Jürgen Weißer hat seinen Rücktritt aus dem Ortschaftsrat Riedböhringen erklärt. Grund sind Differenzen mit Ortsvorsteher Gerhard Fricker und dessen Haltung und Verhalten zu Corona. Foto: Lutz

Konsequenzen aus Haltung zu Corona gezogen. Jürgen Weißer verlässt Gremium in Riedböhringen.

In Riedböhringen spitzt sich die Lage zu: Ortschaftsrat Jürgen Weißer hat in einer Präsenz-Sitzung am 30. Dezember seinen Rücktritt erklärt. Grund sind Differenzen mit Ortsvorsteher Gerhard Fricker und dessen Haltung zu Corona.

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Blumberg-Riedböhringen - Weißer war selbst von Corona betroffen und hat nach eigenen Angaben während der Erkrankung erlebt, wie der Ortsvorsteher sich geweigert habe, einzusehen, dass es sich bei Corona um keine Grippe handle. Gestört habe ihn, dass der Ortsvorsteher sich uneinig gezeigt und auch im Ortschaftsrat immer wieder seine Meinung zu Corona geäußert habe. Ausschlaggebend für seinen Rücktritt sei gewesen, dass es in der Sitzung am 30. Dezember zu keinem Beschluss des Ortschaftsrates gekommen sei, wonach der Ortsvorsteher sich für sein Verhalten in der Öffentlichkeit entschuldigen müsse. Weißer meinte damit einige Hausbesuche des Ortsvorstehers ohne Maske bei der Geschenkübergabe an ältere Dorfbewohner.

Pandemiegeschehen weltweit sollte bei Präsenz-Sitzung besprochen werden

Um Klarheit und vor allem um wieder Einigkeit im Gremium zu schaffen, lud Bürgermeister Markus Keller den Ortschaftsrat sowie die beiden Riedböhringer Stadträte Bodo Schreiber und Detlev Dillmann diese Woche zu einer Online-Konferenz ein. Dabei, so teilte Keller am Freitag mit, habe er die Beteiligten über die Zuständigkeiten und Rolle des Ortschaftsrates und Ortsvorstehers informiert.

Ausschlaggebend war laut Keller die Einladung des Ortsvorstehers zu einer Präsenz-Sitzung am 25. Januar. Angesichts der Corona-Situation untersagte der Bürgermeister die Sitzung, da dort laut Einladung auch das Pandemiegeschehen weltweit hätte betrachtet und bewertet werden sollen. Für den Bürgermeister hatte die Sitzung den Charakter eines Workshops, so sei dort auch ein Flipchart und ein Beamer zur Verfügung gestanden, wie in der Einladung gestanden habe.

Gerhard Fricker habe Einsehen gezeigt

Schon im Vorfeld der Online-Konferenz habe er darauf hingewiesen, dass die Betrachtung des weltweiten Pandemiegeschehens nicht Aufgabe eines Ortschaftsrates sei. Dies habe er im Vorfeld auch mit dem Ortsvorsteher in einem ausführlichen Telefonat besprochen. Dabei, das betont der Bürgermeister, habe der Ortsvorsteher ein Einsehen gezeigt. In der zweistündigen Konferenz habe er die Gründe für seine Untersagung der Sitzung noch einmal persönlich dargelegt. Bei den Ortschaftsratsmitgliedern habe er großes Verständnis und teilweise sogar eine Dankbarkeit für die Absage der Sitzung erfahren.

Im Rahmen der Online-Konferenz hätten sie auch noch einmal das Verteilen der Weihnachtsgeschenke diskutiert. Er, so Keller, habe erklärt, dass man Privatperson und Funktion der gleichen Person nicht voneinander trennen könne, wie der Ortsvorsteher das im Dezember noch geäußert hatte. Das habe auch der Ortsvorsteher eingesehen. Mit dem Ergebnis der Konferenz und den Rückmeldungen zeigte Bürgermeister Markus Keller sich zufrieden: "Es war ein konstruktives Gespräch in gegenseitigem Respekt."

Bürgermeister kann Entscheidung verstehen

Einen Wermutstropfen gibt es dennoch: Ortschaftsrat Jürgen Weißer, der selbst von Corona betroffen war, hat seinen Rücktritt erklärt. Bürgermeister Keller sagte dazu: "Ich bedauere es, wenn jemand in einem ehrenamtlichen Gremium auch aus solchen Gründen sein Amt niederlegt." Er, Keller, könne jedoch nachvollziehen, dass in diesem Fall ganz offensichtlich leider kein Zusammenkommen mehr möglich gewesen sei.

Ortsvorsteher kommentiert Rücktritt nicht

Und was sagt der Ortsvorsteher? Rückblickend bedauere er, dass das Ganze so gelaufen sei. "Mit der Geschenkübergabe wollten wir den älteren Bürgern eine Freude machen", er bedauere, dass das so Wogen geschlagen habe." Und zum Rücktritt von Ortschaftsrat Jürgen Weißer: Er respektiere den Rücktritt, das sei die Entscheidung von Jürgen Weißer, und das kommentiere er nicht.

Zur Person

Jürgen Weißer (51): Der Kraftfahrzeugtechnikermeister ist seit 2014 im Ortschaftsrat. In Riedböhringen betreibt er ein eigenes Autohaus mit Service mit sechs Angestellten, er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Gesellschaftlich engagiert er sich im Männergesangverein "Frohsinn" Riedböhringen, wo er das Amt des Schriftführers versieht. Gerhard Fricker (59) stammt aus Riedböhringen und ist seit 2014 Ortsvorsteher. Davor war er jahrelang Vorsitzender des VfL Riedböhringen und zuletzt des Männergesangvereins "Frohsinn" Riedböhringen.

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