In diese Richtung geht’s: Klärmeister Gerd Hölle führt die Mitglieder des Abwasserzweckverbandes über die Kläranlage Mühringen. Foto: Kost

Eines steht nach dem Besuch von Vertretern des Abwasserzweckverbandes Unteres Eyachtal in der Mühringer Kläranlage fest: es muss investiert werden. Worin genau, zeigt sich 2026.

Die 1980 in Betrieb genommene Kläranlage ist in die Jahre gekommen, das wird bei dem von Klärmeister Gerd Hölle angeführten Rundgang der Zweckverbandsmitglieder offensichtlich.

 

Er führt die Gruppe, zu der neben dem Haigerlocher Bürgermeister und Zweckverbandsvorsitzenden Heiko Lebherz und Verbandsrechner Tobias Wannenmacher auch Vertreter der Stadt Horb und der Gemeinde Empfingen gehören tief in die Katakomben der Mühringer Kläranlage.

Korrosionsschäden an den Rohrleitungen

Und genau diese tief im Bauch der Kläranlage liegende Technik ist auch ihr Schwachpunkt. „Beim großen Hochwasser 2013 ist hier das Wasser bis zu einem halben Meter hoch gestanden“, zeigt Hölle der Gruppe verschiedene kritische Stellen. Es war fast ein Wunder, dass seinerzeit der Strom in der völlig überschwemmten Kläranlage nicht ausgefallen ist und sie weiterarbeiten konnte..

Dennoch schnüren sich verschiedene Schäden an den technischen Einrichtungen (Korrosion an Rohrleitungen) aber auch fehlende Sicherheitseinrichtungen (Geländer und Gitter an Becken) und diverse andere Dinge zu einem größeren Investitionspaket zusammen.

Nach dem Wegfall einiger Mineralbrunnenbetriebe ist die Kläranlage zu groß

Außerdem ist die Anlage mit ihrem markanten Faulturm mit einem Fassungsvermögen von 1300 Kubikmetern Klärschlamm zu groß dimensioniert: Ausgelegt ist sie auf die Reinigung des Abwassers von 10 000 bis 12 000 Leuten, tatsächlich beträgt das Einzugsgebiet lediglich 3500 Leute. Die Kläranlage war dereinst deshalb so groß ausgelegt wurden, weil sie das Abwasser mehrerer Mineralbrunnenbetriebe reinigen musste – von diesen sind aber nur die Imnauer Mineralquellen übrig geblieben.

Zunehmende Kosten verursacht auch die Klärschlammentsorgung. Als diese noch an die Landwirtschaft abgegeben werden durfte, kostete er Kubikmeter Klärschlamm den Zweckverband noch zwölf Euro pro Kubikmeter. Seit er mehrmals im Jahr auf der Anlage entwässert, gepresst und danach zur thermischen Verwertung ins Zementwerk nach Dotternhausen gebracht wird, kostet das 35 Euro.

Lohnt es sich also, die Mühringer Kläranlage auch noch künftig in Betrieb zu halten oder wäre es nicht effektiver, sie stillzulegen und stattdessen das Abwasser einige Kilometer eyachaufwärts in die Kläranlage im Karlstal zu pumpen und dort reinigen, weil auch dort genug Kapazitäten frei sind? Über solche Fragen soll in Bälde ein Strukturgutachten Aufschluss geben.

Strukturgutachten soll bis Juli 2026 fertig sein

Darüber hat man zwar schon im vergangenen Jahr gesprochen, aber jetzt hat das Auftaktgespräch mit dem Ingenieurbüro Dreher und Stetter stattgefunden. Das Gutachten kostet rund 16500 Euro, die Hälfte davon zahlt das Land. Es soll bis Ende Juni 2026 fertig sein. Sanierung oder Stilllegung – egal wie die Entscheidung ausfällt, Handlungsbedarf besteht so oder so, die Betriebserlaubnis der Kläranlage Mühringen läuft zum 31. Dezember 2025 aus.

Langfristig gesehen könnte sich die Kläranlagenlandschaft in Hohenzollern, im Eyach- und Stunzachtal in Zukunft stark verändern, denn auch in Grosselfingen wird geprüft, die Kläranlage still zu legen und das Abwasser stattdessen in einen Kanal bei Owingen zu leiten, von wo aus es ins Karlstal fließt. Ähnliche Überlegungen gibt es für die Abwasserreinigung von Heiligenzimmern.

2024
war ein nasses Jahr, allein im Mai gab es laut Klärmeister Gerd Hölle auf der Kläranlage drei Hochwasseralarme, im Juni zwei. Größere Schäden gab es allerdings keine an der Kläranlage, allerdings sorgte am 31. Juli ein Gewitter für einen längeren Stromausfall.

Das nasse Jahr
führte aber zu einer deutlich höheren Wassermenge. 836 606 Kubikmeter flossen zur Reinigung durch die Kläranlage Mühringen; in diesen Bereich kam man letztmals 2013, also vor elf Jahren (805 811 Kubikmeter).

Deshalb
verwunderte es nicht, dass der Stromverbrauch im Betriebsjahr 2024 auf 259 605 Kilowattstunden (Kwh) stieg. (2023: 234 313 Kwh). 226 150 Kilowattstunden Strom wurden im Blockheizkraft erzeugt, davon wurden 38 463 Kwh Strom ins Netz eingespeist, der Rest selbst verbraucht. Die Kläranlage deckte also 72 Prozent ihres Stromverbrauches mit selbst produziertem Strom ab.

Weitere Zahlen:
Phosphor im Abwasser wurde zu 93 Prozent abgebaut, Stickstoff zu 54 Prozent, organische und anorganische Stoffe wurde zu 94 Prozent abgebaut. Es entstanden 1499 Kubikmeter Klärschlamm.