Der neue „Freu-Fahrplan“ mit der S-Bahn Verlängerung bis Horb und der bisherige Fahrplan in grau. Man sieht deutlich: Beide Stationen in der Raumschaft bekommen deutlich bessere Verbindungen. Foto: Lück/Weber/Jürgen Lück

Rund um Stuttgart 21 gibt es jede Menge schlechter Nachrichten. Die Bahn will beim digitalen Knoten streichen. Die Neubaumittel sollen gestreckt werden. Was das für Pfaffensteigtunnel, den Umstieg in Vaihingen und die S-Bahn-Verlängerung bis Horb heißt.

Nach dem Interview mit dem Bundeschienenbeauftragten Michael Theurer (FDP) in der Vesperkirche häufen sich die schlechten Bahn-Nachrichten weiter. Ist jetzt auch der „Freu-Fahrplan“ (siehe Info-Kasten) in Gefahr? Eine Analyse.

 

Theurer sagte im Interview mit unserer Redaktion in der Vesperkirche, dass aufgrund der Haushaltskrise bei den Neubaumitteln gekürzt wurde. Man versuche, diese wieder aufzustocken.

Jetzt sagt ein Bahnsprecher gegenüber der DPA: „Wir halten unverändert an unseren Neubau- und Ausbauvorhaben fest.“ Es besteht aber zumindest die Gefahr einer zeitlichen Verschiebung von Projekten.

Der Pfaffensteigtunnel

Trifft das den Pfaffensteigtunnel? Das Projekt sollte 2026 in Bau gehen. Kostenschätzung: eine Milliarde Euro. Jetzt sagt Martin Bachhofer (Bund für Umwelt und Naturschutz Baden-Württemberg): „Bisher steht noch nicht einmal die Finanzierung des Tunnels. Die muss der Bundestag beschließen. Dafür müssten aber erst mal die realen Kosten auf dem Tisch liegen. Betrachtet man die Kosten anderer Eisenbahntunnel, kommt man schnell in Richtung drei Milliarden Euro.“

In Konkurrenz zum Pfaffensteigtunnel stehen unter anderem die Rheintalbahn, der Brenner-Zulauf und die Neubaustrecke Würzburg-Nürnberg, so das Verkehrsministerium.

Auswirkungen auf den „Freu-Fahrplan“: Die Interimslösung könnte zur Dauerlösung werden.

Stuttgart 21

Klar ist derzeit: Der Tiefbahnhof Stuttgart 21 wird wohl in mehreren Etappen in Betrieb gehen. Die Stuttgarter Nachrichten berichten: „Im Konzern ist aber für das Gesamtsystem S 21 inzwischen mit größerer Wahrscheinlichkeit von Dezember 2027 und, im schlimmsten Fall, von Dezember 2030 die Rede. Gefeiert werden soll die Inbetriebnahme 2025 im achtgleisigen Durchgangsbahnhof wohl dennoch. Analog zur symbolischen Prellbockanhebung zum Baustart im Februar 2010 denkt man an eine prominent besetzte Zugfahrt durch den Halt. Anschließend würden wohl zunächst die ICE nach München auf zwei Gleisen durchrollen. Das würde einen Parallelbetrieb von Durchgangs- und Kopfbahnhof bedeuten.“

Der digitale Knoten

Auswirkungen auf den „Freu-Fahrplan.“ Er kommt später. Gut für die Gäubahn-Reisenden: Sie können weiterhin ganz normal bis zum Hauptbahnhof Stuttgart durchfahren.

Jürgen Wurmthaler, technischer Direktor beim Verband Region Stuttgart sagt, was die Querelen um den digitalen Knoten für die S-Bahn Verlängerung für Horb bedeutet. Foto: Jürgen Lück

Mit Hilfe des Zugleitsystems ECTS und Digitaltechnik sollen die Züge komplett „automatisch“ über den digitalen Knoten gesteuert werden. Vorteil: So können beispielsweise auf dem S-Bahn-Netz in Stuttgart mehr Züge fahren. Jetzt berichtet die Wochenzeitung „Der Spiegel“, dass bei diesem Projekt Mittel gestrichen werden soll.

Das sagt der Experte

Jürgen Wurmthaler, leitender Direktor für Wirtschaft und Infrastruktur beim Verband Region Stuttgart: „Der bisherige Plan sieht vor, dass die Station Mittnachtstraße und das Zugleitsystem ECTS in der Ausbaustufe 1 und 2 installiert ist. Das ist Grundlage der eisenbahnwissenschaftlichen Untersuchung, welche die S-Bahn Verlängerung bis Horb positiv bescheinigt hat. “

Gefährden die jetzt angekündigten Kürzungen beim Digitalen Knoten die S-Bahn-Verlängerung bis Horb?

Wurmthaler warnt

Wurmthaler sagt: „Auf der Grundlage des heutigen Systems könnten wir die Verlängerung der S-Bahn bis Horb nicht verantworten. Damit wäre kein stabiler Betrieb möglich – weder im Kernnetz noch bis Horb. Allerdings: Bisher sind laut Bahn nur Kürzungen bei der Ausbaustufe drei des digitalen Knotens angekündigt. Davon wäre unser S-Bahn-Konzept mit der Verlängerung bis Horb nicht betroffen.“