Die ersten Präsentationszelte der Bundesländer stehen schon, der Rotebühlplatz ist jetzt ein Paradies für Fußgänger und Radfahrer. In unserer Bildergalerie finden Sie weitere Fotos von den Straßensperrungen und Aufbauarbeiten fürs Bürgerfest am 2. und 3. Oktober. Foto: Max Kovalenko

Noch bis 6. Oktober ist die Verkehrsschlagader der Stadt gesperrt. Die befürchteten Staus blieben am Wochenende aus, Anwohner und Partygänger genossen die Ruhe.

Stuttgart - Gegen 14.30 Uhr quillt die Innenstadt schier über mit Bummlern, darunter viele, die sich in Trachten als Volksfestbesucher zu erkennen geben. Gähnende Leere herrscht dagegen auf der Partymeile in der Theodor-Heuss-Straße. Sie wird anlässlich der Feiern zum Tag der Deutschen Einheit von 15 Uhr an zwischen Paulinenstraße und Gewerkschaftshaus gesperrt.

Der Verkehr fließt nun vom Arnulf-Klett-Platz am Hauptbahnhof nach dem DGB-Haus über die Willy-Bleicher-Straße durch den Planie-Tunnel. Die andere Umleitung führt die von der Paulinenbrücke kommenden Autos kurz nach der Rotebühlkaserne hinunter in die Schlossstraße. Lediglich eine Fahrbahn von der Paulinenstraße zum Arnulf-Klett-Platz am Hauptbahnhof bleibt bis Sonntag, 8 Uhr, für Anlieger frei. Dort verläuft der Verkehr bisweilen stockend. Wie viele andere Unberechtigte, schmuggelt sich auch ein Kölner unter die Anlieger: „Als Komponist für Filmmusik bin ich in jüngster Zeit oft in Stuttgart. Die Sperrung stört mich nicht, ich bin Baustellen gewöhnt.“

Für den Berufsverkehr am Montag und Dienstag zeigt sich die Verkehrsleitzentrale der Stadt gewappnet: „Wir haben für die gesamte Sperrzeit bis 6. Oktober zusätzliche Hinweistafeln installiert, die Ampeln auf den Umleitungsstrecken haben verlängerte Grünphasen“, sagt Jürgen Lauinger.

Fest zum Schutz der Bürger autofrei

Beim Rotebühlplatz, wo sich ansonsten die Blechlawine durchs Zentrum wälzt, herrscht reges Treiben. Lastwagen und Gabenstapler karren Baumaterial herbei: Rund um die Uhr errichten Arbeiter im Schichtbetrieb die Zelte, in denen sich die 16 Bundesländer am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, präsentieren. „Die nächtlichen Bauarbeiten bringen keine Nachteile für die Anwohner. Der Autoverkehr wäre deutlich lauter“, sagt Oliver Reuter, Projektleiter der Stuttgarter Agentur Roth & Lorenz, die vom Staatsministerium mit dem Aufbau betraut wurde. Man habe alle Anwohner über die Sperrung die Erreichbarkeit der Wohnungen informiert. Das Fest sei zum Schutz der Bürger autofrei. Von 11 bis 24 Uhr herrsche absolute Verkehrsruhe. Davor oder danach dürfe angeliefert werden.

Die Ruhe auf der Partymeile stößt bei den Gästen auf unterschiedliche Resonanz. Vor dem Magic Casino nuckeln die 25-jährigen Dusan und Marko an ihren Wasserpfeifen. „Auf Dauer wäre diese Ruhe nichts für uns. Die haben wir auf dem Killesberg, wo wir wohnen. Wir gehen in die Stadt, weil wir etwas erleben wollen. Heute sind weniger Frauen als sonst unterwegs“, sagen sie. Anders sehen es Veronica Ambrosio, Sarah Hamscher und Konstantinos Papadopoulos, die vor dem l’Oasis miteinander plaudern: „Wir vermissen das Röhren der getunten Autos auf der Partymeile nicht und würden sogar eine Sperrung am Wochenende ab 22 Uhr begrüßen. Dann kommen sich Besoffene und Autofahrer nicht mehr in die Quere.“ Rennen sie mit diesem Wunsch bei den Anwohnern offene Türen ein? „Gewiss, wir retten uns nachts vor dem Lärm nur dann, wenn wir selbst ausgehen“, sagt Papadopoulos.

Laut war es auch auf dem Volksfest am Wochenende. Trotz Bauarbeiten an der Tal­straße und Sperrungen wegen des Umzugs verzeichnete die Polizei aber nur den üblichen Verkehr rund um den Wasen.