Führte sein Team ins Play-off-Halbfinale: Reilly Hennessey, Quarterback von Stuttgart Surge Foto: Baumann

Die American Footballer von Stuttgart Surge ziehen nach einer starken Leistung gegen die Panthers Wroclaw ins Play-off-Halbfinale ein – und wollen mehr.

Die Fans von Stuttgart Surge waren sich schon kurz vor der Pause sicher, dass nichts mehr schiefgehen kann – und stimmten im Gazi-Stadion einen Gassenhauer an. „Oh wie ist das schön“ , sangen sie und feierten damit ihr Team, das im Wildcard-Game der European League of Football (ELF) nach einer starken Leistung 27:7 führte. Am Ende siegten die Gastgeber 37:14 gegen die Panthers Wroclaw aus Polen, erreichten somit souverän das Play-off-Halbfinale. Noch auf dem Feld schwor Coach Jordan Neuman sein Team auf das Duell bei den in dieser Saison ungeschlagenen Vienna Vikings am nächsten Samstag ein: „Wir sind“, rief er seinen Jungs zu, „noch nicht fertig!“

 

Die Stuttgarter hatten schlecht begonnen, schon im ersten Angriff wurde ein Pass von Quarterback Reilly Hennessey abgefangen. Doch die Surge-Defensive hielt nicht nur unmittelbar danach dem Druck der Panther stand, sondern war das gesamte Spiel über bissig, aufmerksam, nahezu fehlerlos. Und auch die Offensive kam schnell ins Rollen. „Ich bin sehr, sehr stolz auf meine Mannschaft“, sagte Neuman, „alle waren heiß, voll fokussiert, keiner ist nervös gewesen. Wir haben alles getan, um die größten Spiele zu spielen – und das Stadion hat uns im richtigen Moment die Energie gegeben, um eine sehr gute Leistung zeigen zu können.“

Die klare Führung verteidigt

Nach zwei Touchdown-Pässen von Reilly Hennessey auf Darrel Stewart führte der Favorit schnell 13:0, und hätte das Surge-Team nicht die eine oder andere Strafe zu viel kassiert, wäre das Ergebnis schon zu diesem Zeitpunkt noch klarer gewesen. Nach einem Lauf von Yannick Mayr übers ganze Feld unmittelbar nach den ersten Punkten der Panther und einem Touchdown des unermüdlichen Stuttgarter Runningbacks Nicolas Khandor stand es 27:7. Nach dem Wechsel verpassten die Gastgeber zwar bei zwei Angriffen, in denen sie unmittelbar vor der Endzone gestoppt wurden, die Chance, das Spiel vorzeitig zu entscheiden. Doch eng wurde es auch nach dem 30:14 der Gäste nicht mehr.

Die Stuttgarter Defensive stand bis zum Schluss sicher, Reilly Hennessey warf einen letzten Pass auf Louis Geyer zum 37:14-Endstand. Die 4210 Zuschauer hatten zuvor sogar Zeit gehabt, den WM-Titel der parallel spielenden deutschen Basketballer zu bejubeln und „Take me home, country roads“ zu singen – im letzten Heimspiel dieser Saison gab es noch einmal echte Gänsehautstimmung, die auch Suni Musa ergriff. „Was hier passiert, ist krass, total verrückt“, sagte der Surge-Boss, während seine Spieler auf der Ehrenrunde mit den begeisterten Fans abklatschten, „wir haben ein echtes Team zusammen, das gemeinsam super funktioniert. So schafft diese Mannschaft Dinge, die eigentlich nicht zu schaffen sind.“ Reicht es am Ende sogar zum Titelgewinn?

Deutliche Ansage in Richtung Wien

In Stuttgart glauben nach einer höchst erfolgreichen Saison alle daran, es ins Finale nach Duisburg schaffen zu können. „Es war ein gutes Spiel von uns. Aber wir wissen auch, dass es noch viel zu tun gibt“, meinte Safety Nick Wenzelburger – und schickte gleich noch eine Kampfansage in Richtung Wien: „Wir haben gezeigt, dass wir mit jedem Team mithalten können. Es wird Zeit, dass die Vikings endlich mal verlieren.“

Das ist auch das große Ziel von Jordan Neuman, der auf die Frage, ob er sich in seinem ersten Jahr in Stuttgart vorkomme wie im Märchen, eine klare Antwort gab: „Nein!“ Vielmehr sei der Erfolg hart erarbeitet und der Einzug ins Halbfinale Teil der internen Erwartungen. „Es ist unser Anspruch, guten Football zu spielen. Wenn wir gegen die Panther nicht so viele Strafen kassiert hätten, hätten wir noch höher gewonnen“, sagte der Surge-Coach, „wir haben großes Talent und ein tolles Trainer-Team. Da sind die richtigen Leute beisammen, um etwas ganz Besonderes erreichen zu können.“

Dafür fehlen nun nur noch zwei Siege.