Die Studenten erweckten mithilfe von KI ihre Visionen zum Leben. Hier ist eine Kunstausstellung auf dem Marktplatz zu sehen. Foto: Köhler

Wie kommt wieder Leben in die Lahrer Innenstadt? Studenten aus Kehl und Straßburg haben sich dieser Frage angenommen – und konkrete, spannende Vorschläge erarbeitet.

In einem der prominenteren Leerstände Lahrs, dem ehemaligen Studio Lighthouse am Marktplatz, herrschte vergangene Woche reges Treiben: Neun Studenten der Universität Straßburg und der Hochschule Kehl haben sich vor Ort mit einem der drängendsten Themen der Stadt beschäftigt: die Aufwertung der Innenstadt. „Solution Lab“, frei übersetzt „Lösungslabor“, nannte sich das von der städtischen Wirtschaftsförderung begleitete Projekt. Carsten Hutt vom Werk ISI in Reutlingen erläuterte, das alle Ideen das grundlegende Ziel verfolgen, für mehr Frequenz in der Lahrer Innenstadt zu sorgen. Die Studenten hätten eine Woche lang Ideen gesammelt und Interviews mit Experten geführt. Die Ergebnisse – acht an der Zahl – haben sie nun vorgestellt.

 

Betriebe könnten Produkte testen

„Werk Stadt Lahr“: Die erste Idee basiert auf einem Projekt, das bereits Erfolg in der Stadt hatte. In der „Werk Stadt Lahr“ könnten Unternehmen eine Plattform bekommen, sich zu präsentieren – ganz ähnlich wie die „Jobexpedition“ der Almi im Jahr 2024. Der Fokus soll aber nicht nur auf Nachwuchsgewinnung liegen. Es geht um einen „sichtbaren Raum für Austausch, Einblicke und Mitmachen“. Denn Firmen könnten hier ihre Produkte und Services direkt beim potenziellen Kunden testen. Finanzieren könnten diesen Raum die Unternehmen selbst.

Food-Festival mit Workshops

Food-Festival: Weil die Chrysanthema funktioniert und auch die After-Work-Partys gut angenommen werden, hatte eine Studentin die Idee eines einwöchigen Food-Festivals in Lahr. Der Vorschlag beinhaltete, am Wochenende Essens- und Getränkestände auf dem Schloßplatz sowie eine Bühne aufzustellen. Zuvor sollten in jener Woche in Leerständen der Innenstadt Vorträge und Workshops rund um Innovationen stattfinden.

Treffpunkt für Jugendliche

Jugendraum: Für „positive soziale Präsenz von Jugendlichen“ in der Innenstadt könnte ein Jugendraum sorgen. Junge Menschen zwischen zehn und 18 Jahren sollen hier einfach ohne Anmeldung vorbeischauen können, um eine Runde Darts, Brettspiele oder an Konsolen zu spielen. Auch kleine Turniere seien vorstellbar. Dazu beinhaltet die Idee eine Kreativ-Ecke zum Zeichnen, Basteln, Musik machen, Podcast aufzeichnen oder Videos produzieren. Mit der VHS könnte es Kurse und Workshops zu alltagsnahen Themen geben – aber ohne Schulcharakter. Das Angebot, so die Idee, soll ohne Betreuung funktionieren.

Kunst auf dem Marktplatz

„Kultulahr“: Ein Kunstraum am Marktplatz ist die Idee einer weiteren Studentin. Mit einem KI-generierten Bild zeigte sie, wie sich das Parkhaus in eine Ausstellung verwandelt. An einigen Ständen davor könnten Kunstinteressierte etwas über die Hintergründe der Bilder und deren Erschaffer erfahren. Dazu könnten Vereine einen Stand mit Bewirtung anbieten. Möglich seien auch Kooperationen mit Schulen.

Bier- und Weinbude

„Stadtfass“: Ein temporärer Ausschank für Bier und Wein ist eine weitere Idee. Hier zeigte der Student erneut mit KI, wie ein Stand, genannt „Stadtfass“, auf dem Marktplatz aussehen könnte. Drumherum sieht man Biertischgarnituren. „Wir erreichen alle, die sich auf ein Bier treffen wollen und steigern die Aufenthaltsqualität“, so der Student. Er denkt an Kooperationen mit lokalen Winzern und Brauereien. Abstimmen müsse man sich für diese Idee auch mit den umliegenden Lokalen. „Wir wollen ihnen keine Konkurrenz machen“.

So könnte ein temporärer Ausschank auf dem Marktplatz aussehen. Foto: Köhler

„Dritter Ort“ in Klein

„Lahrer Wohnzimmer“: Die Idee eines „Dritten Orts“ ist in Lahr bekannt, liegt aus finanziellen Gründen aber aktuell auf Eis. Eine Studentin störte das nicht, sie stellte ein sehr ähnliches Projekt in kleinerem Rahmen vor. Es soll ein einzelner Raum sein gefüllt mit kreativer Arbeit, sozialem Leben und Entspannungsmöglichkeiten, der für alle Menschen offen ist. Auch Workshops seien möglich.

Plattform für Lahrer Vereine

Haus der Vereine: Ein Student nahm sich eine Idee aus Dijon für ein „Haus der Vereine“ zum Vorbild. Hier sollen die Vereine der Stadt eine Möglichkeit erhalten, sich zu präsentieren und auf Mitgliederwerbung zu gehen. Außerdem könnte man damit Räumlichkeiten für Vereinsveranstaltungen, zum Beispiel Mitgliederversammlungen schaffen.

Die Gruppe der Studenten und ihrer Dozenten mit Lahrs Wirtschaftsförderer Robin Derdau (rechts) hatte bei der Vorstellung der Ergebnisse viel Spaß. Foto: Köhler

Austausch für Innovationen

Innovationsraum: Zwei Studenten warfen mit der letzten Idee den Blick etwas über den Lahrer Tellerrand hinaus: Sie stellten einen Raum vor, in dem Gesprächsrunden rund um die Themen Mobilität, Energie, Logistik und Innovation stattfinden sollen. Grundlegendes Ziel ist der Austausch. Hier gebe es Schnittstellen mit den Universitäten und Hochschulen der Region, mit den Unternehmen – und natürlich dem „Innolab“ am Flugplatz.

Vorschläge stoßen bei Zuhörern auf Begeisterung

„Es ist alles keine Raketenwissenschaft“, lobte OB Markus Ibert die Vorschläge der Studenten. Er zeigte sich sichtlich angetan und merkte an, dass man einige der Ideen auch kombinieren könnte. „Vielleicht mieten wir als Stadt etwas an“, meinte er. Wirtschaftsförderer Robin Derdau kündigte an, in einem „vier- bis sechswöchigem Testraum“ mit den Ideen experimentieren zu wollen. Bei den Präsentationen klang an, dass dafür ein Zeitraum zwischen Ostern und Pfingsten angedacht ist. Streetworker Thomas Hug zeigte sich vor allem vom Konzept des Jugendraums begeistert, Stadtrat Volker Przibilla (Grüne) gefiel die Idee des Lahrer Wohnzimmers, es müsse sich aber herauskristallisieren, welche Idee die „größte Chance auf eine nachhaltige Entwicklung“ habe. FDP-Stadtrat Jörg Uffelmann sprach die finanzielle Situation an und dass der Gemeinderat dann entscheiden müsse, Geld in die Hand zu nehmen.