Von Bosch-Rexroth zum Festplatz: Die IG-Metaller ziehen durch die Neckarstraße in Horb. Foto: Lück

Wenn sich die Bosse nicht bewegen, dann kracht‘s richtig! Klare Botschaft der IG Metall zum Streikfest in Horb. Die Urnen zur Urabstimmung zum Streik stehen schon bereit.

Horb - Rote Achten als Luftballons. Trillerpfeifen. Rote IG Metall-Fahnen. Der Zug zieht von Bosch-Rexroth durch die Neckarstraße bis zum Streikfest auf dem Festplatz.

Christiane Benner, zweite Vorsitzende der IG Metall: "Wir wollen acht Prozent! Die Arbeitgeber: Null." "Buuih", skandiert das Publikum. Benner: "Wir kriegen acht Prozent." Alle rufen wie im Stadion: "Und das ist auch gut so!"

Hier geht’s aber nicht um ein Spiel von Fußballmillionären, sondern um den Geldbeutel der Arbeiter und Angestellten in der Metall-Industrie. Und darum, ob nächste Woche in den Betrieben in Freudenstadt, Oberndorf, Rottweil und Horb überhaupt noch was geht.

Urnen für Streik-Urabstimmung stehen bereit

Michael Engel, Betriebsrat von Bosch-Rexroth Horb: "Die Urnen für die Urabstimmung stehen bereit. Ab Dienstag können wir die Urabstimmung zum Streik starten, wenn sich die Arbeitgeber nicht bewegen!"

Dorothee Diehm, 1. IG-Metall-Bevollmächtigte des Bezirks Freudenstadt (u.a. Calw, Oberndorf, Rottweil): "Dem Mittelstand in unserem Bezirk geht es richtig gut. Er hatte ein Rekordjahr 2021."

IG-Metall Vize droht mit flächendeckenden Streiks

IG-Metall-Vize Benner: "Am Donnerstag ist die nächste Verhandlungsrunde. Wenn die Arbeitgeber sich da nicht bewegen, gibt es bundesweit flächendeckende Streiks. Ich bin bundesweit unterwegs. Die Stimmung der IG Metaller ist großartig. Alle sind kampfbereit. Es steht Spitz auf Knopf!"

Warum sind die Malocher so geladen?

Bosch-Rexroth Betriebsrat Engel: "Mich sprechen schon Kollegen an: Wir fahren von 70 bis 80 Kilometer an. Bei dem Benzinpreis lohnt sich das bald nicht mehr. Da beantrage ich lieber Bürgergeld."

Eberhard Gsell, IG Metall-Vertrauensmann von Lauffer: "Die Arbeitgeber fordern: Falls wir länger Arbeiten, könnte es mehr Lohn geben. Aber: Wir als Mitarbeiter sind extrem flexibel. Wollen dennoch auch planbare Freizeit haben. Die Arbeitgeber verstehen nicht mehr das, was die Mitarbeiter wollen."

Bosse kassieren Krisen-Gewinne, Arbeiter gehen leer aus

Bosch-Rexroth Betriebsrat Engel: "Die Mitarbeiter wissen ganz genau, was in der Firma läuft. Es kann nicht sein, dass Bosch Rexroth zusätzlich zu den gestiegenen Kosten bei den Preisen aufschlägt. Wir können unsere gestiegenen Rechnungen nirgendwo draufschlagen! Deshalb sind wir bei Bosch-Rexroth inzwischen im dritten Warnstreiktag."

Was fordert die IG Metall?

Vize-Vorsitzende Christiane Benner: "Acht Prozent in allen Gehaltstabellen. Auch für Azubis und Duale Studenten. Wir sind den Arbeitgebern in der Corona-Krise sehr entgegengekommen! Wir waren flexibel, haben den Gürtel enger geschnallt. Die letzte Gehaltserhöhung in der Tabelle war im Jahr 2018!"

Die bis zu 3000 Euro steuerfreie Corona-Prämie – für Benner "ein schlechter Witz. Das sind 100 Euro mehr im Monat, wo die Preise ständig und ständig steigen! Das soll der Dank der Arbeitgeber dafür sein, dass wir die Wirtschaft durch die Corona-Krise getragen haben?"

Klare Worte für Trittbrettfahrer

Hartmut Friesinger, Betriebsrat von Ceratizit in Empfingen: "Es gibt so einige Mitarbeiter, die sagen: Ich arbeite lieber, meinem Arbeitgeber gehts so schlecht. Der wird aber auch die acht Prozent mehr kassieren, die wir durchsetzen werden. Mein Appell an diese Kollegen: Überweist die Gehaltserhöhung gleich zurück an die Arbeitgeber. Der braucht das Geld ja."

Beißender Spott. Dann noch klare Worte von Friesinger im Streikzelt: "Es gibt Checker, die wissen, wo der Hammer hängt. Das seid ihr. Und wir lassen den Hammer jetzt fallen!" Riesen-Applaus.

Nicht der einzige, der so denkt. Ein IG-Metaller drückt Dorothee Diehm Mitgliedsanträge in die Hand. Diehm: "Klasse. Wieder vier neu dabei. Bisher haben über 7000 Beschäftigte bei den Warnstreiks in unserem Bezirk gekämpft!"