Die Wahrscheinlichkeit, dass im Gemeindegebiet der Strom ausfällt, ist äußerst gering. Mit dem Bau eines neuen Umspannwerks soll das Szenario weiter verringert werden.
Aichhalden - Jens Schwarz, Regionalmanager Verteilnetz der Netze BW berichtete in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats über die aktuelle Situation im Stromnetz von Aichhalden und deren Herausforderungen für die Zukunft, auch im Hinblick auf die Entwicklung erneuerbaren Energien vor Ort. Ihm zufolge beschäftigt die Netze BW an 93 Standorten in Baden-Württemberg circa 5000 Mitarbeiter, davon sind 15 für Aichhalden zuständig und wohnen in der Nähe.
Trotz der klimabedingten Häufung von Stromausfällen im Netz durch Starkwetterereignisse wie Schnee und Gewitter habe es zwischen 2018 und 2022 lediglich 0,5 Störungen pro Kunde gegeben. Dies stelle ein gutes Ergebnis dar. In der Zeit von 2017 bis 2021 seien durch Maßnahmen circa eine Million Euro ins Aichhalder Stromnetz investiert worden, schilderte Schwarz. Die Anzahl von Fotovoltaik-Anlagen sei seit 2014 kontinuierlich auf 340 Anlagen bis Ende 2021 gestiegen und bringe jährlich eine Leistung von 5160 Kilowattstunden Strom. "Die zentrale Stromversorgung wird es in Zukunft nicht mehr geben. Die Energiewende findet im Verteilnetz statt. Der Anschluss ans Stromnetz von erneuerbaren Energien wird immer mehr zunehmen. Deshalb wird es weitere Umspannwerke brauchen", betonte Schwarz.
Experte warnt: keine Heizlüfter
Bürgermeister Michael Lehrer wollte von dem Stromexperten wissen, wie er die Problematik im Hinblick auf einen Blackout bewerte. Wenn ein Medium wie Strom ausfalle, so Schwarz erklärend, könne man nicht erwarten, dass es durch ein anderes wie Gas ersetzt werde. "Wir raten dringend davon ab, im Winter Heizlüfter einzusetzen. Das ist nicht nur gefährlich, wenn sie brennen, sondern auch teuer", sagte er. In Aichhalden könne es nur zu einem Problem kommen, wenn sich die Bewohner in einem Straßenzug sehr viele Heizlüfter zulegen. "Einen Blackout befürchten wir nicht, weil es vorher die Sicherung raushaut. Wir haben aber die Anzahl der Sicherungen erhöht", informierte der Experte.
Bauantrag liegt bereits vor
Marcus Storz lobte Schwarz für "einen verständlichen und übersichtlichen Vortrag". Für den Neubau eines Umspannwerks mit Betriebsgebäude und einer 110-KV-Freiluftleitung mit Einfriedung auf einem Grundstück im Bereich Hinteraichhalden habe der Energieversorger Anfang August den Bauantrag gestellt, informierte Lehrer. Laut Schwarz muss das bestehende Umspannwerk in Schramberg aus dem Jahre 1963 erneuert und erweitert werden. Weil dies am bestehenden Standort nicht möglich sei und in Sulgen große Industriegebiete vorhanden seien, sei die Errichtung eines neuen Umspannwerks auf Gemarkung Aichhalden sinnvoll und bringe dem Gewerbegebiet in Hinteraichhalden einen Standortvorteil.
Kosten von rund sieben Millionen Euro
Das Technik-Betriebsgebäude werde eine Grundfläche von 37 mal 13,50 Meter haben. Dauerhafte Arbeitsplätze entstünden dort allerdings nicht. Die Anlage sehe zwei Transformatoren mit 110 KV zu 20 KV vor, die auf drei erweiterbar seien. Das Grundstück befinde sich bereits im Besitz der Netze BW. Derzeit werden die Investitionskosten auf circa sieben Millionen Euro geschätzt. Mit einem Baustart werde in 2024 gerechnet, die Bauzeit daure bis zur Inbetriebnahme etwa drei Jahre, stellte Schwarz in Aussicht. Bürgermeister Michael Lehrer bekannte, bei dem Umspannwerk handle es sich "nicht gerade um ein schönes Bauwerk". Aber verhindern könne man es nicht. "Wenn wir die Energiewende wollen, müssen wir manche Kröten schlucken. Für Gewerbebetriebe bietet das Umspannwerk Versorgungssicherheit und einen Standortvorteil für den Anschluss größerer PV-Anlagen. Die Verwaltung begrüßt das Vorhaben", warb Lehrer um Zustimmung, die die Räte in der Folge einstimmig erteilten.