Der Blackout im Schwarzwald-Baar-Kreis legte alles lahm. Notruf 112 überlastet, Mobilfunk tot – selbst die Warn-App Nina versagte. Ist man für den Ernstfall gerüstet?
Der Blackout am Sonntag, 22. Februar, hat den Schwarzwald-Baar-Kreis in den Ausnahmezustand versetzt. Bis zu 45 Minuten fiel der Strom großflächig aus, was auch andere Infrastrukturteile betraf. Die Notrufnummer 112 war überlastet, Feuerwehrgerätehäuser wurden besetzt als Anlaufstelle für Bürger. Und obwohl die Warn-App Nina informierte, erreichte die Nachricht längst nicht alle Bürger. Der Grund: In vielen Orten fiel der Mobilfunk aus und blockierte somit die App-Meldungen.
Bundesnetzagentur erklärt
Notstromaggregate sind zwar üblich für Sendemasten, und das Telekommunikationsgesetz, kurz: TKG, verpflichtet die Telekommunikationsunternehmen, ihre Netzwerke für Störungen und erheblichen Beeinträchtigungen zu schützen. Auch Sprachkommunikationsdienste, Internetzugangsdienste, Datenübermittlungsdienste und E-Mail-Dienste sind im Rahmen der Mindestversorgung – etwa bei Naturkatastrophen, schweren Unfällen, Sabotageakten oder Terroranschlägen – aufrechtzuerhalten, bestätigt Pressesprecherin Ulrike Platz von der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen in Bonn auf Anfrage unserer Redaktion.
Aber: Die Verpflichtung hat Grenzen. Sie gilt nur, „sofern mehr als 100 000 Vertragsverhältnisse bestehen“, so Platz. Zudem beinhalten die Maßnahmen „nicht eine vollständig autarke Stromversorgung aller Telekommunikationsstandorte einschließlich des Mobilfunks, sollte die Energieversorgung für längere Zeit ausfallen“. Fällt die Telekommunikation wie am 22. Februar in der Region aus, kann auch „keine Warnung per App“ ausgespielt werden, so Platz.
Grenzen trotz allem
Nachgefragt, beim Telekommunikationsanbieter Telekom betont Pressesprecher Karsten Schirmer: „Der dauerhafte Betrieb des Mobilfunk- und Festnetzes ist in Deutschland auf eine Stromversorgung durch die Energieversorgungsunternehmen ausgelegt“.
Auf Nachfrage schildert der Telekomsprecher umfangreiche Maßnahmen. Die Telekom verfüge beispielsweise über zentrale Knotenpunkte in ihrem IP-Backbone, über die auch der Mobilfunk abgeführt werde und die mit Batteriepuffern und ortsfesten Netzersatzanlagen ausgestattet seien. Dezentrale Betriebsstellen würden temporär über Batteriepuffer abgesichert und müssten bei längeren regionalen Stromausfällen über mobile Netzersatzanlagen versorgt werden. „Unsere Antennenstandorte sind in der Regel zur kurzzeitigen Überbrückung von Stromausfällen mit Batterien ausgestattet“, so könnten temporäre und lokal begrenzte Stromausfälle bei einigen Anlagen durch interne Speicher kompensiert werden. Das gelte sowohl für den Datenverkehr über den Mobilfunk als auch für Sprachverbindungen.
Aber: Im urbanen Bereich seien viele Mobilfunkstandorte Dachstandorte – dort würden darüber hinausgehende Maßnahmen „aus statischen Gründen und brandschutztechnischen Vorgaben an Grenzen“ stoßen.
Trotzdem Strom benötigt
Bei längeren lokalen Ausfällen setze man auf mobile Netzersatzanlagen. Durch ein „ausgefeiltes Desaster Recovery Management“ halte die Telekom Ersatztechnik sowie leistungsfähige Netzersatzanlagen über Deutschland verteilt bereit – etwa bei Sturm und Hochwasser. „Im Ernstfall können wir kurzfristig darauf zurückgreifen und Einsätze zusammen mit unseren Techniker-Teams vor Ort organisieren.“
Aber auch hier hat die Technik Grenzen: Für ein funktionierendes Netz benötigen Router und Smartphones der Kunden Strom, spricht Schirmer einen weiteren Punkt an, der die Alarmierung über die Warn-App durchkreuzen kann.
Zurück zur Sirene?
Zurück zur guten alten Sirene also, die auch im Schwarzwald-Baar-Kreis sukzessive in den Ruhezustand versetzt worden sind? Tatsächlich gibt es eine Internet-Initiative, die seit Jahren genau das fordert: „Gemeinsam für den Erhalt und Wiederaufbau des Sirenennetzes im Schwarzwald-Baar-Kreis“ heißt sie – mitgegründet von Patrick Jamnikar aus Villingen-Schwenningen. Wenn die digitalen Medien im Notfall überlastet und Smartphones stummgeschaltet oder, etwa nachts, beiseite gelegt sind, sei „mit Sirenen eine flächendeckende Warnung möglich“, so der Rettungssanitäter.
Und auch die Pressesprecherin des Landratsamtes, Heike Frank, betonte bereits 2021, damals auf die Flutkatastrophe im Ahrtal angesprochen, als alleiniges Warnsystem reiche die kostenfreie Nina-App nicht aus – es müsse einen Mix der Kommunikationswege geben, um die Menschen zu erreichen. Eine Umfrage des Amtes für Katastrophenschutz bei Städten und Gemeinden des Landkreises offenbarte jedoch 2018: Flächendeckend funktionsbereit ist das Sirenennetz in der Region längst nicht mehr.