80.000 Euro jährlich für neue Stellen trotz knapper Kassen? Der Gemeinderat Rottweil machte sich die Entscheidung um den Feuerwehrbedarfsplan nicht leicht. So lief die Abstimmung.
Braucht es einen weiteren hauptamtlichen Gerätewart? Warum wird die Atemschutzausrüstung nicht wie bei anderen Feuerwehren üblich beim Kreis gewartet? Und ist es möglich, bei den künftigen Fahrzeuginvestitionen abzuspecken? Nach der Vorstellung des Bedarfsplanes für die Rottweiler Gesamtwehr gab es in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend Gegenwind.
Der Feuerwehrbedarfsplan – ein Werk mit einer Handlungsempfehlung, die bis ins Jahr 2033 reicht – ging manchen nicht tief genug, andere sahen darin die in den nächsten Jahren schwieriger werdende finanzielle Lage der Stadt zu wenig berücksichtigt.
Die Grundsatzfrage hinter der Kritik lässt sich so verdichten: Welchen Einsparwillen kann und muss die Feuerwehr leisten, in einer Zeit, in der in Rottweil „jeder Euro dreimal umgedreht werden muss“, wie es Hans-Peter Alf (CDU) formulierte.
Kritik an Nichtöffentlichkeit
Doch von vorn. Seit etwa eineinhalb Jahren arbeiten Stadtverwaltung, Feuerwehr und der externe Feuerwehrexperte Ralf-Jörg Hohloch an einem Feuerwehrbedarfsplan, der neben dem Ist-Zustand der Rottweiler Wehr samt Gebäuden, Ausrüstung, Personal, Nachwuchs, Ausbildungsstand, Einsatzordnung und Ausrückzeiten auch die Investitionen bis 2033 erfasst. Der Bedarfsplan war zunächst nichtöffentlich in den städtischen Gremien und im Feuerwehrausschuss diskutiert worden, was in der Sitzung unter anderem kritisch gesehen wurde.
Benjamin Sigrist (Grüne), der bereits im November 2025 einen Prüfantrag zur Zweckmäßig- und Verhältnismäßigkeit der AAO (Alarm- und Ausrückordnung) sowie gewachsener Feuerwehrstrukturen gestellt hatte, kritisierte dieses Vorgehen. Es sei so nicht möglich gewesen, Inhalte prüfen zu lassen und darüber zu diskutieren.
Drei kostenintensive Punkte
Die drei wichtigsten Punkte aus dem Bedarfsplan sind zugleich die Investitionsstärksten. Da sind zum einen die Fahrzeugbeschaffungen – 13 Stück bis 2033 an der Zahl. Hier gaben die Räte grünes Licht für die Aufhebung der Sperrvermerke für die Anschaffung zweier Feuerwehrfahrzeuge: ein HLF 20 für die Kernstadt und ein ELW 1 für die Abteilung Göllsdorf.
Zum anderen ging es um Investitionen in die bauliche Substanz. Allen voran: die Erweiterung des Feuerwehrhauses in Neufra und die Prüfung eines gemeinsamen Feuerwehrhauses für die Abteilungen Bühlingen und Altstadt.
Der Dritte Punkt – die Schaffung einer 100-Prozent-Stelle für den Bereich Gerätewart und einer 25-Prozent-Stelle in der Feuerwehrverwaltung sorgten für eine kontroverse Diskussion. Grund sind die Kosten von etwa 80.000 Euro im Jahr.
Auslagerung an den Kreis
Da die Stadtverwaltung die Gerätewart-Stelle vor allem mit der Wartung der Atemschutzgeräte begründet hatte, warf Monika Hugger (CDU) die Frage auf, ob die Wartung nicht – wie bei anderen Feuerwehren üblich – an die Zentrale Feuerwehrwerkstatt des Kreises übertragen werden könne.
Bislang sei dies nicht möglich gewesen, weil die Rottweiler Wehr über Geräte eines anderen Hersteller verfüge – noch. „Wenn es eine Umstellung geben soll, ist die Frage, ob man das forciert und die Wartung künftig über den Landkreis regelt“, meinte Hugger. Ihr fehlten im Feuerwehrbedarfsplan genau solche Hinweise. Deshalb beantrage die CDU, zu überprüfen, wie und ob eine solche Abgabe an den Kreis erfolgen kann.
Hohloch konterte, dass die Frage pro oder kontra Atemschutzumstellung nicht Aufgabe eines Feuerwehrbedarfsplans sei. „Das wäre zu weit gegriffen.“
Herman Breucha (Freie Wähler) zog allerdings die selben Schlüsse wie die Kollegin der CDU-Fraktion: „Müssen wir zusehen, dass wir beim Atemschutz umstellen und damit Personal im Bereich Gerätewart einsparen können?“, stellte er die Frage in die Runde. Oder könnten für die Finanzierbarkeit der neuen Stellen Einsparpotenziale bei der Ersatz- und Neubeschaffung im Fuhrpark generiert werden?
Falscher Eindruck
Benjamin Sigrist betonte, er könne so jedenfalls „nicht zustimmen“, während Ralf Banholzer (CDU) auch die Formulierung in der Personalbegründung kritisierte. Der Satz „Die geplante Hauptamtlichkeit (...) trägt insbesondere dazu bei, die Einsatzbereitschaft zu den Zeiten sicherzustellen, in denen die ehrenamtliche Verfügbarkeit strukturell eingeschränkt ist“, sei Feuerwehrkameraden „sauer aufgestoßen“. Er erwecke den Eindruck, dass die Einsatzbereitschaft nicht zu 100 Prozent gegeben sei.
„Man kann eine Feuerwehr nicht melken“, stellte Daniel Karrais (FDP) klar. Die Feuerwehr sei Pflichtaufgabe der Stadt. Der Bedarfsplan sei „nur“ eine Handlungsempfehlung. Und während Corona habe man bereits Fahrzeugbeschaffungen geschoben, die nun notwendig würden.
Ausschreibung noch im Sommer
Bürgermeisterin Ines Gaehn nahm der Diskussion, die sich nun zunehmend auf den Punkt Gerätewart zu gespitzt hatte, die Dynamik. „Selbst, wenn man den Atemschutz herausnimmt, gibt es eine Stellenmehrung“, betonte sie. Den Bedarfsplan habe man vor zwei Jahren auf den Weg gebracht, weil es Kritik an einer „Salamitaktik“ bei den Investitionen hab.
Letztlich erkannte der Gemeinderat einstimmig den Feuerwehrbedarfsplan als Handlungsempfehlung für die kommende Jahre an. Sieben Gegenstimmen und zwei Enthaltungen gab es für die beiden neuen Stellen und die Berücksichtigung der Baumaßnahme am Feuerwehrhaus in Neufra im Haushaltsplan – vorbehaltlich der Genehmigungsfähigkeit des Haushalts. 17 Stadträte stimmten dafür. Nach der Sommerpause sollen die Stellen ausgeschrieben werden, so OB Christian Ruf.