Hildebrandts alter Grabstein war zwar vermost, aber konform mit der Friedhofsordnung. Foto: dpa

Das Münchner Friedhofsamt stört sich an der letzten Ruhestätte des verstorbenen Kabarettisten. Erst ein Ortstermin mit den Hinterbliebenen bringt einen Kompromiss.

Das Münchner Friedhofsamt stört sich an der letzten Ruhestätte des verstorbenen Kabarettisten. Erst ein Ortstermin mit den Hinterbliebenen bringt einen Kompromiss.

München - Ein Stein des Anstoßes wollte der im vergangenen November gestorbene Kabarettist Dieter Hildebrandt immer sein. Nun wird in seiner Heimatstadt gerade eine Lokalposse aufgeführt, die Hildebrandt auf jeden Fall ausführlich in einem seiner Bühnenprogramme besprochen und mit höchstem Vergnügen auf die Schippe genommen hätte. Denn nun eckt sein Grabstein bei der Münchner Friedhofsverwaltung an.

Die findet, dass das von seiner Witwe Renate ausgesuchte Stück nicht den Paragrafen der Friedhofsordnung entspricht. Die „Regelungswut der Behörden verfolgt Hildebrandt bis ins Grab“, schreibt das Münchner Boulevardblatt „tz“.

Was ist geschehen? Der alte Grabstein für ihn und seine im Jahr 1985 verstorbene erste Ehefrau Irene war reichlich verwittert und morsch. So suchte die Witwe Renate nach einem neuen und entdeckte bei einem Steinmetz einen hellen rauen Marmorstein aus Portugal, ungeschliffen, eckig, kantig. Der würde sehr gut für das Grab auf dem Neuen Südfriedhof passen, in das Hildebrandts bunter, von seinen Enkelkindern bemalter Sarg am 2. Dezember in die Erde versenkt worden war. Sie habe gleich gesehen: „Das ist Dieter“, sagte Renate Hildebrandt der Zeitung. Ein Stein wie der Charakter des Mannes. Doch die Friedhofsverwaltung spielte nicht mit.

Denn der Stein verstoße gegen die „Satzung über die Bestattungseinrichtungen der Landeshauptstadt München“, so die Argumentation. In deren Paragraf 28 finden sich einige Vorschriften, an die sich der Hildebrandt-Stein dezidiert nicht hält. So müssten Natursteine „allseitig steinmetzmäßig bearbeitet sein“. Auch sind „gespaltene Steine“ nicht zulässig.

Wo würden wir denn auch hinkommen, hört man den im Alter von 86 Jahren an Krebs Verstorbenen fast schon sagen, wenn sich jeder Stein dem Charakter des Toten angleicht? Ein heilloses Durcheinander gäbe das, Kraut und Rüben auf dem Friedhof, wo doch dort alles gleichmäßig und möglichst einheitlich sein sollte und auch alles ganz genau von Amts wegen geregelt ist.

9000 Gräber befinden sich auf dem Friedhof. Nach einer gemeinsamen Besichtigung mit Vertretern des Friedhofsamts konnte schließlich ein Kompromiss erzielt werden: Vorn und hinten gibt es am Stein ein paar Gravuren. Das gilt dann als bearbeiteter Grabstein, dann wird das Werk von der Behörde offiziell abgenickt. Die Hildebrandt-Witwe und die Familie akzeptieren das.  

Wer nun also Dieter Hildebrandt besuchen geht, kann das mit einer zusätzlichen Anekdote im Kopf machen. Als „Störenfried“ galt der politisch denkende Kopf schon immer, zuletzt machte er mit Freunden im Internet das ziemlich wilde und wenig ausgewogene „Störsender-TV“. In lange vergangenen Zeiten war auch schon mal sein von der ARD ausgestrahltes „Scheibenwischer“-Kabarettprogramm in Bayern abgeschaltet worden. Politisch zu unbotmäßig war das gewesen, viel zu viel Kritik wurde darin an der CSU geübt. Für Hildebrandt allerdings brachte das Kappen der Sendung einen zusätzlichen Publicity-Erfolg.

Ziemlich heiter und vergnügt war es auf Hildebrandt Beerdigung vor dreieinhalb Monaten auf dem Neuen Südfriedhof zugegangen, ganz im Sinne des Verstorbenen. Viele Kabarett-Kollegen, viel Prominenz, sehr viele Menschen aus der normalen Bevölkerung erwiesen ihm die letzte Ehre. Ein Zitat von Erich Kästner stand auf dem Sarg geschrieben: „Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“ Der protestantische Pfarrer Friedrich Schorlemmer sagte: „Ich glaube, dass er den Gott, an den er nicht geglaubt hat, zum Lachen bringt.“

Auch der Münchner Noch-OB Christian Ude (SPD) hielt auf der Trauerfeier eine Rede. Er ist als Chef im Rathaus auch verantwortlich für das Bestattungswesen. Nach dem Ende seiner OB-Zeit im Mai will sich der 66-jährige Ude als Pensionär mehr dem Kabarett widmen, das er schon immer als Hobby und mit durchaus respektabler Leistung betreibt. Womöglich greift er dann auch Dieter Hildebrandts Grabstein auf, um die Irrungen und Wirrungen der Münchner Verwaltungsbürokratie zu karikieren.           

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