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Streit um Pachtfläche Schönwälder Paar kämpft um Kienzlerhansenhof

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Seltene Haustierrassen wie die Hinterwälder Rinder halten die Betreiber des Kienzlerhansenhofs. Ohne die gepachteten Flächen sei dies aber nicht möglich. Foto: Kluge/Gössel

Schönwald - Der Streit um die Pachtfläche am Kienzlerhansenhof geht in die nächste Runde. Nun gibt es eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Bürmeister Christian Wörpel. Mehr dazu in unserem (SB+)-Artikel.

Die beiden Architekten Anja Kluge und Ingolf Gössel haben viel in den von ihnen vor acht Jahren erworbenen Kienzlerhansenhof gesteckt und für die behutsame, am Original gehaltene Restaurierung schon etliche Preise eingeheimst. Mit zum "Kulturgut" des Hofs gehören für die beiden die dazugepachteten Flächen und die Tierhaltung. Die Tierhaltung war laut Kluge sogar eine Bedingung für die Verpachtung der Flächen an sie. Doch ab dem kommenden Jahr werde die Fläche, knapp 20 Hektar, seitens der Gemeinde an andere, laut Bürgermeister Wörpel "örtlich verwurzelte landwirtschaftliche Betriebe" verpachtet.

Bürgermeister bezieht sich auf "diverse Vorfälle und Ereignisse"

"Die Entscheidung der Nichtverlängerung an die bisherige Pächterin resultiert aus diversen Vorfällen und Ereignissen", meint Wörpel, ohne genauer werden zu wollen. Er verweist auf das laufende Verfahren der Dienstaufsichtsbeschwerde gegen ihn und sonstigen anwaltlichen Schriftverkehr. Er betont lediglich, dass der Gemeinderat in seiner Entscheidung zur Verpachtung an andere Landwirte sehr sorgfältig das Für und Wider abgewogen habe.

Anja Kluge möchte nun über die Dienstaufsichtsbeschwerde doch noch erreichen, die genauen Hintergründe zu erfahren. "Inhalt der Verfahren ist, dass die Beschwerdeführerin die Gründe erfahren möchte, die für eine Neuverpachtung maßgebend waren", bestätigt das Landratsamt die Beschwerde und ein damit verbundenes Widerspruchsverfahren.

Wörpel hat bereits in einer früheren Stellungnahme Kritik an den Hofbetreibern geäußert: Die Gemeinde Schönwald zeige sich mit der Betriebsführung des Hofs nicht einverstanden, die öffentliche Darstellung des Betriebs nach außen sei für die Gemeinde Schönwald sehr irritierend, und das Verhalten von Kluge und Gössel gegenüber der Gemeinde sei untragbar.

Existenz von Hof gefährdet

Aber was nun an der Betriebsführung und dem Verhalten der beiden genau zu bemängeln war, das wollte Wörpel gegenüber dem Schwarzwälder Boten nicht vertiefen – aus Rücksicht auf die bereits erwähnten laufenden Verfahren.

Anja Kluge hingegen kann keine Gründe für die Nichtverlängerung der Pacht an sie erkennen, verweist stattdessen auf das stimmige Konzept von Hofbetrieb und der Haltung bedrohter Haustierrassen wie den Hinterwälder Rindern, Moorschnucken und Schwarzwaldziegen. Das sei auch von anderer Stelle gewürdigt worden. In diesem Zusammenhang verweist Kluge auf unterstützende Stellungnahmen seitens Landwirtschaftsamt, der Denkmalpflege, des Regierungspräsidiums, der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen und anderer Verbände und Persönlichkeiten mehr. Sie alle würdigen Hof und landwirtschaftlichen Betrieb als wichtiges Miteinander.

Wenn die Fläche nicht mehr zur Verfügung stünde, wäre die Existenz ihres landwirtschaftlichen Betriebes gefährdet und die Finanzierung des Hofs geriete in wirtschaftliche Schieflage, so Kluge. Mit der Wegnahme der Flächen werde dem Betrieb die Grundlage genommen. Einnahmen aus der Landschaftspflege und dem Verkauf der einjährigen Kälber würden wegfallen.

Weiterer Termin mit Fernseh-Team steht auf dem Hof an

Die Geschichte hat Zündstoff. Auch das Fernsehen hat das Thema aufgegriffen. Im SWR wurde berichtet. Ein zweiter Drehtermin steht laut Kluge am heutigen Samstag an.

Und das in Wahlkampfzeiten: Bürgermeister Christian Wörpel möchte am 15. November erneut als Rathauschef in Schönwald gewählt werden und hat hierfür als einziger Kandidat im Rennen auch beste Chancen. Interessierte lädt er am heutigen Samstag zu einem Rundgang in Schönwald ein.

Anja Kluge und Ingolf Gössel sind nach eigenem Bekunden an einem guten Miteinander zum Wohle Schönwalds interessiert, geben sich gesprächsbereit, vermissen das aber von Wörpel.

Einen weiteren Aspekt vertiefen sie in einem Schreiben an Wörpel vom 19. Oktober. Darin heißt es: "Wir kennen die eigentlichen Beweggründe einer anderweitigen Verpachtung nicht gesichert. Sollte dies aber zu dem Zweck erfolgen, Dritten (Nebenerwerbslandwirten) durch die aus unserem Flächenentzug entstehende weitere finanzielle Förderung zu ermöglichen, wäre das nicht nur eine rechtswidrige Doppelförderung in Verbindung mit dem uns in 2016 gewährten ELR-Fördervertrag, sondern auch ein Förderschaden bei Entfall der Flächen für uns. In einem solchen Falle würden wir die jeweils zuständigen Förderbehörden davon informieren."

Der Kienzlerhansenhof sei ein wesentlicher Kulturbestandteil Schönwalds, ein historischer Kulturschatz, welcher 430 Jahre unbeschadet inmitten seiner Flächen überdauert habe.

Und weiter schreiben Kluge und Gössel: "Wir möchten verhindern, dass er innerhalb von nur zwei Jahren in kurzsichtiger Handlungsweise und ohne Berücksichtigung der fachlichen Belange gevierteilt, zerfleddert, seines Inhalts und seiner Identität beraubt wird."

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