Hoffnung auf einen pünktlicheren Regionalexpress 6 im Zollernalbkreis wie hier am Bahnhof in Hechingen: Die Deutsche Bahn kündigt Besserungen ab Juni an. Foto: Stopper

Die Deutsche Bahn plant ab 14. Juni eine Anpassung im Betriebskonzept, damit der RE 6 pünktlicher in Hechingen, Balingen und Albstadt ankommt. Was steckt dahinter?

Die Klagen von Bahnpendlern aus dem Zollernalbkreis über Verbindungen in Richtung Stuttgart sind bekannt. Nicht pünktlich, hohe Ausfallquote und im Berufsverkehr oftmals stark ausgelastet. Besonders betroffen ist der Regionalexpress 6, der zwischen Aulendorf und Stuttgart verkehrt, und den Zollernalbkreis ohne Umstieg an die Landeshauptstadt anbindet. Doch auch damit wird es nach Inbetriebnahme von Stuttgart 21 vorbei sein. In den neuen Tiefbahnhof werden aus sicherheitstechnischen und genehmigungsrechtlichen Gründen keine dieselbetriebenen Züge mehr einfahren dürfen. Heißt: Wer nach Stuttgart will, kommt um einen Umstieg in Tübingen nicht mehr herum. Zumindest solange, bis die Zollernalb-Bahn elektrifiziert ist, sprich das Projekt Ausbau Regionalstadtbahn abgeschlossen ist. Das wird voraussichtlich weit bis in die 2030er-Jahre dauern.

 

Weitere Züge in Tübingen

Doch genug der Schwarzmalerei: Jüngst hat die Deutsche Bahn kurzfristige Verbesserungen für die Strecke Tübingen-Stuttgart angekündigt. Das Zauberwort: überschlagene Wende. Was steckt dahinter?

In Tübingen werden künftig Züge so bereitstehen, dass sie im Fall von Verspätungen schnell die Zugleistung übernehmen und Fahrgäste in Tübingen pünktlich starten können. Dies soll wiederum die Ankünfte des RE 6 in Hechingen, Balingen und Albstadt pünktlicher machen. Diese Anpassung erfolge mit dem Fahrplanwechsel zum 14. Juni dieses Jahres, wie eine Bahnsprecherin auf Anfrage mitteilt. Warum wurde diese Lösung nicht schon früher ins Spiel gebracht?

Auf diese Frage schreibt die Bahnsprecherin: „Was einfach klingt, musste aufwendig geprüft werden.“ Einerseits von der DB InfraGO, ob ausreichend Gleise im Tübinger Hauptbahnhof zur Verfügung stehen, andererseits von DB Regio und Verkehrsministerium, wie viele Fahrzeuge benötigt werden und ob das bestehende Fahrplanangebot angepasst werden muss. Denn: Nur, wenn die aus Stuttgart ankommenden Züge bis zur nächsten Zugfahrt in der darauffolgenden Stunde am Bahnsteig stehenbleiben könnten, ergebe sich ein positiver Effekt für die Fahrgäste. Dann nämlich werde eine möglicherweise von Stuttgart „mitgebrachte“ Verspätung durch die geplante Standzeit am Bahnsteig in Tübingen abgebaut und die darauffolgende Zugfahrt könne pünktlich starten, heißt es weiter.

Weiter kündigt die Bahnsprecherin an, dass 2027 eine weitere Blockverdichtung zwischen Reutlingen und Tübingen geplant sei – ein gemeinsames Projekt der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb (RSNA) mit DB InfraGO.

Strecke ist fehleranfällig

In ihrer Mitteilung zeigt sich die Deutsche Bahn selbstkritisch: Die Strecke zwischen Tübingen und Stuttgart sei eine der am stärksten befahrenen Strecken im Land. Die Fahrpläne mit der hohen Zugdichte seien entsprechend anfällig für Störungen. Dass die Züge von und in Richtung Zollernalbkreis momentan unzuverlässig seien, hänge maßgeblich mit der derzeit „nie dagewesenen Vielschichtigkeit an baulichen und betrieblichen Herausforderungen“ im Verlauf der Strecke zusammen. Die Modernisierung der Gleise, Weichen und Anlagen führt zu einigen Baustellen, dazu komme die besagte Inbetriebnahme eines kompletten Hauptbahnhofs in Stuttgart.

Umso erfreulicher, dass nun eine kurzfristige Verbesserung für Pendler aus dem Zollernalbkreis in Aussicht gestellt wurde. Und auch nach dem Start des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs will das Verkehrsministerium des Landes dafür sorgen, dass den Fahrgästen von der Zollernalb ein Bahnfiasko erspart wird. Die Nahverkehrsgesellschaft BW stehe in engem und konstruktivem Austausch mit dem Verkehrsamt des Zollernalbkreises, um auch in den künftigen Fahrplänen für die Zollernalb-Bahn die lokalen Bedürfnisse bestmöglich zu berücksichtigen, erklärt ein Ministeriumssprecher auf Anfrage.

Hart werden dürfte jedoch die Bauphase der Regionalstadtbahn. Es drohen längerfristige Sperrungen. Das Verkehrsministerium kündigt an: „Selbstverständlich wird es einen Ersatzverkehr geben.“ Die Eisenbahnverkehrsunternehmen seien dazu vertraglich verpflichtet.

Fahrgastzahlen

Die Bahnverbindung
 des RE 6 ist bei den Fahrgästen gefragt. Die DB informiert für die durchschnittlichen täglichen Fahrgastzahlen. 5563 Einsteiger je Tag seien zu verzeichnen gewesen. Vor dem Hintergrund der weiteren Linien MEX 12/18 und RB 63 zwischen Tübingen und Stuttgart erklärt die DB auch, warum teilweise nicht ausreichend Fahrzeuge zur Verfügung stehen.

Hauptaspekte
hierfür seien aktuell die aufwendige Umrüstung auf „ETCS“ (European Train Control System), die erschwerte Erreichbarkeit der Werkstatt in Ulm aufgrund städtischer Baumaßnahmen an der Brücke Wallstraße und eine erhöhte Anfälligkeit bei Minusgraden der Talent-Fahrzeuge, die vom Land als Ersatz für die Umrüstung bereitgestellt werden.