Mobilfunkmasten bereiten einigen Anwohnern Grund zur Sorge. Foto: Weissbrod/dp

Um die Digitalisierung im unterversorgten Stadtteil Sigmarswangen voranzutreiben, soll ein Mobilfunkmast auf einem Gelände beim Sportplatz errichtet werden. Vertreter der ausführenden Firmen standen daher den Bürgern Rede und Antwort. Dabei bekamen sie auch Gegenwind zu spüren.

Sulz-Sigmarswangen - Ausgelöst wurde die Standortsuche durch eine Untersuchung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Ihr Ziel ist der Ausbau der bundesweiten Versorgung. Der Sulzer Ortsteil ist eines von rund 1200 unterversorgten Gebieten, in denen der Ausbau mit Bundesmitteln gefördert wird. In der Mai-Sitzung hatte der Ortschaftsrat öffentlich über das Bauvorhaben informiert.

Als Vertreter der ausführenden Fachfirmen waren nun Ralf Meisberger von der GfTD (Gesellschaft für Telekommunikation Deutschland) und Marcel Hofbaur von "whitespot" aus Heroldsberg in der jüngsten Sitzung zu Gast. Gemessen an der Anzahl der Besucherstühle hatte der Ortschaftsrat mit mehr Interesse gerechnet. Nur sechs Personen waren der Einladung ins Bürgerzentrum gefolgt und nutzten die Chance auf Informationen aus erster Hand.

Anwohnerin wegen Strahlung besorgt

Bei der Voruntersuchung hatte sich das Gelände am Sportplatz, etwa 300 Meter von der Wohnbebauung entfernt, als bester von vier Standorten herauskristallisiert. Geplant wird ein Betonfundament mit Stahlgittermast und entsprechender Systemtechnik. Die Masthöhe soll 42 Meter betragen, damit die umliegenden Bäume überragt werden.

Als Vorteil gilt die Konzentration mehrerer Anbieter auf eine Mobilfunkanlage. Vorerst wollen Telekom, Vodafone und Telefonica den Mast für ihre LTE/4G-Technologie nutzen. 1&1 Drillisch folgt später mit 5G. Ob bereits jetzt eine Glasfaserverbindung zum Mast hergestellt wird oder erst im Zuge der 5G-Realisierung, stehe im derzeitigen frühen Planungsstadium noch nicht fest.

Die Reichweite wurde mit einem Radius von etwa 2,5 Kilometern angegeben. Auf einen definierten Abstand der Masten sei zu achten. Die Überlappung der Reichweiten sei beim Ausfall einer Anlage von Vorteil.

Die Mobilfunkexperten versprachen eine deutliche Erhöhung der Datenübertragungsrate, eine sehr gute Versorgung innerhalb von Gebäuden sowie bessere Voraussetzungen fürs Home Office und für Zusteller im Logistikbereich. Auch Tausende von Notrufen würden täglich über Mobilfunk abgesetzt.

Aus dem Publikum ergänzte Erwin Hauser, Internetverfügbarkeit und Mobilfunkversorgung seien mittlerweile wichtige Kriterien für die Wahl des Wohnortes.

Einwohnerin Manuela Schumann äußerte Bedenken aufgrund der elektromagnetischen Strahlung. Sie forderte ein Konzept zur Gesundheitsvorsorge und pochte auf die Verpflichtung des Gemeinderats, den Bürgern die derzeitige und zu erwartende Strahlungsbelastung darzulegen. "Wo kann sich der heranwachsende Mensch noch in einem strahlungsfreien Umfeld gesund entwickeln?", fragte sie. Schon in der Schule säßen die Kinder täglich stundenlang in einer WLAN-Umgebung.

Anbieter halten Grenzwerte ein

Laut Meisberger darf eine Anlage nur unter Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte betrieben werden. Der Netzbetreiber müsse alle Planungsdaten offenlegen. Bei den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation WHO und der internationalen Strahlenschutzkommission befinde sich der Anbieter "auf einer sehr sicheren Seite."

Manuela Schumann blieb bei ihrer kritischen Haltung. Sie hätte sich am Info-Abend die zusätzliche Stellungnahme eines unabhängigen Medizinexperten gewünscht und überreichte dem Ortschaftsrat einen Flyer der Umwelt- und Verbraucherorganisation "Diagnose-Funk" zur Einholung weiterer Informationen. Schumann schloss die Gründung einer Bürgerinitiative oder ein Bürgerbegehren nicht aus.

Dies bewirke bei diesem privilegierten Vorhaben allenfalls eine Verzögerung, sagte Hofbauer. Meisberger betonte die Bereitschaft zum Dialog und dass man strengen Restriktionen unterliege. Selbst in Wohn- und Naturschutzgebieten seien solche Sendeanlagen erlaubt.

Auch Ortsvorsteherin Sabine Breil wollte wissen, wie sich die Strahlung auf die Ortslage auswirke. Die Sendeleistung werde 50 Watt am Mastausgang betragen. Die Feldstärke falle im Quadrat zur Entfernung und sei extrem gering. Biologische Systeme würden nicht beeinflusst, betonten die Projektbeauftragten.

Ratsmitglied Oliver Haist sah eine Verpflichtung zur Beseitigung der "weißen Flecken". Er hoffe, die verantwortlichen Stellen hätten ihre Hausaufgaben erledigt und erkundigte sich nach Kontrollmessungen und Wartungsintervallen. Ratskollege Heinz Schmidt schlug vor, bei der Standortwahl die maximale Reichweite auszunutzen, damit der Mast weder zu nah an der Wohnbebauung stehe noch dort, wo viele Kinder und Jugendliche Sport treiben.

Projekt wird sorgfältig abgewägt

Ihm als Vorsitzender des VfB Sigmarswangen sei das Sportgelände sehr wichtig, betonte Ralf Voßler. Auch er plädierte für den größtmöglichen Abstand zum Sportplatz und erhielt die Zusage, bei der bautechnischen Begehung zur Festlegung des Standorts dabei zu sein.

Neue Alternativ-Vorschläge bedürfen laut Hofbauer einer aussagekräftigen Bilddokumentation. Man brauche neben der Stromversorgung ausreichende Zufahrten für Baumaschinen und geeignete Abstände zu anderen Mobilfunkmasten. Die Frage von Dietmar Breil, wo sich diese im Umkreis von zehn Kilometern befänden, blieb vorerst unbeantwortet.

Man nehme die Bedenken der Bevölkerung in die weitere Beratung mit, werde aber zur Verbesserung der Mobilfunkversorgung um eine neue Sendeanlage wohl nicht herumkommen, erklärte Sabine Breil zum Abschluss des Meinungsaustauschs. Durch die Aufstellung der Anlage auf einem städtischen Grundstück wolle man das Heft des Handelns in der Hand behalten. Sie sagte eine kritische Durchleuchtung des Projekts und eine sorgfältige Abwä-gung durch den Ortschaftsrat zu, um für Sigmarswangen die verträglichste Lösung zu finden.