Starke Typen im VfB-Trikot: die deutschen Nationalspieler Deniz Undav (links) und Nick Woltemade (rechts) jubeln mit Enzo Millot. Foto: Baumann

Kaum ist das Pokalfinale vorbei, geht es für die Nationalspieler in der Nations League weiter. Dabei stehen zwei Stuttgarter im Blickpunkt – aus unterschiedlichen Gründen.

Voller Adrenalin ist er losgesprintet – nach seinem Führungstor. Richtung Eckfahne, um bis dorthin auf den Knien zu rutschen. Schön elegant wollte Nick Woltemade auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions dorthin gleiten, doch es war eine leicht ruckelige Szene beim 4:2 gegen Arminia Bielefeld im Pokalfinale. „Für zwei Meter ist der nicht schlecht“, scherzte der Stürmer des VfB Stuttgart nach dem Triumph in Anspielung auf seine Körpergröße, aber Folgen blieben nicht aus: blaue Flecken. „Ich habe es ja auch das erste Mal gemacht“, sagte der Aufsteiger der Saison.

 

Einer Wiederholung steht nichts im Wege – in Ergänzung zu Woltemades typischem Jubel, dem mit Händen signalisierten W. Ein Markenzeichen ist diese Geste in den vergangenen Monaten geworden, da dem Angreifer nach Anlaufschwierigkeiten zu Saisonbeginn Tor um Tor gelungen ist. 17 Pflichtspieltreffer (zwölf in der Liga/fünf im Pokal) stehen in der Statistik des 23-Jährigen, erzielt seit November in 33 Einsätzen.

Woltemade macht nun den Unterschied beim VfB, wie gegen die Bielefelder. Der vermeintliche Schlaks, der an Muskeln und somit Athletik zugelegt hat, behauptete sich körperlich und technisch gegen die Verteidiger des Drittligisten. Spielerisch leicht sah es teilweise aus, wie sich der Stuttgarter mit dem Ball am Fuß nach vorne aufdrehte und den Abwehrspieler im Rücken einfach mit sich nahm. Nur stand dieser dann hinter ihm und vermochte den Angreifer nicht zu verteidigen.

Solche Bewegungen sind es, die Woltemade ein besonderes Profil geben. Dazu kommen seine Ballbehandlung und seine Schnelligkeit sowie seine Lockerheit und Lernbereitschaft. Fähigkeiten, die ihn jetzt bis in die Nationalmannschaft gebracht haben. Der Bundestrainer Julian Nagelsmann hat ihn für die Nations League (4. bis 8. Juni) berufen. Die erste Nominierung, die gleich mit einem Sonderstatus verbunden ist. Denn danach soll es noch zur U-21-EM (11. bis 28. Juni) gehen.

Auch der Junioren-Nationalcoach Antonio di Salvo will nicht auf Woltemade verzichten – und der Torjäger verspürt Lust, die Saison zu verlängern. „Ich würde gerne einen Dreierpack machen, was Titel angeht. Nummer eins habe ich jetzt“, meinte der gebürtige Bremer. Um sich den Traum vom Triple zu erfüllen, müsste die Nationalmannschaft das hochkarätige Finalturnier in München und Stuttgart jedoch gewinnen. Zunächst geht es da im Halbfinale gegen Portugal (4. Juni/21 Uhr/ZDF).

Mit dabei ist dann neben den weiteren Stuttgartern Maximilian Mittelstädt, Angelo Stiller und Alexander Nübel auch Deniz Undav, der seine Berufung in Berlin verteidigte. Denn anstelle des 28-Jährigen war eher mit einer Nominierung des Mainzers Jonathan Burkardt gerechnet worden. „Der Bundestrainer hat mich nominiert. Der weiß, was für eine Qualität ich habe. Ich kann auf der Zehn spielen, ich kann vorne spielen“, sagte Undav, der gegen die Bielefelder mit einem Treffer und Spielfreude überzeugt hatte.

Für das Hinterfragen im vermeintlichen Fernduell mit Burkardt zeigte der wiedererstarkte VfB-Profi Verständnis. „Natürlich wird das kritisiert, weil Jonny nicht dabei ist, das ist schade für ihn“, sagte er. Gleichzeitig versicherte der bislang fünfmalige Nationalspieler (drei Tore), dass er im Nationaltrikot selbst nun alles für einen weiteren Titel geben werde.

Undavs Form stimmt dabei wieder. Nach Wochen im Leistungstief präsentierte er sich zuletzt in alter Stärke. Mit Toren und Überraschungsaktionen, die den Instinktfußballer auszeichnen. „Mein Spiel hat sich nicht verändert“, meinte Undav noch vor dem Pokalfinale. „Ich laufe nicht anders und auch nicht weniger als in der Vorsaison“, betonte der Angreifer, der beim VfB zum Publikumsliebling und nach einer Leihe zum Rekordtransfer aufgestiegen ist. Nur jetzt läuft es wieder: mit Leichtigkeit in den Beinen und Lockerheit im Kopf. Weshalb ein Teil des weiß-roten Anhangs schon von einem neuen VfB-Duo für Deutschland schwärmt: Woltemade und Undav.