Die Stadtwerke Haslach liefern Strom für an die 3900 Kunden. Diese werden in Zukunft deutlich mehr zahlen müssen. Foto: Stadtwerke

Schlechte Nachrichten für Kunden der Haslacher Stadtwerke: Die Strompreise schnellen deutlich in die Höhe. Grund ist wie überall die Energiekrise. Kunden, die sich binden wollen, haben aber Aussichten auf vergleichsweise günstige Preise.

Haslach - Die Gemengelage ist komplex. So viel wurde beim Pressegespräch im Haslacher Rathaus am Donnerstagmittag deutlich. Kunden der Haslacher Stadtwerke, die am heutigen Freitag das Bürgerblatt aufschlagen, werden wohl erst einmal schlucken müssen: Dort wird über die Anhebung der Preise informiert. In der Grundversorgung schnellt der Preis auf 90 Cent pro Kilowattstunde hoch. Bisher waren das nach Wegfall der EEG-Umlage um die 25 Cent.

Um die Problematik zu verstehen, vor der die Stadtwerke stehen, erklärte Bürgermeister Philipp Saar, wie sie bisher in Sachen Stromkauf agiert haben. Der Strom wird auf längerfristige Sicht über einen Dienstleister bezogen, der selbst den Einkauf übernimmt. Durch die langfristige Planung sei eine Abfederung von Strompreisspitzen möglich, auf den Einkaufspreis kommen für die Stadtwerke noch verschiedene Umlagen und eine – sehr geringe – Marge. So setzt sich der Preis für den Endkunden zusammen.

Wer sich länger binden will, bekommt den Strom günstiger

Bisher sei man mit diesem Dienstleister sehr zufrieden gewesen. Im Sommer habe er jedoch den Rahmenvertrag gekündigt – und erkläre, damit sei auch der Vertrag zum Stromeinkauf betroffen. Saar machte deutlich, dass Stadtwerke und -verwaltung dies anders sehen. Der gesamte Vorgang befindet sich derzeit in der juristischen Prüfung.

Ein Problem bleibt: Strom bekommen die Stadtwerke von diesem Dienstleister nicht mehr. In der aktuell äußerst volatilen Marktlage zeigte sich schnell, dass der Strompreis auf knapp 90 Cent – genau 89,02 Cent – pro Kilowattstunde steigen müsse. "Da stellen sich wichtige Fragen: Bleiben die Kunden zu diesem Preis? Finden sie aktuell überhaupt eine Alternative auf dem Strommarkt? Wie viel Strom können und müssen wir einkaufen?", so Saar.

Und letztlich: Kann die Stadt dieses Risiko mitgehen? Minusgeschäfte bei den Stadtwerken schlagen sich voll im kommunalen Haushalt nieder. Die Überlegungen mit Werksausschuss und Gemeinderat seien dementsprechend ergebnisoffen verlaufen, auch eine Einstellung der Stromlieferung sei diskutiert worden.

"Dass wir weitermachen, läuft nicht ohne Risiko", sagte Saar. Aber man habe sich dazu entschieden, um den Bürgern eine zuverlässige Grundversorgung bieten zu können. Fielen die Stadtwerke als Grundversorger weg, würde diese Aufgabe an den Anbieter fallen, der nach ihnen die meisten Kunden in Haslach hat. Das ist ein Internetanbieter mit weniger als 100 Verträgen. Zum Vergleich: Die Stadtwerke haben laut Werkleiter Ralf Rösch zwischen 3800 und 3900 Kunden. Das Risiko, dass ein Internetanbieter die verhältnismäßig wenigen Verträge kündigt und sich vom hiesigen Markt zurückzieht, sei nicht von der Hand zu weisen. Dann hätten die Kunden ein Problem.

Es wurde ein neuer Dienstleister gefunden, mit dem der Stromeinkauf nun in kleineren Blöcken läuft, um auf dem Markt agiler agieren zu können. Mittelfristig wird damit gerechnet, dass die Preise am Markt wieder sinken. Je länger der Zeitraum für den Einkauf ist, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass der Strom wieder günstiger wird. Daher bieten die Stadtwerke nun zwei Vertragsmodelle mit unterschiedlichen Laufzeiten an (siehe Info).

Ein anderes Problem sehen der Bürgermeister und Werkleiter Ralf Rösch in der geplanten Strompreisbremse. Wie diese funktionieren und umgesetzt werden soll, sei aus ihrer Sicht noch völlig offen. Rösch sprach von hohem Aufwand für die Mitarbeiter. Saar machte auch deutlich, dass unklar sei, wie die Differenz zwischen dem gedeckelten Strompreis – der Gesetzgeber sieht 40 Cent vor – und dem reellen Marktpreis refinanziert werden soll.

Geplante Investitionen wie die Erneuerung des Schnapperwehrs wollen die Stadtwerke trotzdem angehen. Insgesamt befand Bürgermeister Saar: "Wir müssen schauen, wie das kommende Jahr läuft, und dann vielleicht Maßnahmen verschieben."

Das sind die neuen Strompreise

Die Stadtwerke bieten den Kunden zwei Vertragsmodelle an: Wer einen Vertrag über ein Jahr (1. Januar bis 31. Dezember 2023) abschließt, bezieht Strom zum Preis von 76,57 Cent pro Kilowattstunde. Wer sich bis zum 31. Dezember 2024 bindet, soll den Strom zu 63,24 Cent je Kilowattstunde bekommen. Die Grundversorgung ohne Vertragslaufzeit sei mit 89,02 Cent je Kilowattstunde so teuer, weil der Einkauf in sehr kleinen Blöcken erfolge. Im ersten und vierten Quartal eines Jahres sei der Preis wegen höherer Verbräuche teurer. Wenn er im Frühjahr und Sommer fällt, solle der Preis angepasst werden. Die eigene Stromerzeugung der Stadtwerke ist in diese Kalkulation eingerechnet. Wer in einen der Verträge wechseln will, soll das Kundencenter anrufen oder anmailen. Wer sich nicht meldet und auch nicht den Anbieter wechselt, fällt in die Grundversorgung.

Kommentar: Nicht schön, aber nötig

Hat die Bundesregierung über Jahrzehnte den Ausbau erneuerbarer Energien verschlafen und ist zu abhängig von fossilen Brennstoffen geblieben? Oder stürzt der menschenverachtende Angriffskrieg Russlands in der Ukraine uns in eine unvorhersehbare Krise? Hängt es am bisherigen Dienstleister der Haslacher Stadtwerke, der den Vertrag gekündigt hat? Den schwarzen Peter für die Verteuerungen kann man wohl vielen Stellen zuschieben. Fakt ist, dass Gas, Strom und Co. in diesem Jahr unvorstellbar teuer geworden sind. Da ist es nur logisch, dass die Versorger ihre Preise für die Endkunden erhöhen müssen. Das tut weh. Die Entscheidung ist aber nachvollziehbar. Zumal die Ein- und Zweijahresverträge zumindest etwas Sicherheit und deutliche Einsparungen gegenüber der Grundversorgung bieten. Alles andere wäre für die Haslacher Stadtwerke ein hohes Verlustgeschäft, an dessen Ende eine Situation stünde, wie sie in Schutterwald, Elzach und vielen anderen Orten in Deutschland schon Realität ist: Die Stadtwerke stellen die Stromversorgung ein – und die Kunden gucken in die Röhre. Die Preiserhöhung ist sicher keine gute Nachricht. Gut ist aber, dass es in Haslach mit den Stadtwerken als Regionalversorger weitergehen soll.