Hinter dem neuen Team der Mobilen Jugendarbeit liegt ein ereignisreiches Jahr. Im Verwaltungsausschuss wurde zurück-, aber auch vorausgeblickt.
Mosaik eines Jahres: So ist der Jahresbericht 2025 der Streetworkerinnen und Streetworker in Balingen überschrieben, der im Verwaltungsausschuss vorgestellt wurde. Nur wenige Zeilen darunter prangen drei Worte, die im Falle der Mobilen Jugendarbeit in der Eyachstadt buchstäblich Programm sind: „Da geht was!“
2025 war, um das Resümee des dreiköpfigen Teams vorwegzunehmen, „ein aufregendes und ereignisreiches Jahr.“ Eines, das auch personell einige Veränderungen mit sich brachte.
Für Lena Mispelhorn und Stefan Ziegler rückten zum 1. Mai Sozialarbeiter Daniel Stamler (mit einem Stellenanteil von 70 Prozent), Mitte Juli Sozialarbeiterin Elisabeth Schwab (mit einem Stellenumfang von 80 Prozent) und zum 1. September Werksstudentin Lisa Klein (50 Prozent) nach.
Für das neue Team galt es, sich zu formieren, zusammenzuwachsen und nicht zuletzt seine Handschrift zu setzen. Und das ist ihm bereits nach kurzer Zeit bestens gelungen.
Viele Impulse gesetzt
„Wir haben 2025 einen breitgefächerten Eindruck vom Sozialraum Balingen und seiner Teilorte erhalten und konnten an vielen Stellen zielführende Impulse setzen, für Jugendliche in Notlagen da sein und uns im Gemeinwesen vernetzen“, lassen die drei wissen, die als „Kompass“ für ihre Arbeit Freiwilligkeit, Niederschwelligkeit und Offenheit anführen. Soll heißen: Alle Angebote sind offen und partizipativ, leichte Zugänge ohne Barrieren gewährleistet und die Bedürfnisse junger Menschen stehen im Vordergrund.
Wo sind die Streetworkerinnen und Streetworker unterwegs? Die Antwort lautet ganz einfach: Dort, wo die Jugend ist. In Balingen ist das die Kernstadt mit Eyach-Radweg, Jugendplatz, Bahnhof und Innenstadt. Aber auch bei den Schulzentren, in Parks und in den Teilorten sind sie anzutreffen.
Die Reichweite 2025 kann sich sehen lassen. 337 Jugendliche konnten mit Blick auf die Statistik erreicht werden. 56 Prozent von ihnen waren männlich, 44 Prozent weiblich.
Bei der Einzelfallhilfe, die eine intensive, längerfristige Begleitung bei Problemlagen umfasst, wird unter anderem mit kreativen Methoden wie Zeichnungen und Collagen gearbeitet. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielen systemische Perspektiven (Orientierung an Ressourcen und Kontexten) und die Erreichbarkeit.
SOS-Telefon
Neben der Online Beratung gibt es ein sogenanntes SOS-Telefon, das es Jugendlichen in akuten Krisen ermöglicht, das Team unter einer bekannten Handynummer zu vereinbarten Zeiten (abends und an Wochenenden) zu kontaktieren. „Dieses Angebot schafft Sicherheit und verhindert, dass sich Situationen unkontrolliert zuspitzen“, heißt es im Bericht.
Auch die Gruppenarbeit, die Gemeinschaft als Ressource in den Vordergrund stellt, hält verschiedene Angebote bereit. Unter anderem findet monatlich das Queer-Café statt. Ebenfalls einmal im Monat gibt es Night Sport und immer mittwochs haben die Jugendlichen im Rahmen des Offenen Büros Gelegenheit, Stress oder Sorgen loszuwerden, Hilfe in Sachen Schule, Job und Bewerbung in Anspruch zu nehmen oder einfach mal nur zu quatschen – und das alles ohne Anmeldung, kostenlos und vertraulich. Angebote im zweiwöchigen Rhythmus bietet zudem die Power-Kreativ-Werkstatt.
Die Themen und Problemlagen der Jugendlichen sind indes ganz unterschiedlich. Neben psychischen Problemen werden etwa Beziehungsprobleme, Suchtmittelmissbrauch, Einsamkeit, Mobbing und Gewalterfahrung sowie eine problematische Mediennutzung angeführt.
Erstere zählen zugleich zu den Herausforderungen, die das vergangene Jahr für das Team bereithielt. Es gebe viele Jugendliche mit psychotherapeutischem Bedarf, jedoch wenig Kapazitäten in der Regelversorgung, machen die Streetworkerinnen und Streetworker deutlich, die in der Einzelberatung nicht zuletzt mit Suizidgefährdung konfrontiert wurden.
Ziele für 2026
Herausfordernd seien zudem der Team-Wechsel und die Tatsache gewesen, dass es bedingt durch schlechte Witterung im Winter weniger Kontakte gab.
Als Visionen und Ziele für 2026 werden die partizipative Umgestaltung der Räumlichkeiten, eine Aktion zur Landtagswahl, die Vorstellung in Schulen, die Kontaktaufnahme mit ortsansässigen Unternehmen, die Erweiterung des Netzwerks sowie die Fortsetzung der Sozialraumanalyse Frommern genannt.
„Die Erfahrungen aus 2025 sowie unsere Einsatzbereitschaft und Motivation nehmen wir mit in das kommende Jahr, um uns weiter als Anlaufstelle in der Balinger Jugendhilfelandschaft zu positionieren und zu etablieren“, betonen Daniel Stamler, Elisabeth Schwab und Lisa Klein.