Viele Briefkästen in der Region dürften am heutigen Donnerstag leer bleiben. Die Zusteller gehen in den Arbeitskampf und das betrifft auch die Region um Villingen-Schwenningen.
Es ist der sechste Warnstreiktag bei der Deutschen Post. Und für jene, die davon bislang im Schwarzwald-Baar-Kreis wenig mitbekommen haben, könnte sich das jetzt ändern. Denn: Mit jeder Stufe, die im Arbeitskampf gezündet wird, häuft sich die Arbeit, stapeln sich Briefe und Päckchen – und wird der Berg, den es abzutragen gilt, folglich auch größer. Schließlich war der Schwarzwald-Baar-Kreis schon zu Beginn der Streikrunde tangiert.
Eine ungute Situation für viele Empfänger, denn der Warnstreik ist längst nicht das einzige Phänomen, das ihre Geduld und Nerven strapaziert.
Der ganz normale Ausnahmezustand
Die Postzustellung funktioniert nur unzuverlässig. Immer wieder monieren Einwohner im Schwarzwald-Baar-Kreis das. Sendungen kommen verspätet, an manchen Tagen gar nichts, dann wieder gehäuft. Was die Leser immer und immer wieder als Beschwerde melden, ist längst Alltag.
Nachgefragt, bei der Deutschen Post AG, ist die Antwort immer die Gleiche: Personalmangel. Ausfälle wegen Krankheiten oder zu gewährender Urlaubstage. Zustellbezirke, die nicht mehr mit einem festen Postboten besetzt sind, sondern immer wieder von Aushilfen mit übernommen werden müssen. Post-Sprecher Dieter Nawrath hatte im Gespräch mit unserer Redaktion eingeräumt dass „es zu Laufzeitverzögerungen bei der Zustellung“ beispielsweise in Villingen-Schwenningen gekommen war. Die Doppelstadt steht dabei stellvertretend für viele andere Städte und Gemeinden in der Region, denn die Gründe für die Verzögerungen tangieren längst nicht nur das Oberzentrum: ein erhöhter Krankenstand und der „wohlverdiente Urlaub“ von Briefboten, der, so Nawrath, „trotz aller Anstrengungen leider nicht ganz zu aufzufangen“ ist, so dass eine taggleiche Zustellung nicht immer gewährleistet werden kann.
Und nun ist es der Tarifkonflikt mit der Deutschen Post AG, den auch die Region zu spüren bekommen soll.
Das sechste Mal
„Heute wird zum sechsten Mal in der laufenden Tarifrunde zum Warnstreik aufgerufen“, teilt die Dienstleistungsgesellschaft Verdi am Donnerstagmorgen um 6 Uhr mit und führt aus: „Gestreikt wird heute vollschichtig in ausgewählten Zustellstützpunkten und Zustellbasen in der Brief-, Verbund- und Paketzustellung.“
Ausgewählte Zustellstützpunkte und -basen, das hat auch etwas mit dwer Region zu tun. Denn betroffen ist unter anderem die Region um Donaueschingen, geht aus der Mittelung hervor. Die Baarmetropole reiht sich ein in eine lange Liste: Stuttgart, Ostalb, Ditzingen, Holzgerlingen, Möglingen, Leinfelden-Echterdingen, Landkreis Göppingen, Welzheim, Murrhardt, Tübingen, Engstingen, Rielasingen, Altensteig, Oberschwaben, Landkreis Heidenheim, württembergisches Allgäu, Alb-Donau-Kreis, Rhein-Neckar-Kreis, Landkreis Baden-Baden, Neckar-Odenwald-Kreis, Möckmühl, Bad Rappenau, Gundelsheim, Breisgau-Hochschwarzwald, Landkreis Emmendingen, Ortenaukreis und der Landkreis Waldshut sind außerdem genannt. Und so wird klar: Es ist längst nicht nur ein auf Donaueschingen begrenzter Streik, der die Briefkästen in der Region hungern lassen wird. Sendungen, die aus irgendeiner der genannten Regionen in den Schwarzwald-Baar-Kreis auf die Reise hätten gehen sollen, bleiben nun eventuell liegen. Und nicht nur das: Auch, was möglicherweise über mehrere Stationen in den Landkreis zugestellt werden sollte, könnte betroffen sein.
Warum sich Andreas Henze freut
Andreas Henze, der Verdi-Landesfachbereichsleiter freut sich: „Heute ist der sechste Warnstreiktag bei der Deutschen Post AG und die Streikbereitschaft stabil hoch.“ Man baut Druck auf. Er betont, die Gewerkschaft erwarte nächste Woche in der dritten Verhandlungsrunde von den Arbeitgebern „die nötige Bewegung und ein verhandlungsfähiges Tarifangebot.“
Und das ist es, worum es geht: Verdi fordert für die Tarifbeschäftigten und Auszubildenden sowie dual Studierenden eine Tarifsteigerung von linear sieben Prozent bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten. Für die Tarifbeschäftigten und Auszubildenden werden drei Tage mehr Urlaub sowie ein zusätzlicher Urlaubstag für Mitglieder der Gewerkschaft gefordert. Die dritte Tarifverhandlungsrunde ist für den 12. und 13. Februar angesetzt.