Ganz nah dran an der Lebenswelt junger Menschen: Streetworker Daniel Stamler. Foto: Silke Thiercy

Daniel Stamler ist Streetworker – mit viel Herz und Leidenschaft für seinen Beruf, der ihm Berufung ist. So sieht sein Arbeitstag aus.

„Lass Dir nichts gefallen, am allerwenigsten von Dir selbst“, ist das Motto des Sozialarbeiters Daniel Stamler. Seit Kurzem verstärkt der 39-Jährige das Team der mobilen Jugendarbeit in der Eyachstadt. Wenn er über seine Arbeit berichtet, tut er das mit viel Leidenschaft, denn Stamler liebt, was er tut.

 

Vielleicht ist er in seinem Beruf so gut, weil er keinen geraden Weg gegangen ist. Über einige Umwege kam er zum Studium an der evangelischen Hochschule Ludwigsburg, arbeite in vielen Bereichen der sozialen Arbeit und legte noch eine systemische Ausbildung nach. Mit beruflichen Fragen kennt Stamler sich also aus – und ist damit nah dran an den Themen, die auch seine Adressaten bewegen.

Das Angebot ist kostenfrei

Diese findet der Streetworker zum Beispiel am Skaterplatz an der Eyach, in der Frommerner Ortsmitte oder bei Sportplätzen. Gerne nimmt Stamler seinen Basketball mit – über den Sport, sagt er, komme er gut mit den Jugendlichen ins Gespräch.

Erst einmal erkläre er den jungen Männern und Frauen – das Angebot richtet sich an junge Menschen bis 27 Jahren – was die mobile Jugendarbeit ist, dass das Angebot kostenfrei sei und er der Schweigepflicht unterliege. Stamler und seine Kollegin Lena Mispelhorn stehen den Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite bei deren Themen: Wohnungssuche, Konflikte in der Freundesgruppe oder zu Hause, Probleme in der Schule oder bei der Berufswahl, nennt der Familienvater Beispiele.

„Die Jugendlichen stehen unter Druck“

Stamlers Arbeitstag beginnt morgens im Büro mit allerlei Organisatorischem; am späten Nachmittag macht er sich auf den Weg und schaut dann auch nicht auf die Uhr wenn es mal später werden sollte am Abend. Das wird es mindestens einmal im Monat, wenn in der Kreissporthalle „Nightsport“ angesagt ist. Dann nämlich können sich Jugendliche von 18 bis 22 Uhr sportlich austoben, treffen, quatschen, alles organisiert unter dem Dach der mobilen Jugendarbeit.

Vertreten bei den Adressaten seien alle Nationalitäten – die Problematiken bei allen die Gleichen: „Jugendliche stehen unter Druck, wenn es um den Beruf geht, sie sollen erfolgreich sein.“ Das zumindest suggeriere ihnen die Gesellschaft und dort vor allem soziale Medien.

Soziale Medien können auch Ressourcen sein

Die „echte Welt“, erklärt der Fachmann, prasse mit der „Cyberwelt“ zusammen. Wobei Stamler zum Beispiel Youtube auch als Ressource sieht: Wo früher nur der Fußballtrainer da war, könne man heute Tutorials über das Kicken schauen, nennt er ein Beispiel.

Gleichwohl hat auch er beobachtet, dass die Mediennutzung bei Jugendlichen seit der Pandemie zugenommen habe. Es werde mehr Zeit vor dem Bildschirm verbracht als vor dem Lockdown und weniger in Gesellschaft anderer Menschen, so seine Beobachtung. Manche seiner Adressaten hätten die Quarantäne gut weggesteckt, andere wiederum hätten sich, gerade in der Pubertät, eingesperrt gefühlt.

Frei fühlen können sich junge Menschen im „Queer-Café“, das im Jugendhaus angeboten wird. „Das ist eine Institution“, sagt Stamler sichtlich erfreut. Im „Queer-Café“ fänden die Gäste einen geschützten Raum, in dem sie sich frei fühlen könnten, ohne jegliche Anfeindungen.

Das liebt er an der Eyachstadt

Was ihn nervt? „Der Verfall der Diskussionskultur“, nennt Stamler, ohne lange zu überlegen. Das beobachte er aber eher bei Erwachsenen. „Jugendliche hören sich erst mal alles an und überprüfen es dann.“ Man müsse verstehen wollen, woher die Meinung des Gegenübers komme. „Ich werbe für die freiheitlich-demokratische Grundordnung“, sagt der Streetworker.

Seit seinem sechsten Lebensjahr lebt Daniel Stamler in Balingen. Hier ist er aufgewachsen, hier ist er zur Schule gegangen.

Was ihm besonders gefällt in der Eyachstadt? Der Sportplatz bei der Längenfeldschule, dort habe er als Kind und Jugendlicher selber gekickt und gespielt.„Und wenn man im Sommer über den Marktplatz geht, dann fühlt sich das an wie in Süditalien oder Südfrankreich“, schwärmt Stamler.