Drei Zentrifugen in der Atomanlage Natanz, einer iranischen kerntechnische Anlage zur Anreicherung von Uran aus dem Jahr 2019. Foto: Islamic Republic Iran Broadcas

Teheran wird bis zur letzten Minute versuchen, die USA zum Einlenken zu bewegen. Der derzeitige Atom-Poker ist erst der Anfang, kommentiert unser Korrsepondent Thomas Seibert.

Teheran - Wie in einem Poker-Spiel sitzen sich die USA und der Iran im Atomstreit gegenüber. Wer wird zuerst die Nerven verlieren? Die USA verlangen vom Iran, das Land müsse alle Verpflichtungen des Atomvertrages von 2015 wieder einhalten, bevor die Sanktionen aufgehoben werden könnten. Der Iran fordert, zuerst müssten sich die USA bewegen. Schließlich, so das Argument, hat Amerika das Abkommen vor drei Jahren einseitig aufgekündigt und muss deshalb die seitdem erlassenen Sanktionen beenden, bevor man miteinander reden kann.

Ohne den Vertrag könnte in der Golf-Region ein neuer Krieg drohen

So geht das seit dem Amtsantritt von Joe Biden vor einem Monat hin und her. Dabei wissen beide Seiten, dass ein endgültiges Aus für den Atomvertrag weder dem Iran noch den USA nützen würde. Ohne Atomabkommen würde der Iran nicht nur mit Sanktionen der USA belegt, sondern mit Strafmaßnahmen der ganzen UNO. Ohne den Vertrag und die darin vorgesehenen strikten Kontrollen des iranischen Atomprogramms würde in der Golf-Region ein neuer Krieg drohen. Israel, Saudi-Arabien und die anderen Iran-Gegner in der Region befürchten, dass die Islamische Republik auf dem Weg zur Atommacht ist, und würden alles tun, um die Iraner zu stoppen.

Am wahrscheinlichsten ist, dass Teheran bis zur letzten Minute versuchen wird, die USA zum Einlenken zu bewegen, am Ende den Vertrag aber nicht scheitern lassen wird. Allerdings ist die Zukunft des Atomvertrages nur eine der offenen Fragen zwischen Iran und Amerika. Eine andere betrifft das iranische Raketenprogramm, das auch ohne atomare Bewaffnung von den Nachbarn als Bedrohung empfunden wird. Der schiitische Iran liefert sich zudem einen Machtkampf mit dem sunnitischen Saudi-Arabien, das mit den USA verbündet ist. Wenn die internationale Diplomatie diesen Konflikt in halbwegs friedliche Bahnen leiten, wäre das ein riesiger Erfolg. Der derzeitige Atom-Poker ist erst der Anfang.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: