Tauben sind nicht überall gerne gesehen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Heftige Debatte um das Taubenschutz-Konzept für Horb. Martin Raible (ULH) will die Vögel zum Gourmet-Menü für Rathaus und Gemeinderat machen. Jetzt sagen die Tierschützer, was wirklich ein gutes Konzept für die Tauben ist.

Wie soll das Taubenproblem gelöst werden? Darüber gab es eine heftige Debatte im Gemeinderat. Klar ist: Ein Taubenhaus auf das Martin-Gerbert-Gymnasium will keiner. Das hatten die Gutachter von Astum vorgeschlagen.

 

Drucksache 178/23. Wie können die gut 360 Stadttauben unter Kontrolle gebracht werden? Die Kosten für eine mobile Tauben-Fanganlage und eine Aufnahmestation beziffert das Rathaus auf 35 000 Euro. Dazu kommen Monatskosten von 1500 Euro. Das schlägt den Gemeinderäten heftig auf den Magen.

Die Tauben schlachten und essen?

Martin Raible (ULH): „Die anfänglichen Kosten betragen 100 Euro pro Taube. Wenn die Tauben schon mal eingefangen sind, sind sie halt weg. Wir suchen einen Koch, der sie fachgerecht zubereitet. Das Menü kriegen Stadtrat und die Rathaus-Mitarbeiter. Dann ist das Problem gegessen!“

OB Peter Rosenberger: „Die Fasnetsaison hat am 11. 11. begonnen – in diese Richtung geht dieser Beitrag.“

Im Gutachten schlagen die Taubenexperten von Astum vor, eine „Taubenaufnahmestation“ auf dem Flachdach des MGG zu errichten. Zitat: „Sie bietet ein ideales Zuhause für die Stadttauben und wird unter fachmännischer Kontrolle die Taubenanzahl in Horb auf Dauer verringern.“ Kostenschätzung netto: 25 000 Euro.

FD/FW-Fraktionschefin Margarethe Rebholz: „Bei den Kosten, die so auf uns zukommen, haben wir erhebliche Bedenken. Eine Auffangstation auf dem MGG halten wir nicht für machbar.“

Das MGG als Standort?

BiM-Fraktionschefin Christina Nuss: „Wegen der Dachlast kommt nur das MGG in Frage. Das ist aberwitzig: Wenn die Vögel ums MGG fliegen, kriegen die Kinder auf dem Pausenhof alles ab.“

Dazu gibt es Tierschutzbedenken. Im von Astum vorgeschlagenen Modell werden die Tauben eingefangen und in zentrale Häuser verlegt. Rebholz: „Das Einfangen ist nicht tierschutzkonform“. Nuss: „Die Jungtiere der Brut bleiben beim Einfangen da und verhungern. Dazu kommt: das von Astum vorgeschlagene Regensburger Modell hat wenig Referenzen. Die Alternative – das Augsburger Modell – wird dagegen von über 70 Kommunen verfolgt und ist günstiger.“

Tauben in die Tierpension?

Dazu kommt: Beim Astum-Vorschlag für Horb hat das Taubenhaus nur eine maximale Kapazität von 300 Tauben. Alle anderen müssen für 120 Euro pro Vogel in Tierpensionen versorgt werden, so Nuss.

SPD-Fraktionschef Thomas Mattes: „Am Montagabend ging eine Mail ein – von drei Tierschützerinnen. Die haben selbst ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das kommt zu ganz anderen Zahlen. Wir sind in der Fraktion der Meinung, diese Personen einzuladen. Die schlagen das andere, das Augsburger Modell vor.“

OB Peter Rosenberger: „Wir haben keine Präferenz. Es scheint den Königsweg nicht zu geben.“

Kosten schrecken ab

CDU-Fraktionschef Michael Keßler: „Die Kosten sind für uns definitiv abschreckend. Das entspricht fast dem Budget einem kleinen Ortsteil. Wir würden uns dem Antrag anschließen, das andere Gutachten zu hören.“

Margarethe Rebholz: „Wir hatten schon Kostendiskussionen um die Schulsozialarbeit. Das ist unserer Fraktion wichtiger als die Regulierung der Taubenpopulation.“

Ihre BiM-Kollegin Nuss: „Das Regensburger Modell ist viel zu teuer. Das Augsburger Modell scheint günstiger zu sein. Dennoch haben wir einen gewissen Nachholbedarf.“

Kristina Sauter (OGL): „Wir sind erschrocken über die hohen Kosten. Ich frage mich, warum wir vom Modell des Horber Taubenhauses weggekommen sind. Das wäre auch schön anzusehen.“

Taubenhaus-Schließung

Bürgermeister Ralph Zimmermann (FDP): „In Nagold hat man den Betrieb des Taubenhauses eingestellt. Weil es seinen Zweck nicht erfüllt hat.“

Doch wie geht es jetzt weiter?

OB Rosenberger: „Die Regulierung der Taubenpopulation gibt es nicht zum Nulltarif. Ich stelle mal eine Frage: Was wäre ihre Zielgröße bei den Kosten?“

CDU-Fraktionschef Keßler: „Unabhängig vom Invest in die Infrastruktur würden wir uns Betreuungskosten in Höhe eines Mini-Jobs vorstellen.“

Dann wird abgestimmt. Für „Wir vespern die Vögel auf“ stimmte nur Martin Raible. Dafür hoben alle die Hände für den Vorschlag, dass jetzt die Tierschützer das Wort haben. Die Zuhörer vom Tierschutzverein klatschen.