In Rohrdorf ist ein Streit um das Bauvorhaben von Kathrin Axt entbrannt. Der Gemeindeverwaltung wirft sie vor, systematisch neues Bauen zu verhindern. Der Bürgermeister möchte dazu nicht öffentlich Stellung beziehen.
Um das Bauvorhaben von Kathrin Axt aus Rohrdorf ist ein intensiver Streit mit der Gemeindeverwaltung entbrannt. Insbesondere gegen Bürgermeister Joachim Flik erhebt die junge Frau heftige Vorwürfe. Projekte wie das ihre sollen absichtlich blockiert und unter fadenscheinigen Begründungen abgelehnt worden sein. Im Rathaus möchte man sich dazu nicht äußern.
Vor etwa zwei Jahren beschloss Kathrin Axt, sich mit ihrem Mann in ihrem Heimatort Rohrdorf niederzulassen und fasste ein Grundstück nahe der Nagold ins Auge – das Flurstück 508/1. Doch aus dem Rathaus habe es geheißen: Hier werde nicht gebaut. „Joachim Flik hat angegeben, dass keine Baugenehmigung erteilt werden kann, da es sich um Grünland handle“, erklärt Axt und fügt gleich dazu: „Doch laut Landratsamt wird das Grundstück nicht als Grünland geführt.“
Der Verwaltungschef soll laut Kathrin Axt auch angegeben haben, das Hochwassermanagement verhindere eine Genehmigung. Das Landratsamt differenzierte in diesem Punkt. Zwar sei es richtig, dass Bauen im Überschwemmungsgebiet verboten sei, doch: „Aus wasserwirtschaftlicher Sicht können, auf der Grundlage der Entwurfsplanung, die Anforderungen [für eine Ausnahmegenehmigung, Anm. d. Red.] erfüllt werden.“
Verwaltung verweigert grünes Licht
Auf Nachfrage der Redaktion verwies Bürgermeister Joachim Flik darauf, dass für eine Baugenehmigung das Baurechtsamt in Nagold verantwortlich sei. Dort bestätigte man, dass der Antrag von Kathrin Axt abgelehnt worden sei. Der Grund: „Das erforderliche Einvernehmen der Gemeinde Rohrdorf wurde nicht erteilt.“ Als Begründung sei die mangelhafte Erschließung und der Hochwasserschutz angeführt worden.
Seit zwei Jahren kämpft Kathrin Axt mit der Unterstützung ihrer Familie nun dafür, die Genehmigung für den Bau eines Einfamilienhauses auf dem Grundstück 508/1 zu bekommen.
Ihr Vater ist der Rohrdorfer Architekt Andreas Kampert. „Wir sind also Sachkundige“, sagt dieser. Für ihn ist es eindeutig, dass die Gemeindeverwaltung aktiv verhindere, dass neu gebaut werde: „Viele Behauptungen lassen sich nicht überprüfen. Auch bei anderen. Besteht irgendwo der Wunsch zu bauen, wird mit Veränderungssperre oder Vorkaufsrecht reagiert. Gott sei Dank haben wir unser Baugesuch gestellt, bevor eine Sperre über das Grundstück verhängt werden konnte.“ Eine Kommunikation mit dem Rathaus sei von Anfang an nur mit Nachdruck möglich gewesen und laufe heute ausschließlich über Anwälte, so Kampert.
Kein Kommentar von Flik
Mitte Juni des vergangenen Jahres gipfelte der Fall schließlich in einer Situation, in der die Polizei mit eingeschaltet werden musste. Der Wunsch der Familie, Einsicht in Unterlagen des Rathauses zu erhalten, scheiterte – woraufhin Kathrin Axt die Polizei alarmiert haben soll. „Die Mitarbeiterin an der Klingel sagte uns, sie hätte von Herrn Flik die Anweisung uns nicht hereinzulassen“, so Kampert. „Die Polizei schickte einen Streifenwagen und erklärte Bürgermeister Flik, dass er niemandem den Zutritt ins Rathaus verweigern dürfe, es sei denn, es wäre ein schriftliches Hausverbot mit Begründung, weshalb der Zutritt verweigert wird.“
Der Bürgermeister soll der Polizei gegenüber angegeben haben, er habe den Zutritt verweigert, nachdem er die Personen vor dem Rathaus als aufbrausend erlebt habe. Das berichtete die Polizei auf Nachfrage der Redaktion. Andreas Kampert erwidert darauf: „Mit dem Bürgermeister wurde kein Wort geredet. Also ist eine aufbrausende Situation nie entstanden. Ein schriftliches Hausverbot gab es bis zum heutigen Tage nicht.“
Widerspruch eingelegt
Gegen die Ablehnung ihres Bauantrags hat Kathrin Axt mittlerweile Widerspruch eingelegt. Der Fall liegt nun beim Regierungspräsidium in Karlsruhe. Ihr Vater kommentiert noch: „Es ist ein Problem, dass es keine echte Aufsicht über den Bürgermeister gibt. Was in Rohrdorf passiert, ist Willkür.“ Die Familie sieht sich nur als ein Teil eines größeren Bildes. „Vieles liegt hier im Argen und in der Gemeinde herrscht nur noch Resignation.“
An dieser Stelle wäre es interessant, die Perspektive zu wechseln und zu erfahren, wie der Bürgermeister zu diesen Vorwürfen steht. Doch wollte Bürgermeister Flik zu dem Fall keine Stellungnahme abgeben – unter Verweis auf ein laufendes Verfahren.