Philipp Haberstroh erklärte in der Generalversammlung der Gesamtfeuerwehr zur Bürgermeisterin Carolin Holzmüller, es wäre „deutlich einfacher“, wenn sie „statt Streit einfach Mitstreiter suchen würde“ (Archivfoto). Foto: Rolf Mück

Haberstroh hat sein Amt als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Efringen-Kirchen abgegeben. Bürgermeisterin Holzmüller hat zuvor eine Stellungnahme veröffentlicht.

„Guten Tag Frau Holzmüller, die einzige Option nach der Veröffentlichung Ihrer Stellungnahme auf ihrer Homepage bleibt somit mein Rücktritt“, erklärt Philipp Haberstroh wenige Sekunden nach 15 Uhr in einer Mail an die Bürgermeisterin und die Führungsriege der Feuerwehr. „Bitte leiten Sie alle dementsprechende Schritte in die Wege. Grüße Philipp Haberstroh“, lässt der Kommandant seine Mail enden – zuvor hat er noch einen Link zur Stellungnahme der Bürgermeisterin eingefügt.

 

Haberstroh reagiert nach 30 Minuten auf Holzmüllers Aussage

Carolin Holzmüller hat am Dienstag um 14.26 Uhr auf ihrem Instagram-Account auf ihre „Stellungnahme zu den Geschehnissen bei der Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Efringen-Kirchen“ hingewiesen. „Auf diesem Wege möchte ich meine Sichtweise in Gänze darlegen, ohne dass diese in einem Pressebericht nur verkürzt wiedergegeben wird“, erklärt sie. Dort folgt dann die Aufzählung und Einschätzung der Ereignisse aus ihrer Sicht.

Keine öffentliche Bloßstellung

Die Bürgermeisterin erklärt: „Ich bin nicht der Typ, der andere öffentlich bloßstellt oder Differenzen derart in der Öffentlichkeit austrägt. Dasselbe nehme ich auch für mich in Anspruch.“ Allerdings sehe sie sich „aufgrund der kürzlichen Ereignisse ... gezwungen, Stellung zu beziehen und meine Sicht auf die Situation öffentlich zu schildern“. Die Ereignisse stuft sie als unglaublich ein: „Denn das, was mir passiert ist, ist nicht normal. Das hat Grenzen überschritten – und zwar deutlich!“

„Zermürbung durch den Gesamtkommandanten“

Gegen Haberstroh erhebt die Bürgermeisterin in der Folge schwere Vorwürfe. „Am Abend der Generalversammlung der Feuerwehr zeigten meine Tränen das Ausmaß der Verzweiflung und die Folgen der systematischen persönlichen Angriffe sowie der gezielten Zermürbung durch den Gesamtkommandanten.“

Carolin Holzmüller hat am Dienstagnachmittag, etwa gegen 14.30 Uhr eine Stellungnahme zu den Geschehnissen bei der Generalversammlung veröffentlicht. Der Gesamtkommandant tritt darauf hin kurz nach 15 Uhr von seinem Amt zurück (Archivfoto). Foto: Daniel Hengst

Wer sie kenne, der wisse, dass sie viel ertrage, vieles hinnehme. „Doch irgendwann ist auch mein Maß voll – und dieser Punkt ist jetzt“, führt Holzmüller aus. Sie gibt Einblicke: „Jeder kann sich vorstellen, wie unangenehm es ist, auf offener Bühne in Tränen auszubrechen. Gleichzeitig schäme ich mich nicht dafür, weil sich so etwas nicht willentlich steuern lässt. Das weiß jeder aus eigener Erfahrung.“

Ohne Holzmüller keine so schnelle Reform

Es ist wichtig nochmals zu rekapitulieren, was Haberstroh an der besagten Versammlung sagte. Zunächst galt Haberstrohs Dank noch dem Gemeinderat „für die Bereitstellung der Mittel und das Vertrauen, dass mir als Kommandant, aber auch uns als Feuerwehr entgegengebracht wird“. Der Kommandant fährt fort: „Das gilt auch ausdrücklich für die Frau Holzmüller.“

Dann fand er Anerkennung für die Bürgermeisterin: „Es bereitet mir zwar fast schon körperliche Schmerzen das zuzugeben, aber ohne ihren Anstoß wären das Standortkonzept, der Bedarfsplan und der Architektenwettbewerb nicht so schnell initiiert worden, und ich bin überzeugt, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind.“ Der nächste Satz sorgte in Istein am 20. März dann allerdings für überraschte Gesichter. „Allerdings muss man auch sagen, dass es für Sie, Frau Holzmüller, deutlich einfacher wäre, wenn sie statt Streit einfach Mitstreiter suchen würden“, so Haberstroh.

Holzmüllers Türe ist immer für Gespräche offen

Ihre Türe sei immer offen, das Gesprächsangebot stehe ihrerseits, so Holzmüller. Leider seien Angebote zur Unterstützung, zur Klärung oder zur Schaffung von Transparenz nicht nur abgelehnt worden, „sie wurden vielmehr als Angriff gewertet und als despektierlich ausgelegt“. Sie fährt fort: „So ein verweigerndes, um nicht zu sagen niederträchtiges Verhalten habe ich in meiner bisherigen Laufbahn noch nicht erlebt. Das kann ich nur als bewusste Verweigerung einer konstruktiven Zusammenarbeit deuten.“

 

Die Bürgermeisterin habe verschiedene Personen einbezogen, eine Mediation angestrebt, und sie habe die „Auflage“ bekommen, dass sie nur mit Erlaubnis des Kommandanten mit Feuerwehrangehörigen sprechen dürfte. Ich habe „bis zuletzt versucht, die Situation zu klären“.

Amtsmissbrauch zum Profilieren

Holzmüller wirft Haberstroh zudem den Missbrauch seines Amtes vor: „Es erweckt den Anschein, dass das wichtige Ehrenamt des Feuerwehrkommandanten missbraucht wird, um sich selbst zu profilieren. Koste es, was es wolle. Schädige es, wen es wolle.“

„Unstimmigkeiten spielen keine Rolle, wenn der Melder geht.“

„Dabei geht es nach meinem Dafürhalten in der Feuerwehr darum, sich selbst zum Wohle des Miteinanders – der Kameradschaft – einzubringen und persönlich zurückzunehmen. So habe ich es während meiner bisherigen ehrenamtlichen Tätigkeit in der Feuerwehr erlebt“, führt Holzmüller aus und erinnert an ihre Worte bei der Generalversammlung: „Das macht nämlich das Ehrenamt in der Feuerwehr aus. Unabhängig von beispielsweise Geschlecht, Ausbildung oder Alter arbeiten Sie zusammen... Uneinigkeit und Unstimmigkeiten spielen keine Rolle, wenn der Melder geht.“

Zu den Erklärungen Holzmüllers erklärte Haberstroh auf Anfrage nur: „Es ist alles gesagt.“ Er habe den Rücktritt „zur Kenntnis genommen“ und respektiere diesen.