Vom Toptorjäger zum glücklosen Stürmer ist es oft nicht weit. Das erlebt Deniz Undav nach dem 0:2 in Rom. Trotz vergebener Chancen bleibt das Vertrauen in ihn aber groß.
Sie wird noch immer auf rosa Zeitungspapier gedruckt. Die ruhmreiche „Gazzetta dello Sport“ widmete dem Gastspiel des VfB bei der AS Rom in ihrer Freitagsausgabe eine Doppelseite – und rückte bei den Stuttgartern besonders Deniz Undav in den Fokus. „Undav ist nicht zu sehen“, titelte das Blatt über die Rubrik, in welcher die Italiener den Spielern für ihre Leistungen Noten verteilen. Undav schnitt dabei am schlechtesten ab.
Das war ein wenig ungerecht. Denn auch andere Stuttgarter Akteure hatten in der Ewigen Stadt so ihre fußballerischen Probleme. Etwa der Rechtsverteidiger Lorenz Assignon, der hinten bedenklich wackelte – und von dem nach vorne auch in puncto Flanken wenig bis gar nichts kam. Oder der junge Chema, an dem das Spiel mehr oder weniger vorbeiging, was für einen Sechser kein gutes Zeichen ist.
Doch vor allem richtete sich die Kritik an Undav: Das lag an den beiden vergebenen Großchancen des 29-Jährigen, die für den VfB nach der Führung von Niccolo Pisilli (40.) das 1:1 und damit die Eintrittskarte zurück ins Match hätten bedeuten können. Zunächst scheiterte der Nationalstürmer an Roma-Keeper Mila Svilar (47.) – und vergab anschließend auch noch völlig freistehend aus kurzer Distanz (58.). Aus sechs Metern ballerte Undav den Ball weit über das Tor der Italiener. Dass es der eingewechselte Ermedin Demirovic in der 79. Minute nicht besser machte, tröstete Undav wenig.
„Deniz hat uns in dieser Saison schon oft geholfen, mit Treffern fast aus dem Nichts, mit ungewöhnlichen Toren. Ein Stürmer macht mal eine solche Phase durch. Er hat ein, zwei Tore auf dem Fuß gehabt. Dass es nicht geklappt hat, akzeptieren wir – diese Phase wird er überstehen“, sagte der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, nachdem Pisilli für die Römer auch das Tor zum 2:0-Endstand (90 +3) gemacht hatte: „Am meisten macht sich Deniz selbst die Vorwürfe.“
Tatsächlich hatte Undav vor allem im vergangenen November und Dezember einen Lauf, der ihn unter anderem zum kontinentalen Topscorer der fünf großen europäischen Ligen gemacht hatte. Doch bereits in den Bundesliga-Partien gegen Eintracht Frankfurt (3:2) sowie gegen Union Berlin (1:1) hatte der Stürmer einige gute Möglichkeiten liegen lassen.
„Klar wissen wir, dass die Römer ein großes Problem bekommen hätten, wenn wir das Tor zum 1:1 machen, weil wir dann womöglich auf das zweite gegangen wären“, sagte VfB-Abwehrspieler Jeff Chabot: „Wir wissen aber alle, dass Deniz Tore schießen kann. Er hat uns in so vielen Spielen mit seinen Toren gerettet. Da machen wir jetzt kein Thema draus.“
Das sieht auch Trainer Sebastian Hoeneß so, der nach Abpfiff ganz grundsätzlich mit dem Problem haderte, dass sein Team wie bereits in den internationalen Partien in Basel sowie bei Fenerbahce Istanbul wieder ohne ein selbst erzieltes Tor geschlagen das Feld verlassen musste. Dabei suchte der Chefcoach aber nicht die Schuld bei Undav.
„Deniz durchläuft gerade eine Phase, die jeder Stürmer in seiner Karriere mehrfach mitmacht“, sagte Hoeneß: „Er ist bestimmt am meisten enttäuscht darüber, dass er der Mannschaft diesmal nicht helfen konnte. Aber er wird sehr bald wieder treffen. Daher sollte er sich nicht lange mit diesem Spiel aufhalten.“