Das zweite Gleis zwischen Horb und Neckarhausen: An dem alten Bahnhofsgebäude von Neckarhausen mit seinem zugewachsenen Bahnsteig liegt es schon eine Weile... Foto: Schülke

Der "Investitionsstart für die neue Gäubahn" gilt für einige als Durchbruch und Ende des Jahrzehnte langen Wartens – vor allem auf den Baubeginn am Teilstück Horb-Neckarhausen. Skeptiker sehen es mit gemischten Gefühlen Die Frage ist auch: Wohin kommt der Tunnel bei Sulz?

Kreis Rottweil/Horb. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel überbrachte die gute Botschaft: Investitionsstart bei Neckarhausen und insgesamt 1,2 Milliarden für eine moderne Gäubahn mit "Deutschland Takt".

Schlüsselrolle

Dem zweigleisigen Ausbau zwischen Horb und Neckarhausen falle dabei eine wichtige Schlüsselrolle zu, weshalb der Spatenstich noch in diesem Jahr erfolge (wir berichteten).

Die angeblichen Vorteile: Züge werden künftig besser aufeinander abgestimmt sowie Umsteige- und Reisezeiten sinken – von Singen nach Stuttgart zum Beispiel um 20 Minuten, und das auch ohne Neigetechnik. Dafür soll das Schienennetz so ausgebaut werden, dass die Züge des Nah- und Fernverkehrs zu einer bestimmten Zeit an den Knotenbahnhöfen ankommen und optionalen Anschluss untereinander haben.

Fragen zu Tunnelbau

Klingt interessant, doch hinter der Planung stehen einigen Fragezeichen. Könnte der Abschnitt zwischen Horb und Neckarhausen ohne Tunnel – theoretisch – noch relativ schnell gebaut werden, so sieht das bei den vorgesehenen Tunnels ganz anders aus. Auch zwischen Sulz und Neckarhausen soll ein Tunnel entstehen – mit immerhin 2,7 Kilometern Länge.

Das Bundesverkehrsministerium informiert dazu auf Anfrage unserer Redaktion: "Das der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung zugrunde gelegte Infrastrukturkonzept zur Gäubahn sieht für den eingleisigen Neubau Neckarhausen - Sulz einen Tunnelabschnitt von circa 2,7 Kilometern vor." Der gesamte Neubauabschnitt werde rund 244 Millionen Euro kosten. Aussagen zum Tunnelverlauf und zur Bauzeit können erst im Zuge der Planungen beantwortet werden. "Diese haben noch nicht begonnen", so das Ministerium.

Sulz hat bereits einen Bahntunnel, der 1867 eröffnet wurde, rund 296 Meter lang ist und unter bebautem Gebiet verläuft. Sollte in der Nähe ein weiterer 2,7 Kilometer langer Tunnel gebaut werden, dürfte das ein eher langfristiges Projekt werden.

Doch auch aus anderen Gründen stößt die Ankündigung des Gäubahnausbaus (hier nicht mehr von Fuchtel, sondern von der Bahn) bei Verkehrsfachleuten und Kommunalpolitikern etwa in Horb auf Skepsis.

Kaum Entlastung?

Mit dem zweigleisigen Teilstück Horb-Neckarhausen würde erst eine kleine Entlastung für die Fahrplanstabilität erreicht, argumentiert der SPD-Stadtrat Dieter Rominger-Seyrich, der sich seit vielen Jahren mit Fragen des Zugverkehrs in der Region befasst. Er verweist auf den Bahnexperten Rudolf Meintel, der dargelegt hat, dass nur ein durchgängiger oder zumindest weitgehender zweigleisiger Ausbau zwischen Horb und Hattingen eine deutliche Erhöhung der Kapazität auf der Strecke bringen kann.

Als weiteres Problem sieht Rominger-Seyrich den geplanten zusätzlichen zirka elf Kilometer langen Gäubahntunnel auf den Fildern. Der SPD-Stadtrat schreibt: "Die Gegner von S 21 haben frühzeitig und immer wieder, auch im Vorfeld der Volksabstimmung, auf dieses erkennbare große Problem hingewiesen, die Verfechter des Projektes haben dies wohl bewusst ignoriert oder negiert." Für die Tunnellösung auf den Fildern werde laut Experten sehr niedrig angesetzten Kosten geworben. Aber: "Für alle diejenigen, die ins Zentrum von Stuttgart oder zum HBF wollen – und damit für einen großen Teil der Reisenden – bedeutet dies eine circa 20 Kilometer lange öde Tunnelfahrt", so Rominger-Seyrich.

Haltepunkte fallen weg

Wenig sinnvoll sei auch der drohende Wegfall der Haltepunkte Böblingen und Singen. "Gerade auch viele Pendler in den Raum Böblingen aus Horb und südlich davon benutzen die attraktive Verbindungen mit den schnellen ICs. Und der Entfall des Haltes der ICs in Singen würde Pendler vom und Tagestouristen an den westlichen Bodensee treffen. Sinnvolle Maßnahmen für eine Verkehrswende sehen aus meiner Sicht anders aus!", so Rominger-Seyrich, der auf Alternativvorschläge verschiedener Verkehrsverbände wie dem VCD und Pro Bahn verweist.

Rominger-Seyrich ist davon überzeugt und hat in der Gemeinderatssitzung darauf hingewiesen: "Dieses Problem angesichts der vielen in Horb, Freudenstadt und im Gäu zusteigenden Pendlern und Fahrgästen geht gerade auch unsere Stadt und Region an. Unsere sich zur Notwendigkeit der Klimaneutralität bekennende Stadt und unser Landkreis sollten sich gerade deshalb für eine zukunftsfähige, attraktive Lösung für die Pendler und Reisenden einsetzen."