Die Kirchengemeinde Heilig-Geist in Balingen ist eine der 29 Kirchengemeinden im Dekanat Balingen. Foto: Roth

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart steht vor einer Strukturreform. Auch das Dekanat Balingen mit seinen 29 Kirchengemeinden in sechs Seelsorgeeinheiten ist betroffen. So geht es weiter.

Mitgliederrückgang, sinkende Finanzmittel und weniger pastorales Personal: Die Rahmenbedingungen der katholischen Kirchengemeinden im Land haben sich stark verändert. Um diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart, zu deren Einflussbereich auch das Dekanat Balingen mit seinen sechs Seelsorgeeinheiten zählt, das Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“ auf den Weg gebracht.

 

Grundsatzbeschlüsse für jene Neuausrichtung der katholischen Kirche in der Diözese wurden bei der jüngsten Vollversammlung des Diözesanrats gefasst, wie aus einer Pressemitteilung der Diözese Rottenburg-Stuttgart hervorgeht. Demnach sollen aus den aktuell 1020 rechtlich selbstständigen Kirchengemeinden 50 bis 80 sogenannte Raumschaften gebildet werden. Eine „Raumschaft“ werde dabei als Arbeitsbegriff verstanden und umschreibe einen pastoralen Raum.

Kirchorte bleiben erhalten

Das Dekanat Balingen umfasst 29 Kirchengemeinden in sechs Seelsorgeeinheiten – und erstreckt sich bis nach Albstadt, auf den Kleinen und Großen Heuberg sowie ins Schlichemtal. Aus wie vielen Raumschaften das Dekanat Balingen künftig besteht, kann Dekanatsreferent Achim Wicker auf Nachfrage unserer Redaktion nicht sagen. Nur so viel: „Die Kirchengemeinden haben sich bereits Gedanken gemacht, in welche Richtungen es gehen könnte.“ Final entschieden sei jedoch noch nichts. Es werden sicher deutlich weniger Raumschaften als die bisherigen sechs Seelsorgeeinheiten sein.

Wichtig ist Achim Wicker zu betonen: „Die Kirchorte und deren Gemeindeleben bleiben erhalten.“ Nur ändere sich der rechtliche Status der Kirchengemeinden im Zuge der Strukturreform. Das bedeutet: Die Kirchengemeinden, bisher Körperschaften des öffentlichen Rechts, geben ihren rechtlichen Status an die Raumschaften ab. So wird es auch nur noch auf deren Ebene Kirchengemeinderäte geben.

Steuergruppe organisiert

Um diesen Reformprozess im Dekanat Balingen zu organisieren, nimmt ab Januar eine Steuergruppe unter anderem mit Dekan Pater Augusty Kollamkunnel, Dekanatsreferent Achim Wicker und Bertold Stroppel, Leiter des Verwaltungszentrums, ihre Arbeit auf. Der weitere Fahrplan sieht vor, dass sich die einzelnen Kirchengemeinde- und Pastoralräte mit den Kriterien der Diözese befassen und noch im ersten Halbjahr 2026 ihre Voten abgeben.

Startpunkt frühestens 2028

Frühester Startpunkt der neuen Raumschaften ist der 1. Januar 2028. Wicker betont weiter, dass die Kirchengemeinderäte vor Ort Voten abgeben können, mit wem sie zusammengehen wollen. „Eine entscheidende Rolle dabei spielen die Einzugsgebiete und die Wege der Menschen.“

Mit der Strukturreform verfolgt die Diözese Rottenburg-Stuttgart das Ziel, die Verwaltungsaufgaben in den Kirchengemeinden zu reduzieren sowie dem kirchlichen Leben vor Ort finanziell und personell mehr Freiräume zu ermöglichen. „Es geht um die Menschen und das, was sie in den Kirchorten von uns erwarten“, wird Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn in der Pressemitteilung zitiert.

Glaube nah bei Menschen

Bischof Klaus Krämer betont, dass in größeren Raumschaften das bisherige gemeindliche Leben vor Ort weder verschwinden werde noch dürfe. Glaube solle auch zukünftig an verschiedenen Orten nah bei den Menschen vielfältig gelebt werden. Die aktuellen Kirchengemeinden bilden auch künftig als Kirchorte in den neuen Raumschaften die zentrale pastorale Größe.

Der Grundsatzbeschluss sei laut Krämer nur ein erster Schritt: „Wir setzen den Rahmen, den die Gemeinden und Dekanate im kommenden Jahr füllen werden.“ In der Pressemitteilung ist davon die Rede, dass Ende 2026 klar sein könnte, welche bisherigen Kirchengemeinden sich in den neuen Raumschaften zusammenschließen. Diese sollen sich nach dem Modell der Union, in dem eine Gemeinde die anderen aufnimmt, bilden.

Unterschiede zu Freiburg

Ähnlichkeiten zu der sich bereits voll im Gange befindlichen Kirchenentwicklung 2030 in der Erzdiözese Freiburg sieht Achim Wicker indes nicht. Zu unterschiedlich seien die Rahmenbedingungen – unter anderem hinsichtlich der Vorgaben in der Leitung. Er sagt abschließend: „Natürlich ist das eine schwierige Situation, die aus der Not heraus geboren ist.“ Doch er sei guter Dinge, dass Bischof Klaus Krämer die Strukturreform besonnen über die Bühne bringe. Vor Ort im Dekanat Balingen will Wicker die Gläubigen – wie bisher – transparent informieren, sobald die Entwicklungen Form annehmen. Erste Informationsveranstaltungen hatten bereits im Sommer und Herbst stattgefunden.