Der Herzschwabe (oben) Edward Paul Buerkle, Urenkel des Filderstädter Stadtgründers Adam Bürkle (1825–1896), vor seinem Elternhaus Foto: Stuttgarter Zeitung Magazin/Liz Sanders

Die Städte, die Schwaben im 19. Jahrhundert im Süden der USA gründeten, existieren zum Großteil noch heute. Eine erlangte besondere Berühmtheit für ihre Reisfelder – und die Entenjagd. Wie geht es den 8000 Menschen dort kurz vor der Wahl? Wir haben nachgesehen: in Stuttgart, Arkansas.

Erwähnt man Stuttgart, Arkansas, als Reiseziel auf einem Roadtrip durch die USA, blickt man in irritierte einheimische Gesichter: „Wohin?“. Für Menschen aus Baden-Württemberg dagegen ist das Interesse am US-amerikanischen Stuttgart leichter nachzuvollziehen. Hofft man doch schließlich, ein Stückchen Heimat in der Prärie zu finden.

 

„Reis- und Entenhauptstadt der Welt“

Das US-Stuttgart, zwei Autostunden südwestlich von Memphis, trägt jedenfalls den eindrucksvollen Titel „Reis- und Entenhauptstadt der Welt“. Arkansas liefert ein Drittel der US-Reisproduktion, und Stuttgart spielt dabei eine führende Rolle. Zudem führt die sogenannte Mississippi-Flugroute Millionen Enten über die Stadt hinweg, die dabei tatsächlich den Himmel verdunkeln. Zu der Zeit herrscht hier Entenmanie. Das „Wings of the Prairie“-Festival gibt es seit fast 100 Jahren, Hauptattraktion ist der Entenlockruf-Wettbewerb.

Was ist mit dem schwäbischen Erbe im nur knapp 130 Jahre alten Stuttgart? Gründer Adam Bürkle stammte aus Plattenhardt-Filderstadt. In den dortigen Archiven steht, er sei 1852 nach Amerika „entwichen“. Wie viele damals träumte er von einer eigenen Siedlung in Amerika. Aber man nahm eine neue Siedlung nur ernst, wenn ein Zug dort hielt. Der nur hielt, wenn es eine Poststation gab. Also eröffnete Bürkle eine Poststation, nannte die Siedlung 1895 Stuttgart. Damit wurde er zum postbetreibenden Pastor, beziehungsweise zum predigenden Postbeamten. Und der Zug hielt in Stuttgart. Das waren die Anfänge mit 66 Personen.

Die Apotheke Buerkle Drug & Gifts eröffnete 1910 die schwäbische Stadtgründerfamilie. Heute gehört sie anderen, aber es gibt sie noch Foto: Stuttgarter Zeitung Magazin/Liz Sanders

Heute spricht hier niemand mehr Deutsch. Das schwäbische Kulturerbe starb wohl mit den ersten Siedlern. Wobei die rund 8000 Bewohner sichtlich stolz auf ihre Herkunft sind und jährlich ein „Deutsches Fest“ feiern.

VfB-Wimpel und Stuttgarter Autokennzeichen

Bei Bratwurst mit Sauerkraut werden in Lederhosen nicht nur barfuß Weintrauben gestampft, sondern die Begriffe „Stuttgart“ und „bayerisch“ fröhlich in einen Topf geworfen. Versöhnt ist man spätestens, wenn man einen Blick ins Rathaus wirft: Mitten in den US-Südstaaten hängen dort ein VfB-Wimpel, ein gerahmtes Schreiben von Oberbürgermeister Manfred Rommel und ein Stuttgarter Autokennzeichen.

Quak statt Howdy Kein Äffle, kein Pferdle: Das Krafttier von Stuttgart, Arkansas, ist die Ente. Sie begrüßt einen gleich am Ortseingang. Foto: Stuttgarter Zeitung Magazin/Liz Sanders

Man sollte zwar vorsichtig mit Wahlprognosen sein, aber: Beim letzten Mal, als die Demokraten sich Arkansas holten, war noch Bill Clinton Präsident. „Das größte Thema ist für mich die Inflation“, sagt heute der Stuttgarter Reisbauer Shan Rodgers, wenn man ihn auf die Wahl im November anspricht. „Ändert sich nicht bald etwas, ist es in fünf Jahren für ein Drittel der heutigen Farmer vorbei.“ Es ist genau die Unzufriedenheit, die viel Landvolk in die Arme Trumps treibt – obwohl er keine Lösungen anbietet. Direkt äußern will sich auch Brensom Osby nicht. Der 70-jährige Rentner sagt nur, dass er besonders auf Themen wie Gesundheitspolitik und Infrastruktur achtet.

Was die Leute in Ulm dazu sagen? Finden wir heraus. Ulm, Arkansas, liegt nur sieben Minuten entfernt. Auf Entenflügeln: noch kürzer.