Eric Friedler, Geschäftsführer des Hauses des Dokumentarfilms Foto: SWR/A. Reploh

Kann man mit Filmen zur Vergangenheit etwas zu Gegenwart beitragen? Unbedingt, meint Eric Friedler. Aber warum wollte er von Stuttgart aus andere Städte ins Boot holen?

Das Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart zeigt zum Holocaust-Gedenktag den Film „Die Ermittlung“. Der Geschäftsführer Eric Friedler und seine Vorgängerin Ulrike Becker wollen aber mehr Strahlkraft und haben deshalb eine bundesweite Kino-Initiative ins Rollen gebracht.

 

Herr Friedler, Sie haben von Stuttgart aus eine Initiative gestartet, sodass nun bundesweit Filme zu 80 Jahre Befreiung Auschwitz-Birkenau gezeigt werden. Warum?

Wir sehen uns in einer historischen Verantwortung, die eben auch eine gegenwärtige ist. Es lag nahe, zum Holocaust-Gedenktag eine bundesweite Kino-Initiative ins Leben zu rufen. In Stuttgart arbeiten wir mit dem Haus der Geschichte zusammen, in Berlin mit der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz.

In der Regel erreicht man mit solchen Veranstaltungen nur jene, die sich ohnehin mit dem Thema befassen. Kann man trotzdem etwas bewirken?

Die Frage wirkt beinahe resignativ. Ich bin fest davon überzeugt, und erste Reaktionen bestätigen mich in dieser Auffassung, dass ein sehr viel breiteres Publikum mit Aufmerksamkeit und in, wie soll ich sagen, demokratischer Verfasstheit und Verantwortung sich diesem Thema auf unsere Initiative bezogen stellt.

Wie hat man in den anderen Städten auf Ihre Initiative reagiert? Mit Filmen zum Holocaust-Gedenken macht man nicht unbedingt Kasse.

Es geht hier nicht um „Kasse machen“. Es geht um eine historische Verpflichtung. Aufklärung verjährt nicht, Aufklärung tut in allen Zeiten not. Eben auch in einem Heute, in dem sich antisemitische Vorbehalte wieder deutlich ballen, um sich greifen und, erschreckend genug, oftmals hingenommen werden. Übrigens ist der Eintritt zur Stuttgarter Veranstaltung frei.

Sie zeigen den neuen Film „Die Ermittlung“ über die Auschwitz-Prozesse im Haus der Geschichte. Warum nicht in einem Kino?

Das Haus der Geschichte verfügt über einen hervorragenden Kinosaal. Außerdem haben wir dort jene Expertise, die Voraussetzung ist, einen Diskussionsraum zu schaffen, der für dieses Thema ideal ist. Die meisten unserer rund 50 Kooperationspartner sind Kinos. Andere wie die Deutsche Kinemathek, das Bundesarchiv oder die Friedrich-Wilhelm-Murnau Stiftung veranstalten in ihren eigenen Räumern.

„Die Ermittlung“ basiert auf dem sechzig Jahre alten Theaterstück von Peter Weiss. Taugt das als Film?

Mehr als das! Weiss’ Stück hat eine immer noch unmittelbare Aktualität. Es ist ein Stück mit höchster Spannungsdramaturgie, was der Kinofilm kongenial übersetzt. Sozusagen ein Glücksfall einer bedachten und markant gespielten Adaption einer literarischen Vorlage. Die nicht nur Literatur sein wollte, sondern in aktivstem Sinn Aufklärung anstrebte – auch Anklage. Insofern sind das Stück und die Verfilmung von hoher Gegenwärtigkeit und Nähe, die Geschichte nicht als etwas Vergangenes präsentieren.

Filmvorführung im Haus der Geschichte

Termin
Filmvorführung, 26. Januar, 11 Uhr, Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Im Anschluss findet ein Gespräch statt mit dem Schauspieler Wilfried Hochholdinger, dem BW-Beauftragten gegen Antisemitismus, Michael Blume, und Katharina Stengel vom Fritz Bauer Institut.