Wieder gut drauf: Deniz Undav hat zuletzt zu alter Stärke zurückgefunden. Foto: IMAGO/Schüler

Für Deniz Undav ging es viele Monate zur bergauf. Dann kamen eine sportliche Krise samt Kritik. Wie damit umgehen? Das hat der Stürmer des VfB Stuttgart auch einen Kollegen gefragt.

Mittlerweile ist ja alles wieder im Lot. „Ich bin wieder gut drauf“, sagte Deniz Undav am Freitagnachmittag im Kreise der deutschen Fußball-Nationalmannschaft – und meinte damit nicht nur den Moment. Sondern mit Blick auf die vergangenen Wochen.

 

Mit dem VfB Stuttgart hat der Stürmer den DFB-Pokal gewonnen, er hatte selbst ein starkes Finish in der Saison und darf nun auch darauf hoffen, am kommenden Sonntag (15 Uhr/RTL und DAZN) im Spiel um Platz drei der Nations League gegen Frankreich von Beginn an aufzulaufen. Es gab in den vergangenen Monaten aber auch andere Zeiten. In denen Deniz Undav Rat in den Reihen des Nationalteams suchte.

„Ich habe gefragt, und er hat mir geholfen“, sagte Undav am Freitag über Joshua Kimmich. Als Kapitän der DFB-Elf sei der Münchner mit Stuttgarter Vergangenheit schließlich einer, „der schon viel erlebt hat“. Auch Phasen, in denen es mal nicht läuft und in denen die Kritik von außen dann zunimmt. Auch Sandro Wagner, der Co-Trainer des Nationalteams, wurde von Undav in der Frage, wie damit umzugehen ist, konsultiert.

Für den heute 28-Jährigen war es zwar kein leichter Weg gewesen, im Profifußball Fuß zu fassen. In den vergangenen drei, vier Jahren ging es dann aber stetig bergauf. Erst recht, nachdem er in die Bundesliga zum VfB Stuttgart gewechselt war. Undav überzeugte sportlich – und durch seine erfrischend normale Art. Nicht nur im Club, auch wenig später bei der Nationalmannschaft feierte ihn das Fußball-Publikum ordentlich ab. Doch dann kam eine sportliche Krise.

Torschütze im Oktober 2024: Deniz Undav (li.) trifft im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina. Foto: IMAGO/DeFodi

Deniz Undav traf nicht mehr, viele zweifelten plötzlich an seinem professionellen Lebenswandel und kritisierten Dinge, die vorher bejubelt worden waren. „Am Anfang hat mich das gestört“, gab Undav nun zu, „und ich habe es nicht verstanden.“ Also suchte er Rat bei jenen, die schon länger in diesem extremen Fokus stehen. Und danach? „Habe ich nur versucht, der zu sein, der ich bin – und nicht mehr auf die externe Kritik gehört.“

Im Training habe er zudem „mehr Gas gegeben“, der Knoten platzte dann in Berlin. Nicht beim Pokalfinale, sondern Mitte April im Auswärtsspiel beim 1. FC Union mit einem Treffer und einer Torvorlage. „Zum Glück habe ich am Ende der Saison zu alter Stärke zurückgefunden“, sagte der Nationalspieler – der nun auch wieder auf nach außen den gewohnten Deniz Undav gibt.

Viel Ernsthaftigkeit vor dem Duell mit Frankreich

Den Clown mimt er dabei aber nicht. Gerade nach der Niederlage gegen Portugal und vor dem Duell mit Frankreich strahlte Undav auch viel Ernsthaftigkeit aus. Zumal es ja auch für ihn selbst darum geht, im Kreise der Nationalelf mal wieder ein sportliches Zeichen setzen zu können.

Spielzeit im DFB-Trikot hatte er zuletzt im Oktober 2024 beim 2:1 gegen Bosnien-Herzegowina, als Undav auch doppelt traf. Seitdem ist die Konkurrenz im deutschen Angriff noch einmal gewachsen, zuletzt durch Nick Woltemade, den Sturmkollegen vom VfB Stuttgart. „Ich habe schon gezeigt, dass ich treffen kann“, sagte Undav am Freitag und versicherte: „Ich warte auf meine Chance.“

Die vielleicht schon bei seinem Heimspiel in Stuttgart kommt.