Zusammen kochen, einkaufen, Zeit verbringen: „Wohnen in Gemeinschaft“ nennt sich das Projekt eines Bauträgers, der aktuell drei große Gebäude in der Waldsiedlung errichten lässt – auch für klassisches betreutes Wohnen.
Nur wenige Menschen befassen sich gerne mit dem Gedanken ans Alter. Wenn die Kinder aus dem Haus und die meisten Freunde, Bekannte, nicht selten auch der Partner verstorben sind. Wenn soziale Isolation droht. Dass dies häufig der Fall ist, zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der katholischen Hilfsorganisation Malteser aus dem Frühjahr 2021. Deren Kernaussage: Mehr als jeder fünfte Senior ab 75 Jahren fühlt sich häufig oder zumindest hin und wieder einsam.
Ein Wohnprojekt der Schatz Wohnbau GmbH, das derzeit in der Waldsiedlung auf dem Wimberg, nahe des Kreisverkehrs, entsteht, will dem etwas entgegenhalten – und neben betreutem Wohnen auch eine Wohnform anbieten, die eigentlich eher von Studenten bekannt ist: Wohngemeinschaften.
Was wird konkret gebaut?
Wie Andrea Nies, Vertriebsleiterin der Schatz Wohnbau GmbH, im Gespräch mit unserer Redaktion ausführte, entstehen aktuell drei viergeschossige Gebäude mit insgesamt 67 Wohneinheiten zwischen Rotbuchenstraße und Stieleichenweg.
Unter dem Gelände bietet eine Tiefgarage Platz für 51 Parkplätze, darüber hinaus sind dort Kellereinheiten sowie jeweils eine Rollstuhl- oder Fahrradstellfläche pro Wohneinheit eingeplant. Hinzu kommen 18 oberirdische Parkplätze auf dem Gelände, von denen zwölf mit einer Ladestation für E-Autos ausgestattet werden könnten. Alle Wohnungen sollen verkauft werden.
Rund 25,9 Millionen Euro kostet das Vorhaben voraussichtlich.
Laut Vertriebsleiterin Nies handelt es sich um das mittlerweile siebte Projekt in Sachen Seniorenwohnungen der Schatz Wohnbau GmbH. Das Vorhaben auf dem Wimberg war als Siegerprojekt aus einem Wettbewerb der Stadt Calw hervorgegangen; der Bauausschuss hatte sich bereits 2019 dafür ausgesprochen.
„Wohnen in Gemeinschaft“ – wie soll das aussehen?
24 der geplanten 67 Wohneinheiten werden sogenanntes „Wohnen in Gemeinschaft“ ermöglichen – die erwähnten Senioren-WGs. Neben den Appartements, die zwischen 37 und 50 Quadratmeter groß sind, sind in diesem Gebäude auch auf zwei Etagen jeweils große Gemeinschaftsräume, Gemeinschaftsküchen und gemeinsame Außenbereiche geplant. Der Gedanke dahinter: Die Bewohner dieses Hauses können so soziale Kontakte pflegen, jeweils ihre eigenen Fähigkeiten einbringen und gewissermaßen „teilen“, beispielsweise beim gemeinsamen Kochen oder Einkaufen. Jede Wohneinheit ist aber auch selbst mit einer Küche und allem weiteren ausgestattet.
Was ist für das betreute Wohnen geplant?
43 Wohnungen mit einer Größe von 58 bis 80 Quadratmetern enstehen in den beiden anderen Gebäuden. In einem der Häuser ist zudem „das Herz der gesamten Wohnanlage“, wie es der Bauträger nennt, untergebracht: Ein Gemeinschaftsbereich, in dem neben einem großen Raum für Familienfeste, Gymnastikstunden oder andere gemeinsame Aktivitäten auch ein Büro der Diakonie seinen Platz finden wird, in dem es regelmäßige Sprechstunden geben soll. Mit letzterer besteht auch ein Kooperations mit der Schatz GmbH. Den Gemeinschaftsbereich dürfen die Bewohner aller drei Gebäude nutzen.
Wie ist der Zeitplan des Vorhaben?
Begonnen haben die Arbeiten für das Vorhaben bereits im April 2022. Läuft alles nach Plan, dürfte der Rohbau aller drei Häuser im Juni oder Juli dieses Jahres stehen. Voraussichtlich im Sommer 2025, spätestens aber im September 2025 sollen die Gebäude bezugsfertig sein, erläutert Vertriebsleiterin Nies. „Da sind wir auch im Zeitplan“, führt sie aus. Und fertig bedeute auch fertig. Bei Bau und Planung von Wohnanlagen für Senioren müsse schließlich nochmals eine „ganz andere Sorgfalt“ als üblich an den Tag gelegt und sichergestellt werden, dass es beispielsweise keine Stolperfallen oder ähnliches mehr gibt.
Wer darf in die Wohnungen einziehen?
Die Wohnungen können prinzipiell von jedem gekauft werden. Um dort leben zu dürfen, müssen die Bewohner jedoch gewisse Voraussetzungen erfüllen – und entweder älter als 60 Jahre sein oder einen Behinderungsgrad von 50 Prozent oder mehr aufweisen.
Was ist mit bezahlbarem Wohnraum?
Die Hälfte der WG-Appartements, konkret gesagt jene im Erd- und ersten Obergeschoss des Gebäudes, sollen dem Bedarf an bezahlbarem Wohnraum Rechnung tragen. Gemäß einer Vereinbarung mit der Stadt Calw müssen diese zwölf Wohneinheiten mindestens für einen Zeitraum von zehn Jahren zu einem Preis vermietet werden, der mindestens 20 Prozent unterhalb von vergleichbarem, nicht geförderten Neumietraum für betreutes Wohnen vor Ort liegt. Wer dort einziehen möchte, muss den Bedarf durch einen Wohnberechtigungsschein nachweisen.