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Street-Art-Künstler Banksy baut gruseligen Freizeitpark Tod und Elend im Freizeitpark

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Da kommt Freude auf: Eine Angestellte vor dem neu eröffneten „Begnügungspark“ Dismaland Foto: Getty

Bristol - Ein paar Flüchtlinge schwimmen tot und grauhäutig an der Wasseroberfläche. Andere sitzen zusammengepfercht in einem überladenen Boot und treiben über den Ärmelkanal, den Klippen von Dover ganz nah. Um das kleine Becken mit den Spielzeugpuppen herum steht eine britische Familie und versucht per Fernsteuerung, das Boot an Land zu manövrieren. Das Anlegen ist unmöglich – und das vermeintliche Freizeiterlebnis verstörend.

Überraschend kommt das für niemanden. Immerhin befinden sich die Besucher im Freizeitpark des provokanten Street-Art-Künstlers (Straßenkünstler) Banksy. Schon der Name des Parks verrät die Intention dahinter: „Dismaland“ ist eine Parodie auf Disney-Freizeitparks – „dismal“ bedeutet zu Deutsch „trostlos“. Der Anti-Spaß-Ort liegt in einem verfallenen Schwimmbad im englischen Weston-super-Mare nahe Bristol. Fast leere Strände und graue Häuserfassaden geben eine perfekte Kulisse für das albtraumhafte Vergnügen ab.

Auf dem Kinder-Pferdekarussell fährt der Schlachter mit

Gleichzeitig bietet das Kunstprojekt vordergründig alles, was einen Vergnügungspark ausmacht – nur eben im doppelten Sinne: Luftballons. Aber sie sind schwarz. Ein Riesenrad. Aber es fährt rückwärts. Ein Kinder-Pferdekarussell. Aber ein Schlachter, der auf Lasagne-Kartons sitzt, fährt mit Beil und in Arbeitskleidung mit. Die Anspielung auf den Skandal von 2013 ist gewollt: Damals ekelten sich viele Europäer vor Tiefkühl–Lasagne, in die nicht deklariertes Pferdefleisch gemischt worden war.

Der selbst ernannte Begnügungspark des bislang anonym gebliebenen Banksy, der vor allem durch seine über Nacht an vielen Wänden dieser Welt auftauchenden Graffiti bekannt geworden ist, will provozieren und die Gesellschaft zum Nachdenken anregen. „Man könnte sagen: Es ist ein Themenpark, dessen großes Thema ist: Themenparks sollten größere Themen haben“, hat Banksy, hinter dem manche Beobachter ein Künstlerkollektiv vermuten, den Medien ausrichten lassen.

Paparazzi haben Cinderella in den Tod getrieben

Auf Hochglanz poliert ist in Dismaland deshalb nichts. Vielmehr hängt die Tristesse in jeder Ecke fest und zeigt sich sogar bereits am Eingang bei den Angestellten. Sicherheitskräfte mit schwarzen Micky-Maus-Ohren auf dem Kopf heißen die Gäste mit schlechter Laune und düsteren Blicken unwillkommen. „Es ist irgendwie seltsam“, sagt eine Besucherin irritiert. „Wir Briten sind doch sonst so höflich.“ Dann geistert die Londonerin durch die dargestellte schlechte Welt, vorbei an einem kleinen Becken, wo Gummienten in einer Öllache schwimmen und einem See, in dem eine Vergnügungsrutsche zum Wasserspaß einladen könnte – wäre sie nicht ein umfunktionierter gepanzerter Polizeibus, der an den blutigen Nordirland-Konflikt erinnert.

Die Frau landet in einem bröckelnden Schloss, aber es ist ein albtraumhaftes Märchen, das im Inneren wartet. Cinderella hängt nach einem Unfall kopfüber aus einer Kutsche. Sie wurde von Paparazzi in den Tod getrieben. Ein Gespräch über Lady Diana folgt bei den gaffenden Besuchern so sicher wie das nächste verstörende Erlebnis in ­Dismaland.

Bis September hat das Spektakel geöffnet

Es heißt, Banksy wünsche sich, dass man mit den Ausstellungsstücken interagiere. „Der aus einer Kloschüssel springende Wal ist erst durch Menschen vollständig, die sich mit verblüfftem Gesichtsausdruck davor fotografieren lassen“, wird er zitiert.

Bis Ende September hat das düstere, ­sozialkritische Spektakel geöffnet, bei dem neben Banksys Arbeiten auch Werke von knapp 60 weiteren Künstlern aus 17 Ländern zu sehen sind.

Geöffnet hat der Park täglich von 11 bis 23 Uhr. Weitere Informationen sowie Tickets zu je 3 Pfund (4 Euro) plus 2 Pfund Bearbeitungsgebühr (2,70 Euro) gibt es unter www.dismaland.co.uk

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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