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Streit über den Wasserspiegel am Schluchsee Ab 923 Meterngibt es Ärger

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Schlick, wohin das Auge blickt: wenn es am Schluchsee so aussieht, haben die Segler an ihren Booten keine Freude mehr. Foto: privat

Schluchsee - Der Pegel steigt wieder: Das Wasser im Schluchsee, dem größten Schwarzwaldsee in der Nähe des Feldbergs, war im Januar 2017 auf einen Rekordtiefstand von 911 Metern gesunken, jetzt zeigt die Messlatte wieder 918 Meter über dem Meeresspiegel an. Noch sechs Meter und das Wasser wird die Marke 924 erreichen, die im Sommer bisher meist eingehalten wurde, weil sonst der schlickige Uferrand zum Ärgernis für Badegäste und Segelboote wird.

Doch am 16. März läuft der 1928 abgeschlossene Bewirtschaftungsvertrag der Schluchseewerke AG aus. Im neuen Vertrag soll nach Willen des Stromunternehmens stehen, dass es so viel Wasser durch die Kraftwerkturbinen laufen lassen darf, dass der Pegel im Sommer auf 923 Meter und in Ausnahmefällen sogar auf 922 Meter absinkt. Ein Meter weniger Pegel bedeutet zehn Meter mehr sumpfiges Ufer.

Der Schluchsee ist ein Stausee. Sein Pegelstand wird durch Rheinwasser wieder ausgeglichen, das mit billigem Strom, wenn Überschuss aus Kohle- und Atomkraftwerken anfällt, in den Schwarzwald hoch gepumpt wird. Mit den drei angeschlossenen Kraftwerken produziert das nicht börsennotierte Joint-Venture von RWE und EnBW im Jahr rund 300 000 Megawatt Strom aus Wasserkraft. Mit Strom aus dem Schluchsee können Engpässe überbrückt werden, wenn Sonnen- und Windkraftwerke wetterbedingt ausfallen. Der Stromspeicher sei „ein wichtiger Bestandteil der Energiewende“, sagt der Unternehmenssprecher Peter Steinbeck.

Verdacht der Segler: nur der Niedrigpegel ermöglicht Gewinne

Dagegen hat auch der Seglerverein Schluchsee mit seinen 600 Mitgliedern nichts.. „Wir begrüßen die Energiewende“ betont der Vorsitzende Kristian Raue. Auch ihm sind wirtschaftliche Kriterien nicht fremd. „Aber der Wunsch, im Sommer noch mehr Wasser ablassen zu können, ist ganz normales Profitstreben an der Strombörse.“ Das gehe selbst aus den Wirtschaftlichkeitsberechnungen hervor, die das Unternehmen im Dezember 2016 vorgelegt habe. Darin wurden Szenarien auf Grund der Geschäftsjahre 2013 bis 2015 vorgelegt. Die Prognosen legen nahe, dass Gewinne nur noch beim Niedrigpegel von 923 Meter möglich sind. „Das sind Worst-case-Szenarien“, sagt Raue. Im Mittelwert seien auch künftig gute Erträge zu erwarten, es sei nicht hinnehmbar, dass gegenüber den Interessen des Stromerzeugers diejenigen der Hobbysegler, des Tourismusgewerbes, der Gastronomie und des Handels hintan stehen müssten.

Der Bürgermeister verweist auf die Arbeitsplätze

„Wir stehen bereits jetzt an der Grenze der Wirtschaftlichkeit“, kontert der Sprecher Steinbeck. Das Werk sei seit 90 Jahren ein verlässlicher „Partner der Region“. Das soll auch so bleiben, pflichtet der Bürgermeister von Schluchsee, Andreas Kaiser bei. „Aber bei uns leben alle direkt oder indirekt vom Tourismus“. Das seien rund 2000 Arbeitsplätze und 100 Millionen Jahresumsatz. Der Schluchsee ist im Schwarzwald der wichtigste Badestrand. „Bei 922 Metern wäre der Badebetrieb tot“, sagt Kaiser. Er will, dass der Niedrigpegel bei 925 Metern fixiert wird.

Wie der Interessenskonflikt zwischen Werk, Kommune, Tourismus und Wassersport zu lösen ist, bleibt auch nach den Erörterungsterminen unklar. Die Segler sehen ihren Vereinszweck gefährdet. Schon bei einem Pegel von 923 Metern stoßen die Boote an einer Untiefe auf Grund. Nur bei 924 Metern haben sie gerade noch die berühmte Handbreit Wasser unter dem Kiel. Die Segler könnten bei zu geringem Wasserstand im Sommer zudem ihre Boote gar nicht mehr über ihre Stege ans Wasser bringen, diese enden weit vor der Wasserkante im übelriechenden Schlick. „Ich müsste als Vereinsvorsitzender auf jeden Fall klagen, falls die Genehmigung diese Tiefstwerte festschreibt“, sagt Raue. „Und es geht hier nicht um einen Elitesport, wir machen Jugendarbeit und Breitensport.“ Die Entscheidung liegt jetzt beim Regierungspräsidium Freiburg.

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