Die Sterne leuchten in Stuttgart: Daimler investiert am Standort der Zentrale. Foto: dpa

Der Daimler-Konzern stärkt mit drei großen Neubauvorhaben seine Präsenz in Stuttgart. An zwei neuen Standorten entstehen für rund 60 Millionen Euro neue Verkaufsräume.

Der Daimler-Konzern stärkt mit drei großen Neubauvorhaben seine Präsenz in Stuttgart. An zwei neuen Standorten entstehen für rund 60 Millionen Euro neue Verkaufsräume.

Stuttgart - „Das Beste oder nichts“, mit diesem Versprechen werben Daimler und dessen Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche für die Produkte aus dem Konzern mit dem Stern. Am Stammsitz in Stuttgart hielt sich Daimler mit Ausbauvorhaben außerhalb des Werks in den letzten Jahren zurück. Nun will der Premiumhersteller an gleich drei Standorten Fahrt aufnehmen.

Im Degerlocher Gewerbegebiet Tränke will Daimler von der Stadt ein an der B 27 gelegenes, 6240 Quadratmeter großes Grundstück erwerben. Der viel zu beengt in der Sigmaringer Straße 260 untergebrachte bisherige reine Servicestützpunkt soll damit deutlich repräsentativer neu entstehen, wohl auch Autos verkaufen und den Pre­mium­anspruch einlösen können. Das neue Daimler-Flaggschiff auf den Fildern wird dem Vernehmen nach mehr als zehn Millionen Euro kosten. Daimler erwartet, dass die Stadt, der die Pläne im Januar präsentiert werden, den Vollanschluss des Gewerbegebiets an die Hauptverkehrsader schafft. Daran werde gearbeitet, heißt es im Rathaus.

Deutlich teurer kommt der Neubau der neuen Niederlassung an der Heilbronner Straße. Dort soll, in Verbindung zum Mercedes-Forum, dessen Schwerpunkt auf Gebrauchtwagen liegt, auf 12.000 Quadratmetern groß gebaut werden. So groß, dass nicht nur Pkw, sondern auch Lastwagen gezeigt werden können. Das Gelände an der mit täglich 70.000 Fahrzeugen stark frequentierten B 27 hat Daimler 2012 vom Werkzeughändler Hahn und Kolb gekauft. Branchenintern ist von 45 bis 50 Millionen Euro Investitionssumme die Rede. Der Rivale Audi ist vis-à-vis mit einer mehr als 45 Millionen Euro teuren Niederlassung vorgeprescht.

Zu den Neubauten liefert die in Berlin ansässige Mercedes-Vertriebszentrale nur einen Satz: „Wir planen, 2014 in die Niederlassung Stuttgart zu investieren“, sagt Sprecherin Konstanze Fiola. Genauso wortkarg gibt sich Sprecherin Silke Walters zum Ausbau der Daimler-Welt vor dem Untertürkheimer Werktor. Immerhin: Der Architektenwettbewerb werde „im ersten Quartal 2014 entschieden“.

Forschungs- und Zukunftsthemen erlebbar machen

Bei der erweiterten Mercedes-Welt geht es um größere Dimensionen. 60.000 Quadratmeter eigentlich unverkäuflicher Grün- beziehungsweise Sportflächen hat Daimler 2009 von der Stadt für 15,9 Millionen Euro erworben. Mit 2,35 Millionen Euro Festpreis wird sich der Konzern an der Erschließung über eine neue Stichstraße beteiligen. Nach dem ambitionierten Start lief das Projekt Mercedes-Welt bei Daimler seit 2009 „aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Situation“ schleppend. Zetsche stellte die Produktion vor die Repräsentation.

Der Architektenwettbewerb, bei dem von acht noch die drei Büros – Haas Cook Zemmerich, Bottega und Ehrhardt (beide Stuttgart) sowie das nachgerückte Büro Rex (New York) – im Rennen sind, sollte seit Anfang 2013 entschieden sein. Nun stimmt eine 18-köpfige Jury am 31. Januar 2014 über die Form des erweiterten Markenauftritts ab.

Die Erweiterung soll vieles, vielleicht allzu viel abdecken: Sie soll Forschungs- und Zukunftsthemen erlebbar machen, das bisher in Fellbach beheimatete Classic-Center integrieren, dem Unternehmensarchiv als Schaufenster dienen und Teile der Daimler-Kunstsammlung zeigen. Zusätzliche Werkstattplätze für die bisherige Niederlassung müssen untergebracht werden.

Erwartet wird ein großer architektonischer Wurf. Einer wäre zum Beispiel, Daimlers Einfahrbahn am Neckar zu überbauen. Der Konzern testet ja bald in Immendingen. Der Zugang zur Wasserstraße würde dem von OB Fritz Kuhn (Grüne) propagierten Thema Stadt am Fluss aufhelfen. Trotz der entscheidenden städtebaulichen Weichenstellung nimmt Kuhn nicht an der Jurysitzung teil. Er lässt sich von Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) vertreten. Weitere Merkwürdigkeit dieses Wettbewerbs: Die Architekten sind nicht zur Präsentation ihrer Entwürfe eingeladen. Die übernimmt eine hauseigene Abteilung des Autobauers.

Die Erweiterung dürfte Daimler einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Ob es dazu kommt, ist offen. 2008 gab es einen Architektenwettbewerb zum Neubau der Konzernzentrale in Untertürkheim. Zwei Büros aus Berlin und Stuttgart entwarfen Hochhäuser mit 65 bis 103 Metern. Die Pläne sind längst ad acta gelegt. Der Vorstand zog in einen kleineren Neubau. Das alte Hochhaus steht seit sechs Jahren leer.

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