Bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz beim E-Werk Mittelbaden in Offenburg informierten Netzbetreiber am Mittwoch über den aktuellen Engpass. Foto: Armbruster

Weil der Strombedarf enorm steigt, geraten die Netze an ihre Grenzen – das bekommt auch die Ortenau zu spüren. Das E-Werk Mittelbaden sucht nach schnellen Lösungen.

Schnellladeparks, große Batteriespeicher, Großwärmepumpen – d er Strombedarf in der Region ist schneller gewachsen, als der Netzausbau hinterher kommt. Über die fatalen Konsequenzen für insbesondere die regionale Wirtschaft informierten das E-Werk Mittelbaden, dessen Tochter E-Werk-Netze und Netze BW in einer Pressekonferenz am Mittwoch.

 

„Für uns als Verteilnetzbetreiber bedeutet diese Situation, dass wir in unserem Netzgebiet keine großen zusätzlichen Leistungen mehr für unsere Kunden bereitstellen können“, erläuterte Stephan Förster, kaufmännischer Geschäftsführer des Verteilernetzbetreibers E-Werk Netze.

Gemeint ist ein Strombedarf von mehr als einem Megawatt, der „bei Gewerbebetrieben schnell erreicht ist“. Kleine Lasten wie Hausanschlüsse, Wallboxen oder Wärmepumpen von Einfamilienhäusern könnten weiterhin angeschlossen werden. Auch kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser seien ausgenommen.

Engpass liegt im 110-kV-Netz von Netze BW

Fragen Firmen bei den Netzbetreibern bezüglich zusätzlichen Strombedarfs jedoch an, erhalten sie teils jetzt schon negative Bescheide. „Wir haben schon ernüchternde Absagen erteilt“, konstatierte Matthias Heck, Technischer Geschäftsführer E-Werk Netze. Für das Lahrer Gewerbegebiet etwa stehe keine größere Leistung mehr zur Verfügung.

Der eigentliche Engpass liegt dabei nicht beim Verteilernetz der E-Werk Netze. Bemüht man den Vergleich mit der Straßeninfrastruktur entspricht dieses in etwa der Landstraße. Der Knackpunkt sind jedoch die Bundesstraßen (110-kV-Netz). „E-Werk Netze beziehen die Energie aus der 110-kV-Netz des vorgelagerten Netzbetreibers Netze BW“, erklärte Heck.

Lange ging man im Zuge der Energiewende von einem gleichmäßig steigenden Strombedarf aus, berichtete Richard Huber von Netze BW. Erst die damalige Ampel-Regierung habe vor zwei, drei Jahren in ihren Energiewende-Szenarien von Lastanstiegen gesprochen.

Angemeldeter Bedarf verdoppelt sich innerhalb eines Jahres

Diese zeigen sich auch in der Region: Vor 2025 seien für den Raum Orschweier bis Offenburg Anfragen für zusätzlichen Strombedarf in Höhe von 38 Megawatt bei Netze BW eingegangen. Von Anfang 2025 bis jetzt seien weitere 76 Megawatt angefragt worden. „Das ist eine Verdopplung innerhalb eines Jahres. Dafür ist das Netz nicht gebaut“, so Huber.

Für dessen Ausbau investiert Netze BW in Baden-Württemberg bis 2030 allein rund 900 Millionen Euro. Doch das braucht Zeit, insbesondere auch wegen langwieriger Genehmigungsverfahren, wird am Mittwoch deutlich. „Wenn heute jemand kommt und Leistung in größerer Menge braucht, müssen wir sagen, ihr könnt erst anschließen, wenn wir das 110-kV-Netz ausgebaut haben, und das ist frühestens 2032 bis 2037 der Fall“, berichtete Huber.

Um diese Zeit möglichst zu überbrücken beziehungsweise zu verkürzen, arbeiten E-Werk Mittelbaden, E-Werk Netze sowie Netze BW gemeinsam an mehreren Lösungsansätzen. Unter anderem soll eine vor zwei Wochen gegründete „Taskforce“ mit Regierungspräsidium, Regionalverband und Landratsamt einen schnelleren Netzausbau ermöglichen.

Auch Bau konventioneller Kraftwerke steht im Raum

Neben einem „intelligenten Lastenmanagement“ und dem Ausbau regionaler Stromproduktion könnte auch ein unkonventioneller Ansatz kurzfristigere Abhilfe schaffen: ein direkter Bypass zum 380-kV-Höchstspannungsnetz der Transnet BW – also an die „Autobahn“, um im Bild zu bleiben. „Damit könnten wir die Region unbeschwert versorgen“, urteilte Förster. Der Finanzierungsaufwand sei jedoch erheblich.

„Wir lassen im Moment nichts unversucht, um Varianten zu finden, die Brückenlösungen darstellen könnten“, betonte Bernhard Palm, Vorstandsvorsitzender des E-Werks Mittelbaden. Darunter fällt auch der Zubau konventioneller Kraftwerke, etwa mit Gas betrieben. So könne man sich vorstellen, ein Spitzenlastkraftwerk im Industriegebiet Lahr zu erweitern.

Anschluss der Kliniken sicher

Mit den Klinik-Neubauten der Agenda 2030 gehen in den kommenden Jahren drei Großverbraucher ans Netz. Während Achern und Offenburg bereits eingepreist sind, steht Lahr dem Vernehmen nach noch aus. „Wir werden das Krankenhaus auf jeden Fall versorgen, egal was für Kniffe wir anwenden müssen“, versicherte Matthias Heck von E-Werk Netze.