haben die beiden Tänzer, die aus Andeutungen und Ideen im Nu tolle Motive formen. Zwei Menschen begegnen sich, fast zufällig. Wie finden sie zueinander, wie kommunizieren sie? Darum wird es gehen. „Nicht zu viel Symmetrie“, bremst Clug erste Harmoniebedürfnisse und setzt auf minimale Zeichen: ein Muskelzucken hier, ein Armwink dort.

600 Zuschauer dürfen ins Opernhaus

„Wenn ich eine Idee habe, möchte ich sie möglichst weit ausdehnen zu einem Moment, der Bestand hat“, sagt Clug und lässt die Tänzer an einigen Stellen verharren, lässt den Fluss der Bewegungen im Kantigen enden. Als die Musik dazu erklingt, ergeben Innehalten und bedeutungsschwere Klänge ein stimmiges Bild. Sie kommen von Milko Lazar, mit dem Clug häufig zusammenarbeitet. „Wer würde so kurz vor der Premiere noch eine Komposition in Auftrag geben?“, freut sich Clug. „So etwas geht nur in Stuttgart.“ Wie viele Musiker dürfen coronabedingt spielen? Darauf kann man nur kurzfristig reagieren.

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Immer wieder geht der Blick an diesem Abend zum Himmel; doch das Wetter hält. In Zürich hatte Edward Clug schon einmal in einem Wasserbecken tanzen lassen, ihn könnte nichts schrecken. „Source“, Quelle, heißt sein Beitrag zum Ballettabend „New/Works“, der vom 19. Juni an im Opernhaus auf dem Programm steht und den tatsächlich bei jeder Aufführung 600 Zuschauer erleben können. Inspirationsquelle für Clug sind, wie er sagt, die tollen Stuttgarter Tänzer, aber auch sein Gründer John Cranko und das Publikum, dessen Energie seit 60 Jahren diese Kompanie antreibe.

Infos zur Premiere

Der Ballettabend „New/Works“ umfasst Uraufführungen von Christian Spuck, Marco Goecke und Edward Clug sowie die deutsche Erstaufführung von William Forsythes Choreografie „Blake Works“. Die Premiere am 19. Juni ist ausverkauft, für die weiteren Vorstellungen am 20. Juni (nachmittags und abends), 24., 25., 26. und 27. Juni gibt es noch Karten. Nach aktuellen Planungen dürfen 600 Zuschauer (getestet, geimpft oder genesen) ins Opernhaus. Eine Zusammenstellung aller Hygiene-und Sicherheitsmaßnahmen finden Sie unter www.stuttgarter-ballett.de/service/aktuelles.