Mit einer saftigen Preiserhöhung macht sich der baden-württembergische Energiekonzern EnBW nicht beliebt. Foto: imago stock&people/imago stock&people

Der Konzern nennt mehrere Gründe für die Strompreiserhöhung von fast 16 Prozent. Nicht alle lassen die Verbraucherschützer gelten.

Verbraucherschützer kritisieren den massiven Anstieg des Strompreises für rund 5,5 Millionen Kunden des Energiekonzerns EnBW. „Die Erhöhung fällt nach unserer Einschätzung sehr kräftig aus“, sagt Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Zahlreiche Haushalte müssen ab April deutlich mehr für ihren Strom zahlen. EnBW hebt den Strompreis um 15,9 Prozent an.

 

Zwar sei es absehbar gewesen, dass Versorger wie der Karlsruher Energieriese die zu Jahresbeginn verdoppelten Netzkosten an die Kunden weitergeben. Doch andere Argumente, mit denen die EnBW die Preiserhöhung rechtfertigt, lässt der Energieexperte nicht durchgehen: „Den Verweis auf ‚außerordentlich hohe Beschaffungskosten’ können wir nicht gelten lassen, da sich die Börsenpreise nach den Höchstständen Ende 2022 halbiert haben“, kritisiert Experte Bauer. „Preiserhöhungen treffen in der Regel Haushalte, die knapp über dem Leistungsbezug liegen, empfindlich.“ Das sind große Familien, Alleinerziehende und Rentner mit schmalen Rentenbezügen.

Verbraucherschützer geben EnBW Kontra

Als weitere Gründe für die Preiserhöhung hatte die EnBW staatliche Abgaben, Umlagen und Steuern angegeben. Bauer hält auch hier dagegen: „Im Gegensatz zum Gas gibt es beim Strom keine Änderungen der Mehrwertsteuer, und die staatlichen Umlagen steigen nicht.“ Als Eigenerzeuger profitiere die EnBW von einer günstigen Preisstruktur.

Der Hauptgrund für die Preiserhöhung: Die Ampelkoalition hatte im Dezember im Zuge des Haushaltsurteils des Bundesverfassungsgerichts beschlossen, den Bundeszuschuss zum Netzentgelt von 5,5 Milliarden Euro 2024 zu streichen. Die vier großen Fernleitungsbetreiber kündigten daraufhin an, die Netzentgelte zum Jahreswechsel von 3,1 auf 6,4 Cent pro Kilowattstunde mehr als zu verdoppeln. Die Netzentgelte werden üblicherweise auf die Strompreise umgelegt.

Ein Sprecher des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigte Verständnis für den Preissprung der EnBW: „Klar ist, für alle Energieanbieter steigen aufgrund der Entscheidungen der Bundesregierung einige Kostenbestandteile beim Strompreis deutlich an, und sie werden sie in die Berechnung der Strompreise einbeziehen müssen.“

Wann Stromkunden wechseln sollten

Wegen gesunkener Preise an den Energiemärkten sei es vielen Versorgern in den vergangenen Monaten zwar gelungen, die Tarife zu senken. „Nun löst der Wegfall des Zuschusses zu den Übertragungsnetzentgelten einen Dominoeffekt bei den Unternehmen auf verschiedensten Wertschöpfungsstufen der Energiewirtschaft aus“, warnt der Sprecher des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft.

Verbraucherschützer Bauer sieht die Preiserhöhungen kritisch. Insbesondere Versorger mit einem jetzt schon hohen Preisniveau sollten nicht so einen „großen Schluck aus der Pulle“ nehmen. Die Grenze für faire Preise liege beim Wert der Strompreisbremse in Höhe von 40 Cent pro Kilowattstunde. Tarife, die jetzt schon oder im April deutlich über diesem Wert liegen, sollten Verbraucher aktiv werden lassen. „Eine Prüfung für einen Wechsel ist dann zwingend geboten“, sagt Experte Bauer.

Bei Preiserhöhungen für Strom oder Gas könnten Verbraucher in den meisten Fällen fristlos kündigen und zu einem anderen Anbieter wechseln, sagt Bauer. Bei der Suche nach einem günstigen Stromtarif bieten Vergleichsportale eine Orientierung. Allerdings sollte man auf die Filtereinstellung achten, da Voreinstellungen mitunter nachteilig sind. Zudem sind nicht alle Anbieter dort zu finden, und auch unseriöse Versorger lauern.