Bewahrt sich seinen kritischen Blick: Surge-Chefcoach Jordan Neuman Foto: Baumann/Julia Rahn

Die American Footballer aus Stuttgart sind in dieser ELF-Saison ungeschlagen – und trotzdem sieht Cheftrainer Jordan Neuman Luft nach oben: „Wir müssen noch besser werden.“

Erfolgreicher könnte die Saison in der European League of Football (ELF) für Stuttgart Surge nicht laufen – und dennoch wird Cheftrainer Jordan Neuman nicht müde, sein Team immer wieder anzutreiben. An diesem Sonntag (13 Uhr) steht die Rückkehr ins heimische Gazi-Stadion an.

 

Herr Neuman, Ihr Team hat die ersten sechs Spiele der Saison gewonnen. Wie zufrieden sind Sie?

Mit der Ausbeute sehr zufrieden. Wir kontrollieren unsere Conference, werden im ersten Spiel der Play-offs auf jeden Fall Heimrecht haben. Das ist eine starke Position – aber unsere Ziele sind höher.

In der Hauptrunde ungeschlagen zu bleiben?

Zum Beispiel. Damit würden wir uns direkt für das Play-off-Halbfinale qualifizieren und zu Hause spielen. Das würde die Chance erhöhen, erneut ins Endspiel einzuziehen.

In der Tabelle könnte Stuttgart Surge nicht besser dastehen, trotzdem haben Sie zuletzt nach dem 30:25-Sieg bei den Tirol Raiders Klartext gesprochen. Was war aus Ihrer Sicht nicht akzeptabel?

Wir lagen sechs Minuten vor dem Ende 30:16 vorne und hatten die Partie voll im Griff, haben sie dann aber nicht seriös über die Runden gebracht. Stattdessen gab es Ballverluste, Strafen und Auswechselfehler, sodass wir sogar noch hätten verlieren können. Ich habe der Mannschaft klargemacht, dass unser Niveau viel höher sein muss – denn wenn wir mit so einem Sieg zufrieden sind, dann wird es irgendwann schiefgehen.

Sieht das die Mannschaft auch so?

Absolut. Wir alle wissen, dass es während einer langen Saison mal ein Spiel geben kann, in dem es nicht so gut läuft. Das muss man dann auf kämpferische Art gewinnen, so etwas schweißt ein Team ja auch zusammen. Und zugleich verdeutlicht eine derartige Leistung, auch wenn der Gegner sehr stark war und wir auswärts antreten mussten, dass es noch Luft nach oben gibt.

Wo genau?

Es geht um Kleinigkeiten – wir brauchen noch mehr Konzentration in entscheidenden Phasen, weniger Strafen, die uns zuletzt sehr wehgetan haben, und den absoluten Fokus auf unsere Ziele. Wir spielen bereits jetzt auf dem höchsten europäischen Niveau, das ist eine schöne Sache. Aber wir müssen noch besser werden.

Kann das klappen?

Davon bin ich überzeugt. Wir haben nicht nur die richtigen Leute im Team und im Staff, sondern auch den Hunger, um Großes zu erreichen.

An diesem Sonntag steht ab 13 Uhr gegen die Wroclaw Panthers das erste Heimspiel im Gazi-Stadion an . . .

. . . vor dem wir alle schon sehr aufgeregt sind.

Warum?

Wir haben unsere drei ersten Heimspiele wegen der EM in Sinsheim und Reutlingen ausgetragen, das war eine neue, gute Erfahrung. Eigentlich haben wir uns mit der Mannschaft darauf verständigt, dass es völlig egal ist, wo wir gegen wen unter welchen Bedingungen antreten – es darf unsere Leistung nicht beeinflussen. Und trotzdem freuen wir uns extrem darauf, nun in unser Heimstadion zurückzukehren.

Was ist dort anders?

Es ist eine tolle Arena, die Fans sorgen für eine herausragende Stimmung und eine besondere Atmosphäre. Es macht einfach Spaß, in Stuttgart zu spielen.

Und zu gewinnen?

Wir werden jedenfalls alles dafür tun.