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Erschöpfter Boden Goldabbau befördert Zerstörung des Regenwaldes

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"Garimpeiros", illegale Goldgräber, haben im brasilianischen Bundesstaat Pará Schneisen in den Regenwald geschlagen und sich tief in die Erde gegraben. Foto: Martina Farmbauer/dpa Foto: dpa

Itaituba/Brasilien - Bis zu den Knien stehen die Männer in einer tiefen Grube im Schlamm. Sie spritzen mit Wasser aus Schläuchen die Wände ab, einer saugt das lose Material auf. Ein Generator rattert.

Eine Pumpe fördert das Wasser nach oben, wo es sich über ein Gerüst ergießt, das mit einem Teppich bespannt ist und eine Rutsche bildet. Meter um Meter spülen sich die Männer in der tropischen Hitze durch den schlammig-braunen Boden, zwölf Stunden am Tag, einen Monat lang. Dann waschen sie den Teppich mit einer Lösung aus Quecksilber aus. Was übrig bleibt, ist Goldstaub. Und eine Spur der Verwüstung, die die illegale Goldsuche im Amazonas-Gebiet hinterlässt.

Wo die "Garimpeiros" wie in Creporizão im Westen des brasilianischen Bundesstaates Pará Schneisen in den Regenwald schlagen und sich tief in die Erde graben, erholt sich der Wald nur schwer. Dies berichten Forscher der britischen University of Leeds im "Journal of Applied Ecology". "Tropenwälder werden von Goldförderung und Bergbau stark beeinträchtigt", sagt Ko-Autorin Michelle Kalamandeen, "und sie wachsen von selbst kaum nach".

Kalamandeen und die anderen Forscher warnen, dass die Folgen lange anhalten - auch in Hinblick auf den Klimawandel - und eine aktive Landbewirtschaftung notwendig ist. Das Amazonas-Gebiet ist der größte Kohlendioxid-Speicher der Welt. Die Aufnahmefähigkeit und Speicherkapazität sinken jedoch mit der Zerstörung des Regenwaldes.

Der Studie zufolge wachsen die Tropenwälder in stillgelegten Goldförder- und Bergbaugruben besonders schlecht nach. Das Team betrieb auf zwei kurz zuvor verlassenen Goldminen in Guyana Feldforschung, analysierte Bodenproben und bestimmte die Biomasse einzelner Bäume. An einigen Orten war die Vegetation auch lange nach dem Stopp der Goldförderung fast nicht zurückgekehrt.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Erschöpfung der Nährstoffe die Erholung mehr beeinträchtigt als die Quecksilberverschmutzung. Der fruchtbare Boden des Regenwalds ist nur sehr dünn. Der hohe Quecksilbergehalt hat jedoch schwerwiegende Auswirkungen auf Ernährungssicherheit, Wasserversorgung und Biodiversität.

"Von dem schmutzigen Wasser sterben unsere Tiere, wir werden krank", sagt Dário Kopenawa, Vizepräsident der Yanomami-Organisation Hutukara, der Deutschen Presse-Agentur. Heute seien mehr als 20 000 "Garimpeiros" verstreut auf ihrem Gebiet. Die Indigenen, die sich als "Hüter des Waldes" sehen, haben eine Kampagne gestartet, um "Garimpeiros" aus ihrem Territorium zwischen Brasilien und Venezuela, so groß wie Portugal, zu verbannen.

Die illegale Goldsuche ist im Norden Südamerikas entlang des Guyana-Schildes für 90 Prozent der Entwaldung verantwortlich: in den Ländern Guyana, Surinam, Französisch-Guayana, Venezuela, Kolumbien und Brasilien. Im brasilianischen Amazonas-Gebiet konzentriert sich diese Suche etwa mit Hunderten illegalen Goldgruben im Westen des Pará, wo sie längst auch bei den Indigenen Munduruku angekommen ist.

Bei einem Überflug stellte die Umweltorganisation Greenpeace fest, dass dort jüngst eine weitere Grube in Betrieb genommen wurde. Auch insgesamt habe die illegale Goldsuche in geschützten indigenen Gebieten und Nationalparks zugenommen. Eine Fläche von 1841 Fußballfeldern wurde demnach in den ersten vier Monaten des Jahres in indigenen Gebieten und Nationalparks für die Goldsuche entwaldet, im Vergleich zu einer Fläche von 1218 Fußballfeldern im Vorjahreszeitraum.

So gibt es Orte wie Creporizão, mit der Anmutung eines Westerndorfes, die keine Post und keine Bank haben. Dafür aber ein Dutzend Läden, die Gold an- und verkaufen, und in die die "Garimpeiros" ihr Gold tragen. Sie tauschen es in Geld um, das sie in der Stadt ausgeben. Das Gold nimmt über São Paulo seinen Weg in die Welt - in die USA, nach Europa, nach Asien.

"Dieses Gold ist Blut der Indigenen", sagt Dário Kopenawa. Am Freitag berichteten die Yanomami vom Mord an zwei Indigenen durch illegale Goldsucher. Dies weckte schlimme Erinnerungen an den Goldrausch der 1970er und 1980er Jahre, als "Garimpeiros" Dário Kopenawa zufolge 25 Prozent der Yanomami töteten.

Die aktuelle Krise löst das Goldfieber neu aus, das Edelmetall wird als wirtschaftlich stabil angesehen. Kritiker werfen Präsident Jair Bolsonaro, der die Öffnung Amazoniens für die Wirtschaft befürwortet, vor, Goldgräber zusätzlich zu ermutigen und eine weitere Abholzung zu befeuern. Studienautorin Kalamandeen fürchtet einen Kampf gegen die Zeit: "Bei einem Goldpreis von mehr als 1700 US-Dollar je Unze, der in den kommenden Monaten schätzungsweise bis zu 3000 Dollar erreichen wird, reagieren viele Goldsucher bereits rasch."

© dpa-infocom, dpa:200629-99-603139/4

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