Das Krematorium auf dem Bergfriedhof: Wie geht es hier weiter? Foto: Bender

Der Streit um die Krematoriumspläne geht weiter: Bürgermeister Tilman Petters betont, dass die Stadt am Bergfriedhof festhält und zieht das Vorhaben der privaten Konkurrenz in Zweifel.

Die Stellungnahme, die Tilman Petters am Freitagabend versendete ist an Deutlichkeit nicht zu überbieten: „Die Haltung der Stadt ist klar: Wir wollen den historischen Bergfriedhof weiter betreiben, mit einem Krematorium.“ Darüber hinaus setzt der Baubürgermeister zum Gegenschlag gegen die Initiatoren der geplanten privaten Einäscherungsanlage an und verteilt eine Spitze gegen die Presse.

 

Der Hintergrund ist bekannt: Nachdem die Stadt angekündigt hatte, ihr Krematorium auf dem Bergfriedhof ab Herbst 2027 selbst betreiben zu wollen, traten vergangene Woche hiesige Bestatter auf den Plan, kündigten Konkurrenz in Form des „Hauses des Abschieds“ an. Die Ideengeber Ralph und Janik Rottenecker haben eigenen Angaben zufolge gut drei Dutzend Bestatter hinter sich versammelt, die praktisch den gesamten Markt in der Region abdecken – und die Luft für das städtische Krematorium dünn werden lassen.

Petters: Lahrer Bevölkerung entscheidet

Petters sieht das anders, er glaubt offenbar weiter an ein Auskommen der Stadt: „Die Einnahmen eines Krematoriumsbetriebs auf dem Bergfriedhof sind für die nachhaltige Unterhaltung dieses Standorts wichtig. Deshalb war und ist der Grundsatzbeschluss des Gemeinderats zu Gunsten der Vorbereitung des Betriebs eines Krematoriums auf dem Bergfriedhof durch die Stadt selbst gefallen.“ Die Lahrer Bevölkerung, ist der Beigeordnete überzeugt, werde für den Erhalt das Krematoriums auf dem Bergfriedhof sorgen: „Wir bezweifeln, dass die Trauernden der Region tatsächlich einen fernen Neustandort wünschen.“ Gleiches gelte für die Dienstleister: „Wir sind noch nicht davon überzeugt, dass so viele Bestatter dem Bergfriedhof den Rücken kehren wollen, gegen den Willen ihrer Kundschaft, unserer Bürgerinnen und Bürger.“

Wird Neustandort rechtzeitig fertig?

Wie berichtet, gilt der Friesenheimer Ortsteil Schuttern als Standortfavorit für die private Einäscherungsanlage. Dass dort, wie von den Firmen angepeilt, Ende 2027 der Betrieb beginnen kann, zieht Petters in Zweifel: „Wir glauben nicht, dass notwendige Bebauungsplanänderungen, Fachgutachten und naturschutzrechtliche Ersatzmaßnahmen und Ausgleichsflächen für einen Neustandort in einer benachbarten Gemeinde so rechtzeitig vorbereitet und abgearbeitet werden können.“

„Wollen Tradition ausbauen“

Außerdem, so der Bürgermeister, werde der neue Standort „auch kaum die Qualitäten und wirtschaftliche Sicherheit bieten können, die der Lahrer Bergfriedhof mit seinem Standortvorteil bereits jetzt bietet“. Die Stadt will bekanntlich drei Millionen Euro in die Sanierung ihres Krematoriums stecken. Petters: „Wir wollen diesen Ort der Tradition und Erinnerung für viele Bürgerinnen und Bürger der Region in einer verbesserten, zeitgemäßen Form ausbauen.“

Ärger bei Nachbarkommunen?

Die Bestatter planen einen 4,5-Millionen-Neubau und rechnen für die aufnehmende Gemeinde mit zusätzlichen Einnahmen durch Gewerbesteuer und Gebühren in Höhe von rund 100 000 Euro jährlich. Der Beigeordnete meint indes: „Wir glauben nicht, dass die vielen betroffenen Nachbarkommunen dankbar für die Einnahmeverluste sein werden, die sie durch die abnehmende Nutzung ihrer Anlagen wie den Einsegnungshallen erleiden werden, bei bis zu 5000 jährlichen Kremationen im ländlichen Umfeld und ohne absehbare, durch Abschreibungen minimierte Gewerbesteuereinnahmen.“

Am Ende nochmal Kritik

Zur Berichterstattung über das Projekt der Bestatter hat Petters eine klare Meinung: „Die finanzzentrierte Unverblümtheit, mit der in der Öffentlichkeit ohne ausreichende Faktenkenntnis dieses sensible Thema von einem einzelnen Bestatter dargestellt wird, erstaunt mich zutiefst.“ Dies werde der Bedeutung der Angelegenheit nicht gerecht. Gleichzeitig betont der Bürgermeister, dass für die Stadt „die Bürger und die regionalen Unternehmer im Vordergrund“ stünden, mit Letzteren wolle man sich wie schon der Vergangenheit auch künftig abstimmen.

Am Ende streckt Petters zwar die Hand aus („Wir sind weiterhin gesprächsbereit“), übt aber nochmals Kritik: „Wir verstehen nicht, woher die starke Motivation kommt, den Stellenwert des Bergfriedhofs für die Region öffentlich in seiner Bedeutung kleinreden zu wollen.“

Stadträte eher skeptisch

So forsch sich Baubürgermeister Tilman Petters am Freitag in seiner Stellungnahme zeigte, so zurückhaltend gaben sich Teile des Gemeinderats direkt nach Bekanntwerden der Krematoriumspläne der 37 Bestatter. Die erste Reaktion, die aus Kreisen des Gremiums zu vernehmen war: Machen die privaten Investoren Ernst, muss die Stadt wohl von ihren Plänen Abstand nehmen. Der Gemeinderat soll bei seiner öffentlichen Sitzung am Montag, 26. Mai, über die Gründung einer Gesellschaft zum Betrieb der städtischen Einäscherungsanlage entscheiden.