„Wenn die Bundesregierung uns nicht besserstellt, werden noch mehr Apotheken sterben“, warnt Petra Spranger.
Wer am Montag die Apotheke Spranger in der Hechinger Oberstadt aufsuchte, betrat einen abgedunkelten Verkaufsraum und wurde von Personal empfangen, das komplett in Schwarz gekleidet war. „Blackout – diese Apotheke bleibt dunkel“ lautete das Motto des Aktionstags, an dem die Branche deutschlandweit auf ihre Misere aufmerksam machte. Im ganzen Zollernalbkreis beteiligten sich zahlreiche Apotheken am Protest.
„Wir müssen trommeln“
Warum Petra Spranger mitgemacht hat? „Ganz einfach“, sagt sie, „wir müssen trommeln. Die Lage bei den Apotheken ist wirklich schlecht. Wenn die Bundesregierung uns nicht besserstellt, werden noch mehr Apotheken sterben.“ Gerade in kleineren Gemeinden im ländlichen Raum, wo die Apotheke oft der letzte Gesundheitsdienstleister vor Ort ist. Zwischen 400 und 600 Apotheken machen jedes Jahr in Deutschland dicht, auch Petra Spranger hat vor drei Jahren ihre Filiale im Stockoch, die Eugenien-Apotheke, geschlossen. Im Zollernalbkreis gibt es aktuell noch 38 Apotheken. Vor nicht allzu langer Zeit waren es noch 51. Für die Patientinnen und Patienten, die auf Medikamente angewiesen sind, fürchtet sie eine Zukunft, in der es „nur noch wenige zentrale Apotheken gibt, wo man dann entsprechend lang in der Schlange steht“ – oder dass alles online läuft, ohne persönliche Beratung.
Was die Apothekerinnen und Apotheker aktuell von der Politik fordern, brachten sie am Montagmorgen bei einem Treffen mit Bürgermeistern und Vertreterinnen des Landratsamts in der Balinger Innenstadt zum Ausdruck: eine Anhebung des Fixbetrags, den sie für die Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente erhalten. „Dieses Fixhonorar“, sagte Johannes Ertelt, Inhaber der Ertelt-Apotheken in Bisingen, der Friedrich-Apotheke in Balingen und der Bära-Apotheke in Nusplingen, „stagniert seit 13 Jahren bei 8,35 Euro pro Packung, während unsere Kosten um 65 Prozent gestiegen sind“. Im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung ist eine Erhöhung auf mindestens 9,50 Euro vereinbart, umgesetzt wurde sie mit Rücksicht auf die klammen Krankenkassen noch nicht. „Diese Erhöhung muss jetzt kommen, ohne weiteren Aufschub“, fordert Ertelt, der Beirat im Landesapothekerverband ist.
Petra Spranger pflichtet bei. Die verschreibungspflichtigen Medikamente, für die sie den chronisch stagnierenden Fixbetrag erhalten, machten mehr als 80 Prozent ihres Umsatzes aus. „Alles, was wir sonst verkaufen, ist gewissermaßen Kosmetik, ein Zubrot. Damit lässt sich unser Versorgungsauftrag nicht erfüllen.“
Apotheker arm dran?
Apotheker arm dran? Von Politik und Gesellschaft vernachlässigt? In vielen Ohren klingt das wenig überzeugend. Petra Spranger hält dagegen: „Es stimmt schon lange nicht mehr, dass Apotheker gut verdienen.“ Sonst, so ihr Argument, hätte sich die Branche doch um die älteste Hechinger Apotheke gerissen. Aber weit gefehlt: Die Hof-Apotheke am Marktplatz ist seit mehr als einem Jahrzehnt unwiederbringlich verloren. Auch in Burladingen und in Haigerloch ist nur noch eine Apotheke übrig geblieben.
„Das Apothekennetz wird immer dünner“, betonte auch Caspar Spindler, Inhaber der Stadtapotheke Schömberg und der Bären-Apotheke Frommern sowie Vorstandsmitglied des Landesapothekerverbandes. „Es gibt konkrete Versorgungslücken, die unsere Patientinnen und Patienten schon heute spüren – ob bei Lieferengpässen, im Nacht- und Notdienst oder bei der Beratung älterer und chronisch kranker Menschen.“
Wie anderen stationären Händlern nimmt auch den Apothekern die Online-Konkurrenz die Luft zum Atmen. Deshalb lautet eine ihrer Forderungen an die Politik, dass der Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten verboten wird. Es sei einfach Wettbewerbsverzerrung, sagt Petra Spranger, dass die Online-Händler auf viele dieser Arzneimittel sogar Rabatte geben könnten, weil sie von Steuervorteilen im Ausland profitierten.
Was den Patientinnen und Patienten fehlen wird, wenn es vor Ort immer weniger Apotheken gibt, versuchten die Protestierenden in ihren Gesprächen, die sie am Aktionstag führten, zu verdeutlichen. „Wir verstehen uns als Kümmerer, als Problemlöser, wir sind gewissermaßen immer im Dienst“, betont Petra Spranger und macht damit gravierende Unterschiede zu den Online-Händlern deutlich. „Wir sind der letzte Tante-Emma-Laden. Vermissen werden uns viele leider erst dann, wenn wir nicht mehr da sind.“