Bei der Kappung der Gäubahn droht der Umstieg in Vaihingen auf die S-Bahn. Bahn-Insider sagen: Trotz des Interims-Konzepts des Landes muss man dann auch noch den Bahnsteig wechseln wie hier im Sommer 2022. Foto: Jürgen Lück

Die Planungen des Landes für die S-Bahn-Verlängerung liegen auf dem Tisch. Die S-Bahn bis Horb soll nur Montag bis Samstag bis 20 Uhr fahren. Die Fahrzeit: 65 Minuten – die langsamste Variante. Das bedeuten die Interimspläne für Rottweil und Freudenstadt.

Die gute Nachricht verkündete OB Peter Rosenberger schon am Tag, als Gerd Hickmann aus dem Landesverkehrsministerium das Fahrplankonzept für die Gäubahn-Kappung vorstellte. Horb kann weiter auf die S-Bahn Verlängerung hoffen.

 

Jetzt kommt raus: Im Gegensatz zum Metropolexpress (MEX) wird das nur wohl eine „MieS-Bahn“ bis Horb. Der Metropolexpress soll nach den Planung des Landes, das für den Nahverkehr verantwortlich ist, ab Dezember 2025 nach der Gäubahn-Kappung ab Rottweil eingesetzt werden.

Potenzial für Verspätung?

Die Fahrzeit von Rottweil bis Vaihingen beträgt dann 73 Minuten. Das sind fünf Minuten schneller als bisher direkt. Ab Horb sind es dann mit dem Metropol-Express 39 Minuten bis Stuttgart Vaihingen. Mit dem Umstieg in Stuttgart Vaihingen werden das ab Horb bis Stuttgart Hauptbahnhof 61 Minuten mit dem Metropol-Express und der Stuttgarter S-Bahn. Bisher sind das 65 Minuten.

Ein Bahn-Insider: „Das hört sich zwar ordentlich an. Aufgrund der Unterlagen ist aber klar, dass der Umstieg in Vaihingen nicht – wie ursprünglich in Aussicht gestellt – bahnsteiggleich erfolgen kann. Das Laufen durch die Unterführungen bergen das Potenzial für weitere Verspätungen.“

So sollen die Verbindung zwischen Horb und Stuttgart-Hauptbahnhof nach der Gäubahn-Kappung funktionieren. Foto: Landesverkehrsministerium BaWü

Ist die Verlängerung bis Horb nur eine MieS-Bahn?

Zumindest die S-Bahn Verbindung wird wohl eher zur MieS-Bahn für alle, die gehofft hatten, nach dem Theater- oder Oper-Besuch in Stuttgart ohne Stress und Umstieg ab Stuttgart-Hauptbahnhof bis Horb zu fahren.

Plan wird abgespeckt

Das Betriebskonzept des Landes sieht vor: Die S-Bahn-Verlängerung der Linie 1 soll nur von Montag bis Samstag bis 20 Uhr fahren. Im Stundentakt. Vom ursprünglich angedachten 40-Minuten-Takt (drei S-Bahnen in zwei Stunden) – keine Rede mehr. Die angedachte Express-Variante mit einer Fahrzeit von 55 Minuten bis Hauptbahnhof – auch nicht erwähnt. Begründung des Landes: „Nur möglich in Zeiten des 15-Minuten-Taktes der S-Bahn Linie 1.“

Aber: Im Wechsel der Verbindungen mit dem Metropolexpress, IC und S-Bahn gibt es einen Halbstundentakt zwischen Horb und Stuttgart – zumindest bis 20 Uhr. Morgens zwischen 7 und 9 Uhr listet das Landesverkehrsministerium Abfahrten um 7.05 Uhr, 7.20 Uhr, 7.51 Uhr, 8.05 Uhr, 8.20 und 8.45 Uhr auf.

IC wird langsamer

Und: Auch der schnelle, bequeme IC wird während der Gäubahn-Kappung langsamer. Zwischen Rottweil und Stuttgart Hauptbahnhof steigt die Fahrzeit um acht Minuten, ab Horb sind es vier Minuten mehr. Ein Insider: „In den Untersuchungen der Bahn wird das Verspätungspotenzial bis Vaihingen ausgerechnet. Es beträgt fast drei Minuten. Damit dürfte die Fernverkehrsverbindung Zürich-Singen-Stuttgart deutlich unzuverlässiger werden.“

Der bequeme Intercity zwischen Stuttgart und Horb wird langsamer durch den Umstieg in Vaihingen –bis Rottweil sogar um acht Minuten. Foto: Landesverkehresministerium BaWü

Wer davon träumt, dass die S-Bahn-Verlängerung bis Horb auch nach der Fertigstellung des Pfaffensteigtunnels bleibt, bekommt eine Absage. Das Landesverkehrsministerium schreibt: „Keine Dauerlösung! Die Bestellung und Finanzierung der S-Bahn Verlängerung gilt nur bis zur Fertigstellung des Pfaffensteigtunnels. Die hohe Zugdichte ist nicht durch die Nachfrage gedeckt.“

Immerhin. Horb kann weiter Hoffnung haben, dass der Verband Region Stuttgart die S-Bahn Verlängerung mitmacht. Die Beschlussvorlage im Verkehrsausschuss am Mittwoch, 24. Januar, schlägt vor: Man will jetzt Vereinbarungen für zur Weiterführung der S 1 nach Horb erarbeiten.

Das bedeutet das Interimskonzept für Freudenstadt, Rottweil und Singen

Freudenstadt
Ab der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 (bisher geplant: Dezember 2025) richtet das Land einen Metropolexpress (MEX) ein. Der fährt direkt von Stuttgart-Vaihingen nach Freudenstadt über Eutingen. Die Reisezeiten bis Hauptbahnhof werden länger – dank des Umstiegs in Vaihingen. Heißt vormittags zwischen 8 und 13 Uhr: 8.20 Uhr MEX mit einer Reisezeit von 91 Minuten. 9.07 Uhr Regionalbahn bis Eutingen, Umstieg in den IC – Reisezeit: 104 Minuten. 10.20 Uhr fährt der nächste MEX. Bisher lag die maximale Fahrzeit in demselben Zeitraum zwischen 89 und 90 Minuten.

Rottweil
Die Fahrzeiten werden deutlich länger durch den Umstieg. Brauchte man bisher am Nachmittag zwischen 78 und 96 Minuten ab Stuttgart Hauptbahnhof, steigt die Fahrzeit in Zukunft auf 82 Minuten bis zu 109 Minuten. Die Verbindung gibt es alle halbe Stunde.

Bondorf
Beliebt bei vielen Bahnpendlern aus Eutingen. Hier soll es jetzt vormittags mehr Verbindungen geben. Aber: die kürzeste Verbindungen (bisher IC z.B. 8.02 Uhr) statt 41 Minuten bis Hauptbahnhof in Zukunft mindestens 46 Minuten (MEX, S-Bahn).

Singen
Hier ändert sich nichts an den Verbindungen – sie bleiben. Dafür steigt die Fahrtzeit durch den Umstieg um sechs bis acht Minuten.