Aufgabenteilung: Gudrun Müller unterstützt ihren Sohn Rafael bei der Haltung und Pflege seiner über 500 Tiere in den mobilen Hühnerställen. Foto: Schwarzwälder-Bote

Rafael Müller aus Gräfenhausen baut mobile Ställe. Alle zwei Wochen erhalten Tiere neue Auslaufflächen.

Birkenfeld-Gräfenhausen - Rafael Müller ist Kaufmann für Tourismus und Freizeit. Doch seine große Leidenschaft gehört der heimischen Landwirtschaft. Als Kombination aus beidem schickt der junge Mann aus Gräfenhausen auch Hühner auf Reisen.

Für sie baut der 22-Jährige mobile Ställe. Dabei schweißt, bohrt oder streicht er selbst. Die neueste Konstruktion bietet rund 400 Tieren Platz und hat genügend Auslauffläche.

Spätestens alle 14 Tage kommt das Hühnermobil an den Haken und wird versetzt. "So stellen wir sicher, dass die Tiere immer genügend Auslauf und frische Grün-Nahrung zum Zupfen haben", sagt Müller. Seine Hühner kommen auf zwölf Quadratmeter Auslauffläche im Jahr. Bio-Standard seien mindestens neun Quadratmeter.

Die Freilandhaltung hat aber nicht nur für die Tiere Vorteile. Ihr Mist ist einer der besten natürlichen Dünger. Zudem durchwühlen Hühner mit ihren Krallen den Boden derart, dass ein späteres Umpflügen leichter fällt. Es bleibt nur das Risiko, dass ein Fuchs oder Greifvögel den Tieren einen Besuch abstatten.

Daher kann Müller die genaue Anzahl der Tiere auch nur schlecht beziffern. Derzeit seien es etwa 520 bis 530 verteilt auf zwei Ställe, in denen die Hühner ihre Eier legen, zu trinken und zu fressen bekommen oder auf der Stange schlafen. Dies ist eine Attraktion für Spaziergänger.

Bei den Ställen trifft der junge Landwirt immer wieder Leute, die sich seine Tiere anschauen. "Kürzlich kam eine Ausflugsgruppe vorbei, die spontan ein Liedchen trällerte. Den Hühnern hat’s gefallen." Besonders häufig seien Kinder mit Eltern oder Erziehern bei den Tieren.

Müllers Leidenschaft für die Landwirtschaft hat im Kindesalter begonnen. Mit acht Jahren half er häufig einem Bauern im Dorf bei der Kartoffelernte. Fünf Jahre später hat er erstmals selbst auf einem 90 Quadratmeter großen Gartengrundstück Kartoffeln angebaut – und diese dann in der Nachbarschaft verkauft, um sein Taschengeld aufzubessern. "Das hat sehr gut funktioniert", so der 22-Jährige im Rückblick.

Ganz der spätere Kaufmann, hat Müller bereits im Folgejahr expandiert und die Kartoffeln auf einer doppelt großen Fläche angebaut. Zudem hat er in den ersten eigenen Traktor investiert. Im Alter von 16 Jahren zündete bei ihm das Feuer für die Tierhaltung. Er startete mit 25 Hühnern und übernahm zwei Jahre später den Betrieb des Bauern, dem er als Kind zur Hand gegangen war. Heute agiert er als Nebenerwerbslandwirt.

Komplett in die Landwirtschaft einzusteigen, schließt Müller bislang jedoch aus: "Es ist mehr ein Hobby." Aber auch ein kleines Zubrot. An seinem Verkaufsstand an der Arnbacher Straße in Gräfenhausen gibt es eine Vielzahl landwirtschaftlicher Produkte: Weizen-, Dinkel- und Hafermehl, natürlich die eigenen Kartoffeln sowie die Eier der freilaufenden Hühner. Dabei funktioniert das Prinzip ähnlich wie beim Blumen-Selbst-Schneiden. Die Kunden kommen, nehmen sich das jeweilige Produkt und legen den entsprechenden Betrag in die Kasse.

Mehr als um den Verdienst geht es dem Gräfenhäuser jedoch darum, den Kunden gesunde Ware anzubieten. "Ich will zeigen, dass eine saubere Landwirtschaft ohne den Einsatz von Chemie möglich ist", erklärt Müller. Derzeit arbeitet er an der Bio-Zertifizierung: "Die Umstellung eines normalen Betriebs darauf dauert aber gute fünf Jahre."

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