Der Angeklagte soll einem Mann einen Faustschlag auf die Backe verpasst haben. (Symbolfoto) Foto: Polizeiliche Kriminalprävention

Einen heute 32-Jährigen Meßstetter hat das Albstädter Amtsgericht wegen schwerer Körperverletzung in Tateinheit mit Körperverletzung zu 130 Tagessätzen à 60 Euro verurteilt. Der Angeklagte will sich aber gebessert haben.

Meßstetten-Hartheim - Die Tat ereignete sich am 31. Mai 2019 – dem Vatertag desselben Jahres – in der Hartheimer Ortsmitte gegen 0.40 Uhr. Der Angeklagte soll am Rande eines Festzeltes einem heute 20-Jährigen zunächst einen Faustschlag auf die Backe verpasst und anschließend mit einem Weizenbierglas nach dem ebenfalls heute 20-jährigen Bekannten des Opfers geworfen haben.

Das Glas zersprang am Kopf und hinterließ eine blutende Wunde sowie vier Wochen Kopfschmerzen. Der Faustschlag hatte zwar nur ein Hämatom an der Backe zur Folge, dennoch habe das Opfer noch längere Zeit nach dem Vorfall unter Kieferschmerzen gelitten, so die Anklage der Staatsanwaltschaft.

Wie konnte es zu diesem Gewaltausbruch kommen? Das weiß der Angeklagte selbst nicht mehr – nahm die Schuld aber auf sich. Er gab bei der Hauptverhandlung im Albstädter Amtsgericht an, stark alkoholisiert und damit nicht mehr Herr über sich selbst gewesen zu sein. Es sei in seiner Familie Gang und Gäbe, am Vatertag durch Meßstetten und Hartheim zu ziehen und dabei einige alkoholische Getränke – ein Zeuge sprach von 15 Bier und einigen Schnäpsen – zu trinken. Als er davon erfahren habe, was er getan haben soll, sei er schockiert gewesen. Nach der Tat will er ein Jahr lang kein Alkohol mehr getrunken haben und auch heute trinke er nur noch zu besonderen Anlässen.

Im Vorfeld der Tat kam es am Rande der Feier wohl zu einem Streit zweier Schwestern. Die Opfer wollten den Streit schlichten und sich gerade auf den Heimweg machen, als sich der Angeklagte in die Szenerie einmischte, zum Faustschlag ansetzte und ein Weizenglas von der Straße abgriff, um auf das weitere Opfer zu zielen.

Tritt gegen das Auto – Streit eskaliert erneut

Anschließend sei es zu einer Rangelei gekommen, aus der aber keine weiteren Verletzten hervorgingen. Bekannte des Angeklagten haben den heute 32-Jährigen daraufhin ins Auto gezogen, um weiteren Tumult zu verhindern. Als der Wagen losfahren wollte, habe ein junger Asiate gegen das Auto getreten und dabei den Konflikt erneut aufflammen lassen. Laut Zeugenaussagen kam es anschließend zu einer Rangelei mit rund 25 Personen – die Gruppe um den Täter stieg erneut aus. Die sei aber schnell wieder aufgelöst worden und die Täter verließen den Tatort in Richtung Meßstetten.

Der Angeklagte will sich in kein schlechtes Licht rücken und hat versucht, Kontakt zu den Opfern aufzunehmen. In einem Entschuldigungsschreiben zeigte er neben seiner Reue auch die Bereitschaft, Schadensersatz zu zahlen. Die Opfer reagierten jedoch nicht auf das Schreiben und forderten eine gerichtliche Verurteilung.

Die Verteidigerin des Angeklagte pochte jedoch aufgrund der Reue des Täters, seines Bekenntnisses, Alkohol nur noch zu besonderen Anlässen zu trinken, und eines leeren Vorstrafenregisters darauf, das Verfahren einzustellen. Auch der zeitliche Abstand zu der Tat sei ein Grund, die Anklage fallen zu lassen. Damit wollte sich die Staatsanwaltschaft jedoch nicht zufrieden geben, verwies auf die Schwere der Tat und forderte daher eine siebenmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung, verbunden mit einer Geldstrafe.

Letztendlich beließ es die Richterin bei der Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu je 60 Euro. Weil der Angeklagte fest im Leben stehe – er habe ein sicheres Einkommen und die Absicht, in naher Zukunft eine Familie gründen zu wollen – könnten mildernde Umstände geltend gemacht werden. Eine Freiheitsstrafe zur Warnung sei nicht nötig. Es sei spürbar, dass es der 32-Jährige mit seinen Entschuldigungen ernst meine und auch der Alkoholverzicht sowie das leere Vorstrafenregister sprechen für den Angeklagten. Dennoch sei die Tat nicht zu beschönigen und die Geldstrafe deshalb angemessen.

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