Elfter Kampf, elfter Sieg: Boxer Ardian Krasniqi bleibt ungeschlagen. Foto: Baumann

Ardian Krasniqi gewinnt in Sindelfingen auch seinen elften Kampf durch einen Knock-out, doch mindestens so interessant ist ein Duell außerhalb des Rings: Simon Zachenhuber wird aus dem Glaspalast geworfen – und macht dem Konkurrenten eine Kampfansage.

Einer der ersten Gratulanten im Ring war der berühmte Onkel. Boxlegende Luan Krasniqi (53) nahm seinen Neffen Ardian (28) in den Arm, dann erklärte er den 2400 Zuschauern im Sindelfinger Glaspalast, dass sie die Zukunft des deutschen Boxens gesehen hatten: „Heute hat er seine Reifeprüfung bestanden“, meinte der frühere Schwergewichts-Champion, „Ardian wird sich Schritt für Schritt nach oben kämpfen – und früher oder später Weltmeister werden.“

 

Es gehört zum Boxen, sich nicht nur große Ziele zu setzen, sondern diese auch klar zu formulieren. Die Erwartungen, die mit solchen Aussagen verknüpft sind, belasten Ardian Krasniqi nicht. Im Gegenteil. Er selbst spricht ja stets davon, seinen in Deutschland am Boden liegenden Sport wiederbeleben zu wollen. Und er ist, so viel lässt sich bisher sagen, auf einem guten Weg. In doppeltem Sinne.

Eine Rechte beendet den Kampf

Da ist zum einen der Sport. Ardian Krasniqi ist hochtalentiert, intelligent, schlagstark. Nach zehn K.-o.-Siegen, in denen er nur 16 Runden im Ring stand, traf er diesmal auf einen besseren, sehr erfahrenen Gegner. Der Argentinier Diego Ramirez (30) ist zwar kaum älter, hat aber schon 40 Kämpfe absolviert. In der ersten Runde war dem Halbschwergewichtler (bis 79,3 kg) aus Rottweil der Respekt anzumerken, dann wurde er offensiver – und in der vierten Runde schlug seine Rechte voll ein. Ramirez ging zu Boden, das Duell war entschieden. „Alles lief genau nach Plan“, sagte Ardian Krasniqi, „ich war darauf eingestellt, dass der Kampf etwas länger gehen könnte. Doch nach diesem Schlag wusste ich, dass er nicht mehr aufstehen würde.“ Bleibt noch die andere Seite, die zum Boxen gehört – die Show.

Klar überlegen: Ardian Krasniqi in seinem Kampf gegen Diego Ramirez. Foto: Baumann

Die Agentur Primetime Promotion wurde extra gegründet, um die Kämpfe von Ardian Krasniqi bestmöglich vermarkten zu können. Die Veranstaltung in Sindelfingen war ein voller Erfolg, nicht nur wegen der Leistung des Hauptkämpfers. Auch einige andere der elf Duelle boten attraktiven Sport, der Glaspalast war bestens gefüllt. Nur einer, der auch gerne dabei gewesen wäre, fehlte – weil ihn der Veranstalter aus der Halle geworfen hatte. „Es ist“, sagte Simon Zachenhuber, „ein totaler Kindergarten gewesen.“

Aus einer Stichelei wird Ernst

Der 26-jährige Athlet, der in Stuttgart lebt und trainiert und Deutschlands Boxer des Jahres 2022 war, wollte sich den aufstrebenden Ardian Krasniqi erstmals live anschauen. Im Vorfeld hatten sich die beiden eine nette Stichelei auf Instagram geliefert. Supermittelgewichtler Zachenhuber (26/bis 76,2 kg) schrieb, dass er bereit wäre, spontan einzuspringen, sollte Gegner Diego Ramirez ausfallen – auch eine Gewichtsklasse höher, als er normalerweise kämpft. Ardian Krasniqi antwortete, er werde sich bei seinem Management erkundigen, ob bei der Veranstaltung noch ein Tänzer für eine Showeinlage benötigt wird – in Anspielung auf die Teilnahme von Zachenhuber an der RTL-Show „Let’s Dance“ vor vier Jahren. Irgendwann wurde aus dem Spaß dann jedoch (vermeintlich) Ernst.

Eine Viertelstunde, nachdem Simon Zachenhuber am Samstagabend mit seinem Trainer Conny Mittermeier den Glaspalast betreten hatte, kamen drei Security-Leute auf ihn zu, sagten zu ihm, der Veranstalter wolle, dass er wieder geht, und geleiteten ihn hinaus. Draußen wartete er dann auf Arber Krasniqi. Der Bruder des Boxers, der zusammen mit Klaus Müller („Ich habe nichts gehört“) die Primetime Promotion leitet, habe ihm, sagte Zachenhuber, anschließend erklärt, dass „Ardian nicht möchte, dass ich in der Halle bin“. So etwas, meinte Zachenhuber, habe er noch nie erlebt: „Das ist lächerlich.“ Und Conny Mittermeier schimpfte: „Da ist offenbar ziemlich viel Neid und Missgunst im Spiel. Ich würde mich schämen.“

Simon Zachenhuber spricht Klartext

Arber Krasniqi wollte sich auf Nachfrage zu dem Rauswurf nicht äußern („Kein Kommentar – das ist Privatsache“), Simon Zachenhuber nutzte die Gelegenheit zu einer Kampfansage: „Wenn er Angst vor mir hat, dann ist Ardian Krasniqi im falschen Sport unterwegs – erst recht, weil er immer von seinen großen Ambitionen redet. Nach dieser Nummer will ich unbedingt gegen ihn boxen, dafür gehe ich jederzeit auch eine Gewichtsklasse hoch.“

Auch Ardian Krasniqi mochte nach seinem Sieg nicht auf den Vorfall eingehen („Davon weiß ich nichts“), angesprochen auf die Herausforderung von Simon Zachenhuber reagierte er dann aber doch wie ein Boxer, der weiß, wie wichtig die Show ist. „Natürlich würde ich gegen ihn kämpfen, er soll ein Angebot machen“, erklärte Ardian Krasniqi in den Katakomben des Glaspalastes, „ich bin bereit für Simon Zachenhuber!“

Ob und wann es tatsächlich zu einem Zoff-Duell der künftigen Stars kommen wird, ist offen. Klar ist aber auch: Dem deutschen Boxen würde es nicht schaden, wenn auf die Reifeprüfung bald der Härtetest folgen würde. „Erst in einem Kampf gegen Simon Zachenhuber“, sagte Conny Mittermeier, „wird sich zeigen, was Ardian Krasniqi wirklich draufhat.“