Der Bergwald-Laufkäfer (Carabus sylvestris) ist bundesweit im Rückgang begriffen. Im Nationalpark Schwarzwald zählt er zu den Charakterarten. Foto: Ralph Martin

Mehr als die Hälfte der deutschen Laufkäfer-Arten droht zu verschwinden, zeigt eine neue Studie. Der Nationalpark Schwarzwald beteiligte sich mit über 5000 Datensätzen.

Mehr als die Hälfte der deutschen Laufkäfer-Arten geht deutlich im Bestand zurück. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die mehr als 600 000 Nachweise von insgesamt 549 Laufkäferarten in Deutschland aus den vergangenen 36 Jahren analysierte, heißt es in einer Mitteilung des Nationalparks Schwarzwald.

 

„Es geht hier nicht um ein Problem einzelner Arten, sondern eine artenreiche und funktional bedeutende Artengruppe verschwindet schleichend aus unserer Landschaft“, sagt Jörn Buse, Sachbereichsleiter für wirbellose Tiere und Biodiversität im Nationalpark Schwarzwald. „Die neue Studie leistet einen Beitrag zum Verständnis der Prozesse, die allgemein als Insektensterben bezeichnet werden. Zusätzlich zum bereits bekannten Verlust an Insektenbiomasse können wir am Beispiel der Laufkäfer zeigen, welche Arten in welchen Großlebensräumen vom Verlust betroffen sind.“

Der Nationalpark beteiligte sich mit mehr als 5000 Datensätzen von 131 Arten aus dem Monitoring des Schutzgebiets an der Untersuchung des Expertenteams um den Ökologen Shawan Chowdhury vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig.

Jörn Buse beim Laufkäfer-Sammeln im Nationalpark Schwarzwald Foto: Flavius Popa/Nationalpark Schwarzwald

„Laufkäfer sind in unseren Ökosystemen wichtige Konsumenten als Räuber und Samenfresser, sind aber auch als Beutetiere wichtiger Teil der Nahrungskette“, erklärt Jörn Buse.

Schätzungsweise zwischen 20 000 und 70 000 Laufkäfer leben laut der Mitteilung in einem Hektar Wald. Für 383 Laufkäferarten konnte die Studie Trends berechnen. 52 Prozent zeigen einen signifikanten Rückgang, 22 Prozent verzeichnen Zuwächse. Alle restlichen Arten weisen ebenfalls negative, wenn auch schwächere, Tendenzen auf.

„Interessant ist dabei: Gefährdete und ungefährdete Arten nehmen in gleicher Stärke ab. Wir können wirklich davon ausgehen, dass die ganze Artengruppe vom Rückgang betroffen ist“, so Buse.

Situation in Wäldern besser

Am stärksten sind demnach die Arten offener Lebensräume und der Küsten bedroht; große, waldbewohnende Laufkäferarten seien am wenigsten betroffen. Aber auch hier sei eine differenzierte Betrachtung notwendig. Selbst eng verwandte Arten zeigten sehr unterschiedliche Trends: Der Große Striemenläufer (Molops elatus), eine zentraleuropäisch-montan verbreitete Art, verzeichnet starke Rückgänge. Im Nationalpark Schwarzwald hat die Art noch Vorkommen auf mehr als sechs Prozent der untersuchten 210 Monitoringflächen.

Viel häufiger im Nationalpark (15 Prozent der Flächen) und in Deutschland ist der Braunfüßige Striemenläufer (Molops piceus) anzutreffen. „Trotz ähnlicher Lebensweise können wir hier eine Zunahme der Art belegen“, berichtet Jörn Buse.

Ähnlich verhalte es sich auch bei nah verwandten Großlaufkäfern: Der Dunkelblaue Laufkäfer (Carabus intricatus) erobert im Moment die höheren Lagen des Schwarzwalds und nimmt wahrscheinlich bedingt durch die Klimaerwärmung auch bundesweit zu. Der Bergwald-Laufkäfer (Carabus sylvestris), eine Charakterart submontaner und montaner Lagen des Schwarzwalds, nimmt im Bestand auf nationaler Basis deutlich ab.

Bergheiden von Bedeutung

Große Schutzgebiete, wie die Nationalparks und Biosphärengebiete, können angesichts ihrer Flächengröße viele Arten schützen. Im Nationalpark Schwarzwald kommen beispielsweise mehr als 62 Arten mit bundesweit negativem Trend vor. „Durch die Beweidung der Bergheiden gibt es bei uns auch offene Lebensräume, deren Arten ja besonders bedroht sind“, sagt Jörn Buse.

„Durch ein einheitliches, standardisiertes Monitoring, wie es im Nationalpark bereits seit fast zehn Jahren praktiziert wird, kann die weitere Entwicklung beobachtet werden. Dadurch lassen sich konkrete Maßnahmen zum Schutz der Laufkäfer planen und realisieren“, ergänzt Nationalparkleiterin Britta Böhr.