Solche Schilder gibt es schon heute an vielen Autobahnabschnitten. Aber eben nicht generell. Foto: dpa/Jens Büttner

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hat sich gegen ein Tempolimit auf Autobahnen ausgesprochen – und sieht die Bevölkerung auf seiner Seite. Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hält massiv dagegen.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) für dessen jüngste Äußerungen wider ein Tempolimit auf Autobahnen heftig attackiert. Hermann sprach von „fadenscheinigen, nicht belegten und teils lächerlichen Behauptungen.“

 

Abkürzung über die Dörfer?

In einem Interview mit der Funke-Mediengruppe hatte Wissing seine seit Langem bestehende Ablehnung unter anderem damit begründet, dass ein langsameres Tempo auf Autobahnen dazu führen könne, dass Autofahrer dann lieber die Abkürzung über andere Straßen nehmen würden. Im Übrigen gebe es für flächendeckend Tempo 120 auf Autobahnen ebenso wenig eine Akzeptanz in der Bevölkerung wie für Tempo 80 auf Landstraßen und 30 innerorts.

„Weiß der Minister etwa nicht, dass man durch Dörfer keine 120 km/h fahren darf?“, sagte Hermann ironisch. Die Autobahn verliere doch durch ein Limit nicht ihren Zeitvorteil. Er nannte zudem die Behauptung „hanebüchen“, dass die Bevölkerung kein Tempolimit wolle.

Umfragen zum Thema sind sehr stabil

Eine Reihe von Umfragen aus den vergangenen Jahren haben in der Tat seit Jahren eine stabile Mehrheit der Befürworter von Tempobeschränkungen auf Autobahnen festgestellt. Wobei es hier nicht um Tempo 120 ging, sondern um die Festschreibung der bisherigen Richtgeschwindigkeit von 130.

Bei der jüngsten Umfrage im Auftrag des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2021 waren 42 Prozent auf jeden Fall für ein Tempolimit auf Autobahnen, 22 Prozent befürworteten dies tendenziell. 21 Prozent waren andererseits strikt dagegen, weitere 15 Prozent neigten zu einem Nein. Vier Umfragen von Forsa im Auftrag von RTL und ntv zwischen Mitte 2021 und Mitte 2023 kamen auf recht konstante Mehrheiten zwischen 54 und 58 Prozent. Im Sommer 2023 führte die Zeitung Auto-Bild mit dem Institut Insa eine Umfrage durch – und kam auf 57 Prozent Befürworter einer Begrenzung. Auch eine längere Zeitreihe mit Umfragen unter ADAC-Mitgliedern untermauert den Trend. Seit 2014 ist deren Zustimmung demnach kontinuierlich gestiegen. Mitte 2023 waren 54 Prozent der Mitglieder für Tempo 130 und 41 Prozent dagegen.

Hermann: CO2-Reduktion bei Tempolimit gratis

Ein Tempolimit auf Autobahnen sei die einzige sehr kurzfristig wirkende und kostenfreie Maßnahme, um den CO2-Ausstoß im Straßenverkehr deutlich zu senken, der bisher die Klimaziele verfehle, sagte Hermann.

Daneben spreche auch die Sicherheit und die Stressvermeidung für ein Limit. Warum Gegner einer Tempobeschränkung den Befürwortern eine ideologische Haltung vorwerfen würden, bleibe ein Rätsel, sagte der grüne Minister. Deutschland sei ein Außenseiter: „Selbst in den weitläufigen USA kommen alle trotz der Tempolimits auf den Highways gut und zeitgerecht ans Ziel.“