Mit Karacho ins kühle Wasser des Untertürkheimer Inselbads: So voll wie am Mittwoch waren die Freibäder der Stadt in diesem Jahr aber nur selten. Foto: Peter-Michael Petsch

Bis Mitte Juli sind in die städtischen Bäder 20 Prozent weniger Besucher gekommen als 2011.

Stuttgart -Wer Genaues über das Badewetter in diesem Jahr wissen möchte, dem sei ein Blick auf die Besucherstatistik der städtischen Freibäder empfohlen. Ein Häuflein von 320 Schwimmern fand etwa am 16. Mai, dem bisher schlechtesten Tag der Saison, den Weg in die fünf Freiluftbadeanstalten. Stärkster Tag war jener heiße Samstag, der letzte Tag im Juni, der mit einem gewaltigem Gewittersturm endete. 27.049 Gäste suchten Abkühlung im Möhringer Freibad, im Vaihinger Rosental, im Untertürkheimer Inselbad, im Höhenfreibad auf dem Killesberg sowie im Sillenbucher Bädle. Ansonsten bleiben Liegewiesen heuer weitgehend unbehelligt von Sonnenanbetern, und in den Becken wurden einsame Schwimmer nur selten von tobenden Bengeln gestört. Als Gründe dafür sind in der Statistik der städtischen Bäderbetriebe drei Vokabeln besonders häufig notiert: regnerisch, kalt, windig. An drei Tagen wurden die Bäder sogar tagsüber geschlossen, weil es ohne Unterbrechung wie aus Kübeln schüttete.

„Das schlechte Wetter hat uns bisher einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Bäderchefin Anke Senne. Die Zwischenbilanz seit dem Start in die Freibadsaison – das Bad in Möhringen öffnete am 21. April, die anderen Freibäder folgten am 12. Mai – fällt bescheiden aus. „Bisher haben wir nur 246.437 Badegäste“, sagt Anke Senne. Stichtag für ihre Bilanz ist der 15. Juli.

Im vorigen Jahr haben im gleichen Zeitraum 308.071 Besucher die Eingangstore der Bäder passiert. „Das bedeutet einen Rückgang von zwanzig Prozent“, so die Bäderchefin Anke Senne. Ein Besucherschwund, den man als dramatisch bezeichnen darf. Dabei galt der Sommer 2011 mit insgesamt 615.000 Badegästen bereits als schwache Saison. In der Kasse der Bäderbetriebe fehlten damals rund 2,8 Millionen Euro. Weniger Badegäste kamen in jüngerer Vergangenheit lediglich im Jahr 2007. „Wir kalkulieren im langjährigen Durchschnitt mit 650.000 Besuchern“, sagt Senne.

Freibäder wollen Saison früher beenden

Angesichts der Zahlen reagiert man im Bäderamt verhalten auf einen Vorstoß der CDU-Gemeinderatsfraktion. „In diesem Jahr sticht ins Auge, dass der Badespaß im Freien bereits am 2. September endet, also sogar noch in den Sommerferien“, formulierten die Konservativen jüngst in einem Antrag an die Stadtverwaltung – verbunden mit der Forderung nach „einer (Wieder-)Ausweitung der Badesaison in den Stuttgarter Freibädern“. Als Argument führt die CDU an, die finanzielle Lage der Stadt habe sich schließlich entspannt.

Die Anfrage werde geprüft, allerdings werde man kaum eine Rückkehr zu längeren Öffnungszeiten empfehlen können, sagt die stellvertretende Bäderchefin Anita Grube. Hintergrund ist, dass der Gemeinderat den Bäderbetrieben 2009 im Zuge der städtischen Haushaltskonsolidierung Einsparungen von jährlich 400.000 Euro auferlegt hatte. „Eine Maßnahme dazu waren kürzere Öffnungszeiten der Freibäder. Auf diesem Weg sparen wir schon mal 50.000 Euro.“ Laut Anita Grube ist der September für die Freibäder auch bei passablem Wetter ein gewaltiges Zuschussgeschäft. Gegen eine um eine Woche verkürzte Freibadöffnung sei daher wenig einzuwenden, zumal man – wie voriges Jahr – im Höhenfreibad flexibel auf gutes Wetter reagiere. Die Badeanstalten länger zu öffnen, verböte sich zudem wegen der dünnen Personaldecke. Viele Mitarbeiter „sind durch die Vorbereitung der Hallenbäder für den Vereins- und Schulsport gebunden“, so Grube. Übersetzt heißt das in der Summe wohl: Wer Freibäder länger öffnen will, der muss sagen, wie er’s bezahlt.

„Wir brauchen zwei bis drei Wochen am Stück Superwetter, um die Besucherzahlen des Vorjahres noch zu erreichen“

Der Betrieb von Freibädern lässt sich freilich kaum kalkulieren. „Wir haben bislang einen wechselhaften Sommer“, sagt Meteorologin Peggy Hofheinz vom Deutschen Wetterdienst. Das Auf und Ab beim Wetter sei für Deutschland nicht ungewöhnlich. So verlief der Juli bisher recht trist. Die Sonnenscheindauer lag bis Wochenanfang um die Hälfte unter dem langjährigen Mittel. Auch war es um bis zu zwei Grad zu kalt. Dafür war der Juni etwas zu warm, aber es regnete zehn Prozent mehr als üblich. Im Mai war es dagegen gebietsweise um bis zu fünfzig Prozent zu trocken. Die Aussichten für Wasserratten sind in den nächsten Tagen jedoch nicht schlecht. Am Freitag soll es bis zu 33 Grad geben – mit zunehmender Gewitterneigung. Nächste Woche erreicht das Thermometer dann kaum mehr als 20 Grad.

Der Freibadbilanz nutzt das derzeitige kurze Zwischenhoch wenig. „Wir brauchen zwei bis drei Wochen am Stück Superwetter, um die Besucherzahlen des Vorjahres noch zu erreichen“, sagt Bäderchefin Senne. Sollte der Wettergott nicht doch noch ein stabiles Hoch über Stuttgart positionieren, könnte 2012 als das mieseste Freibadjahr in die Geschichte der Bäderbetriebe eingehen. Dass es auch anders geht, hat das Jahr 2003 gezeigt. Im damaligen Supersommer waren bis Mitte Juli 541.240 Badegäste in die Stuttgarter Freibäder geströmt. Am Ende der Saison hatten dort knapp über eine Million Menschen Abkühlung gesucht – Rekord.

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