Luca Pfeiffer (Mitte) im Trainingslager des VfB Stuttgart in Austin Foto: Baumann/Julia Rahn

Er ist 1,96 Meter groß – doch das ist gar nicht der Grund, warum Luca Pfeiffer aus dem Team des VfB Stuttgart heraussticht.

Normalerweise ist es ja recht einfach, mit einer Körpergröße von 1,96 Metern aus einer Reisegruppe herauszustechen. Beim VfB Stuttgart und dem Trip nach Austin in Texas ist das derzeit ein wenig anders. Da gibt es Konstantinos Mavropanos, den Griechen: 1,94 Meter. Es gibt Florian Schock, den dritten Torhüter: 2,00 Meter. Dan-Axel Zagadou, den französischen Abwehrspieler: 1,96 Meter. Und auch Florian Müller, Fabian Bredlow und Josha Vagnoman (alle 1,90 Meter) sind nicht die Kleinsten. 1,96 Meter sind also nicht gerade ungewöhnlich, und doch sticht Luca Pfeiffer aus dem VfB-Tross heraus. Jedoch nicht wegen seiner Größe – sondern wegen seines Werdegangs.

 

„Mit 18 oder 19 Jahren hatte ich nie und nimmer daran gedacht, einmal in der Bundesliga zu spielen“, sagt der Stürmer, der aus Bad Mergentheim stammt, „ja nicht einmal mit 23.“ Das ist noch gar nicht lange her. Nun ist Luca Pfeiffer 26 Jahre alt, steht gemeinsam mit rund 20 anderen Bundesliga-Profis am Trainingsplatz im St. David’s Performance Center von Austin – und hat in seinem Steckbrief elf Einsätze im deutschen Fußball-Oberhaus stehen. „Ich habe mich gut eingewöhnt mittlerweile“, sagt er mit Blick auf die vergangenen Wochen, „auch wenn es durch die Sperre nach meiner Roten Karte gegen den 1. FC Köln mit ein bisschen Verzögerung geschehen ist.“

Einst bei den Kickers, nun beim VfB

Seit diesem Sommer steht Pfeiffer beim VfB unter Vertrag – und das ist deshalb etwas Außergewöhnliches, weil er vor viereinhalb Jahren zwar schon einmal in Stuttgart als Fußballer sein Geld verdiente. Allerdings bei den Stuttgarter Kickers in der Regionalliga. Dorthin war er vom FSV Hollenbach (Oberliga) gewechselt. Nach den zwei Jahren in Degerloch ging es zum VfL Osnabrück (dritte Liga), dann zu den Würzburger Kickers (dritte und zweite Liga) – und bis dahin folgte der groß gewachsene Angreifer nicht wirklich einem ausgeklügelten Karriereplan. Auf jedem Level, überall, wo er bis dahin spielte, hat er sich sportlich einfach „wohlgefühlt“. Und die erste Liga nicht verbissen als Ziel ausgegeben. Aber er merkte eben auch, wie er sich immer wieder schnell an ein neues Niveau anpassen konnte.

So machte Luca Pfeiffer immer seine Tore, wagte vor zwei Jahren dann sogar den Schritt ins Ausland, war nun wirklich richtig angekommen im Profifußball – und lernte auch dessen Schattenseiten kennen: „Erstmals habe ich erlebt, dass viele Spieler von überallher zusammenkommen und die meisten eben zuerst an sich selbst denken.“

Richtig glücklich wurde er beim FC Midtjylland in Dänemark daher nicht, dennoch sagt er: „Diese Erfahrung hat mich als Fußballer und Mensch weitergebracht.“ Und indirekt hat ihm das Engagement in Skandinavien ja den Sprung zum VfB ermöglicht. Zum einen sammelte er internationale Erfahrung sogar in der Champions League. Zweimal kam er gegen den FC Liverpool zu einem Kurzeinsatz, einmal gegen Ajax Amsterdam. Zudem wurde Pfeiffer im zweiten Vertragsjahr in Dänemark an den deutschen Zweitligisten SV Darmstadt 98 ausgeliehen – und setzte sich auf Anhieb in der physisch starken Spielklasse durch. 18 Treffer erzielte er in der vergangenen Saison (einen davon im Pokal), dann klopfte der VfB an. Und Pfeiffer nahm die nächste Herausforderung an.

Kurzeinsätze in der Champions League

„Vielleicht“, sagt er über das Dasein als Profi, „genieße ich das alles aufgrund meines Werdegangs ein bisschen mehr als andere.“ Zumal zuletzt einige Startelfeinsätze dazukamen und sich der VfB nach einem lange sieglosen Saisonstart unter dem Trainer Michael Wimmer ein wenig gefangen hat. Dass er sich durch die Rotsperre selbst um wertvolle Spielzeit gebracht hat, ist nicht vergessen, aber abgehakt. „Luca hat sich nach dem Köln-Spiel viele Vorwürfe gemacht – wir ihm nicht“, sagt VfB-Sportdirektor Sven Mislintat, der den Fußballer Pfeiffer als „sehr feinfühlig“ bezeichnet.

Der VfB-Trainer Michael Wimmer lobt neben dem Torinstinkt – zwei Pokaltreffer stehen bislang für die Stuttgarter zu Buche – die Arbeitsmoral des Stürmers. Nach dem Doppelpack im Pokal gegen Arminia Bielefeld lobte der Coach: „Er hat sich die zwei Tore verdient.“

Verdienen will sich Luca Pfeiffer (Vertrag bis 2026) nach der langen WM-Pause dann den Klassenverbleib mit dem VfB. Er spricht von einem „guten Weg“, auf dem man nun sei. Er meint damit sich selbst – und die anderen großen Jungs.