Melanie Wittmann (von links), Patrick Gambin und Tobias Koppe sowie Nils Schiffmann und Thomas Keller (vordere Reihe) sind ein Teil des Teams hinter dem Konzept „The bLÄNDed learning“.Foto: Julian Schubert Foto:  

Mit „THE bLÄNDed learning“ wollen mehrere Hochschulen in Baden-Württemberg das klassische Studium verändern. Die Organisation liegt dabei in Furtwangen.

Vorlesung im Hörsaal um 8 Uhr morgens, feste Stundenpläne und ein Studium an nur einem Standort: Für viele gehört genau all das noch immer zum klassischen Studentenleben. Mit dem neuen Studienkonzept „THE bLÄNDed learning“ wollen mehrere Hochschulen in Baden-Württemberg nun neue Wege gehen – digitaler, flexibler und deutlich praxisnäher.

 

Hinter dem Konzept steckt eine vom Land geförderte Initiative, die staatliche Hochschulen attraktiver machen und gleichzeitig dem Fachkräftemangel entgegenwirken soll. Die HFU in Furtwangen spielt dabei eine zentrale Rolle, denn dort sitzt die Geschäftsstelle des Projekts.

Studium soll flexibler werden

Das Besondere an dem Konzept: Die Studiengänge werden größtenteils online absolviert. Rund 80 Prozent der Inhalte finden digital statt, ergänzt durch kompakte Präsenzphasen an den beteiligten Hochschulen. „Eigentlich ist es ein ganz normaler Studiengang, nur eben nicht an einen festen Ort gebunden“, erklärt Alessia Carbone aus der Marketingkoordination von „THE bLÄNDed learning“ im Gespräch mit unserer Redaktion. Ziel sei es, Studium, Beruf und Privatleben besser miteinander verbinden zu können.

An dem Projekt beteiligen sich aktuell acht staatliche Hochschulen in Baden-Württemberg. Jeder Studiengang wird von mindestens zwei Hochschulen gemeinsam angeboten. Hintergrund ist laut Carbone auch der Wunsch des Landes, wieder mehr Studenten an staatliche Hochschulen zu bringen. „Private Hochschulen bieten oft schon lange diese Flexibilität. Genau darauf wollten die staatlichen Hochschulen reagieren“, sagt sie.

Aktuell gibt es drei Studiengänge: den Bachelor „Digital Engineering“ sowie die beiden Masterstudiengänge „Human-Centered Design“ und „Digitale Technologien im Maschinenbau“. Dabei sollen Theorie und Praxis eng miteinander verzahnt werden. Insgesamt arbeiten die Hochschulen mit 18 Industriepartnern zusammen. Unternehmen stellen unter anderem Werkstudentenstellen, Praxisprojekte oder Themen für Abschlussarbeiten bereit.

„Wir wollen den ersten Kontakt zur Industrie schaffen, damit Fachkräfte möglichst auch in Baden-Württemberg bleiben“, erklärt Carbone. Gerade in technischen Berufen sei der Fachkräftemangel ein großes Thema. Gleichzeitig sollen Studenten früh Einblicke in Unternehmen erhalten.

Zukünftig von überall aus lernen

Ein großer Vorteil des Konzepts sei die Ortsunabhängigkeit. Studenten könnten theoretisch von überall aus lernen. Präsenztermine gebe es meist nur gebündelt zu Semesterbeginn, für Projekte oder Prüfungen. „Viele Inhalte funktionieren asynchron. Das heißt: Die Studenten können selbst entscheiden, wann sie lernen“, sagt Carbone.

Dadurch eigne sich das Modell besonders für Berufstätige oder Menschen mit Familie. Zwar handle es sich offiziell weiterhin um ein Vollzeitstudium, dennoch könne das Konzept laut Carbone gut mit einer Teilzeitstelle kombiniert werden. Auch für Alleinerziehende könne das flexible Lernen eine große Chance sein.

Ein weiterer Unterschied zu klassischen Studiengängen: Die Studenten profitieren vom Netzwerk aller beteiligten Hochschulen. Wer etwa im Maschinenbau-Studiengang eingeschrieben ist, kann Angebote mehrerer Hochschulen nutzen – von Bibliotheken bis hin zu Mensen. Gleichzeitig fließt die Expertise verschiedener Standorte in die Lehre ein.

„Man hat nicht nur die Professoren einer Hochschule, sondern die Kompetenz von mehreren Partnerhochschulen“, sagt Carbone. Besonders im Bereich Digitalisierung und Künstliche Intelligenz biete das zusätzliche Möglichkeiten.

Noch steckt das Projekt allerdings in der Aufbauphase. Die ersten Studiengänge starteten zum Wintersemester 2025/2026. Aktuell studieren laut Carbone rund 40 Personen in den drei Programmen.

Perspektivisch sollen noch weitere Hochschulen und Studiengänge dazukommen. „Unser Ziel ist ein großes Netzwerk in Baden-Württemberg“, sagt sie.