Wer Streuobstbäume pflegt, leistet einen wichtigen Beitrag zum Erhalt eines Stücks Kulturlandschaft. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Bestände gelten als einzigartig und artenreich. Allerdings sind sie stark zurückgegangen – Pflege und Ertrag stehen in kaum einem Verhältnis zueinander. Rund um Apfel, Birne und Quitte sowie deren Verarbeitung geht es demnächst in Althengstett und Sindelfingen quasi als Beitrag zum Erhalt eines Stücks Kulturlandschaft.

Die kommerzielle Nutzung von Streuobstwiesen ist längst nicht mehr wirtschaftlich; der Arbeitsaufwand zu groß, die Weltmarktpreise für Äpfel viel zu gering. Doch ohne regelmäßige Pflege verkrüppeln und verkümmern die Obstbäume, überaltern und verbuschen recht schnell. Streuobstwiesen bieten zahllosen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum und gelten deshalb laut Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg als „Hotspots“ der Biodiversität. In den lockeren Beständen mit strukturreichen Bäumen kann man demnach unter anderem Wendehals, Steinkauz, Wiedehopf, Gartenrotschwanz, Halsbandschnäpper, Grauspecht und Baumpieper sowie Igel und Bechsteinfledermaus, außerdem zahlreiche Insekten und Spinnen antreffen.

Regionale Wertschöpfung

Die Bewirtschaftung sowie die Verarbeitung und Vermarktung des Obstes, etwa durch lokale Mostereien und Brennereien, tragen nach den Angaben der Landesanstalt zur regionalen Wertschöpfung bei. „Gepflegte Bestände bringen mehr und zuverlässigen Ertrag. Die Nutzer sichern – teils in vielen Stunden Arbeit – durch Baumschnitt, Nachpflanzungen, extensive Mahd oder Beweidung des Unterwuchses die Artenvielfalt in diesem Biotoptyp und leisten einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft“, heißt es weiter. Daher würden in den Biosphärengebieten und in Plenum-Gebieten bereits zahlreiche Projekte mit Streuobstbezug beispielsweise über die Landschaftspflegerichtlinie gefördert. Finanziell unterstützt würden beispielsweise Gerätschaften für Lohnbrennereien, die beliebten Bag-in-Box-Abfüllanlagen für (mobile) Mostereien, Vermarktungskonzepte sowie Geräte für die Baumpflege und die extensive Grünlandpflege. „So profitieren nicht nur die Artenvielfalt und das Landschaftsbild, sondern auch engagierte Vereine und die lokale Wirtschaft, darunter der Tourismus, von der Streuobstnutzung“, so die Anstalt auf ihrer Homepage.

Keine weiten Wege für Apfelbaumbesitzer

Eine Erleichterung, wenn auch nicht bei der Pflege und der Ernte, dafür aber bei der Weiterverarbeitung von Äpfeln, bietet das Natursaft-Mobil, das ab 11. Oktober vor dem Feuerwehrhaus in Althengstett steht. Um weite Wege der Apfelbaumbesitzer zu vermeiden, fährt das Mobil von Ortschaft zu Ortschaft. Mostfreunde bekommen ihren Saft in Fässer gepumpt. Für alle, die Saft bevorzugen, wird dieser gefiltert, schonend auf 78 Grad Celsius erhitzt und ohne Zusatzstoffe sowie luftdicht in Fünf- oder Zehn-Liter-Bag-in-Box-Verpackungen abgefüllt. Um die eigenen Äpfel so weiterverarbeiten zu lassen, ist keine Mindestannahmemenge vorgesehen.

Sondermarkt auf dem Planiedreieck

Ein Streuobstwiesenmarkt bereichert am Samstag, 14. Oktober, den Sindelfinger Wochenmarkt. Acht Stände präsentieren laut einer Pressemitteilung im Rahmen des „Streuobstwiesenmarktes“ ihre Produkte – von Honig über Apfelsaft bis hin zu Secco und Fruchtgummi. Die Stände werden von 8 bis 13 Uhr auf dem Planiedreieck zu finden sein. Ab 10 Uhr wird außerdem die Streuobstwiesenkönigin des Landkreises Böblingen, Christina Jung, vor Ort sein. Organisiert wird der Streuobstwiesenmarkt vom Forum Ernährung und Hauswirtschaft des Landratsamtes Böblingen im Auftrag des City-Marketing Sindelfingen.

Streuobstpädagogen gestalten Kinderprogramm

„Wir freuen uns, mit dem Forum Ernährung und Hauswirtschaft des Landratsamtes Böblingen diese Kooperation eingegangen zu sein. Die Förderung unseres Wochenmarktes hat einen hohen Stellenwert in unserem Verein – Sondermärkte wie der Streuobstwiesenmarkt sind eine tolle Möglichkeit, den Besucherinnen und Besuchern Abwechslung zu bieten“, so Hanno Kreuter, Citymanager in Sindelfingen. Streuobstpädagogen bieten im genannten Zeitraum ein Kinderprogramm an. Die Fachwart-Vereinigung ist beim Sondermarkt mit einer Obstsortenausstellung vertreten. Ernährungsinformationen gibt das Forum Ernährung und Hauswirtschaft den Marktbesuchern mit auf den Weg.

So meldet man sich an

Termine
Das Natursaft-Mobil steht am Mittwoch, 11., 18. und 25. Oktober vor dem Althengstetter Feuerwehrhaus.

Anmeldung
Um unnötige Wartezeiten zu vermeiden, gibt es unter www.natursaft-mobil.de ein Anmeldeformular. Eine Anmeldung ist auch unter der Handynummer 0176/20 75 54 02 möglich.